Donnerstag, 23. Dezember 2010

Pimlical für Android ist da! Aber nur via Paypal erhältlich

Als ich heute sah, dass Pimlical für Android verfügbar ist (Kalender-App vom Entwickler von DateBk für den Palm, siehe auch hier), hätte ich fast einen Luftsprung gemacht. Endlich! Die Screenshots sehen auch sehr vielversprechend aus.
Leider folgte sofort die große Enttäuschung: Die einzige Möglichkeit, Pimlical zu beziehen, besteht in einer Zahlung von $4,95 (Einführungspreis) via Paypal.
Mein Paypal-Konto aber habe ich wegen der Vorgänge um Wikileaks (und nicht zuletzt auch wegen der vielen anderen negativen Berichte über mehr oder minder beliebig eingefrorene Konten, die das Unternehmen nicht eben vertrauenswürdig machen) erst kürzlich geschlossen. Natürlich habe ich nicht vor, gleich wieder eins zu eröffnen.
Somit bleibe ich außen vor, bis es andere Zahlungsmöglichkeiten oder eine Version im Android Market gibt. Sehr schade.
Wer Paypal noch nicht den Rücken gekehrt hat, kann hier sein Glück versuchen.
Hinweis: Pimlical setzt Android 2.2 Froyo voraus.
Update:
Habe jetzt doch zähneknirschend eine Einzelzahlung via Paypal geleistet.
Der erste Eindruck ist sehr gut, abgesehen von einem dicken Wermutstropfen: Der völlig unbenutzbare Android-Date-Picker wurde (bisher) nicht durch eine bessere Alternative ersetzt. Das finde ich recht enttäuschend und hoffe, dass da bald nachgebessert wird. Update: Mit der inzwischen nachgereichten Version 1.0.3 wurde ein guter Date Picker eingebaut und auch ein Time Picker angekündigt.
Der Rest sieht aber sehr genial aus – wie früher auf dem Palm schon, man muss sich mit dem Programm und seinen unzähligen Einstellungen beschäftigen, muss es lernen, damit es gut wird, und das Hübscheste auf der Welt ist es sicher auch nicht, zudem noch mit manchem kleineren Bug behaftet. Aber wer sich darauf einlässt, findet nirgends besseres.
Soweit der allererste Eindruck, Ausführliches wird es natürlich in den nächsten Wochen irgendwann hier zu lesen geben.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

SyncMate 3 Beta

Seit einiger Zeit kann man bei Eltima die Beta von SyncMate Version 3 herunterladen. Es handelt sich um Synchronisationssoftware für den Mac.
Wichtigste Neuerung für Android-User: Neben einer kompletten Synchronisierung (inkl. Gruppen, Geburtstage etc.) von Kontakten und Kalendern ans Google-Konto, die bisher schon möglich war, kann jetzt auch via Bluetooth und WLAN direkt aufs Gerät gesynct werden. So können auf diesem Wege auch iTunes, iPhoto und Ordner synchronisiert werden, was bislang nur per USB möglich war. Außerdem können jetzt auch SMS synchronisiert werden.
Die Beta ist inklusive Expert-Funktionen kostenlos, bis die Vollversion erscheint. Als Beta-Nutzer ist man dann berechtigt, zu reduziertem Preis die Expert-Funktionen freizuschalten; mit etwas Glück bekommt man sie sogar geschenkt.
Ich habe die neue Version derzeit im Test und werde bald darüber berichten.

Siehe auch: Sync von OS X zu Android: Alle Optionen

Filtersouveränität und Wahrheitsdivergenz

Bei Crtl-Verlust hat mspro einen interessanten Artikel über die Zukunft des Wahrheitsempfindens in Zeiten des Internets veröffentlicht.
Kurzzusammenfassung: Sammlungen wie Wikileaks helfen nicht wirklich weiter als die frühere, gefilterte Form der Veröffentlichung durch Journalisten, weil niemand die Zeit hat, die Fülle des Materials selbst zu sichten. Irgendeine Form von vorgefilterter Information wird also immer bleiben. Da der Print-Journalismus immer mehr an Bedeutung verliert, wird diese Aufgabe jetzt schon und stark vermehrt in Zukunft von Bloggern, Twitterern und sonstigen Privatleuten übernommen. Solche Informationen aus dem Netz sind aber viel stärker noch als der professionelle Journalismus an die Meinung des Autors gebunden, geben nicht selten Halbwahrheiten, bruchstückhafte Informationen, Verschwörungstheorien und auch schlicht die Unwahrheit wider. Da sich die Informationskonsumenten gerne solche Quellen suchen, die mit ihrer eigenen Meinung übereinstimmen, wird letztlich eine Welt entstehen, die keinen Konsens über die Wahrheit mehr kennt; je nach Quellenauswahl wird jeder etwas anderes für wahr halten. (Im Artikel steht noch mehr, aber das sind die Punkte, die ich kommentieren möchte.)

Das ist wirklich ein sehr ineterssanter Punkt. Zwar halte ich Komplettveröffentlichungen wie Wikileaks schon für sehr wichtig, weil sie nach Konsum von gefilterter Information die Quellenüberprüfung ermöglichen. Das war früher nicht möglich, man musste dem Journalisten einfach glauben.
Tatsächlich haben sich damit die Vorteile solcher Quellensammlungen auch schon weitgehend erschöpft. Ja, ich könnte mir das alles selbst ansehen, und es ist irgendwie schön zu wissen, dass das theoretisch möglich wäre. Werde ich es wirklich tun? Nein.
Wie vermutlich viele andere habe ich mal einen Blick auf einen der unzähligen Wikileaks-Mirror geworfen, die eine oder andere Depesche studiert, festgestellt, dass nichts Interessantes drinstand und dass ich nicht weiß, wie ich interessante Depeschen finden soll – und mich anderen Dingen zugewandt.
Also: Ja, ohne die Filterung durch Leute, die sich weitgehend durch das Material durchkämpfen, sind solche Veröffentlichungen wertlos. Journalismus, sei es durch Profis oder durch Privatleute, ist und bleibt notwendig.
Was mspro Filtersouveränität nennt, bezieht sich auf die Wahl der Quellen, die der Einzelne trifft. Es gibt einen ungeheuren Wust an Informationen, viel zu viel, um sie selbst zu verarbeiten. Statt dessen wählen wir die Filter, die die für uns wichtigen Informationen identifizieren und zur Verfügung stellen. Das sind natürlich nicht nur Journalisten bzw. ganze Publikationen und Blogs, sondern auch Suchmaschinen, Foren, Freunde und Bekannte außerhalb des Netzes usw. Souveränität drückt dabei aus, dass es statt einiger weniger Meinungsmacher inzwischen eine Fülle von Quellen gibt, die angezapft werden können, und es werden immer mehr – jeder kann und muss sich die eigenen auswählen. (mspros Begriff der Filtersouveränität hat noch mehr Aspekte, es würde aber zu weit führen, die hier alle anzusprechen.)
Je mehr die Bedeutung des professionellen Journalismus als Meinungsmacher abnimmt, desto mehr wird sich der Anteil von „Untergundmeinungen“ im persönlichen Weltbild erhöhen. Dabei ist unerheblich, was davon tatsächlich wahr ist, denn in vielen Fällen ist das für den Einzelnen ohnehin nicht nachprüfbar, ganz abgesehen von der fehlenden Motivation der meisten Medienkonsumenten, das überhaupt zu versuchen.
Natürlich sind auch die großen Medien nicht frei von verzerrten, unvollständigen oder falschen Informationen, im Gegenteil. Das blendet man im allgemeinen aber aus, vor allem bei den „seriösen“ Quellen, was es sehr erleichtert, sich selbst ein kohärentes Weltbild zu schaffen.
Untergundmeinungen mögen teilweise die „tatsächliche Wahrheit“ besser widerspiegeln als der Tenor der Mainstream-Medien. Und selbstverständlich recherchiert mancher Blogger besser als zeitnotgeplagte Profi-Journalisten. Trotzdem dürfte es eher die Mehrzahl als die Minderheit der Untergrund-Quellen sein, die massiv meinungsgefärbte Artikel in die Welt setzt.
Echte Nachrichtenportale, die etwa Agenturmeldungen verbreiten, sind im allgemeinen organisiert wie die traditionellen Medien, gehören wirtschaftlich direkt zu ihnen oder aggregieren nur deren Meldungen. Blogs dagegen bestehen zu fast 100% aus Kommentaren, nicht aus Reportagen oder reinen Nachrichten. Sie stellen eine Ergänzung dar – die eigentlichen Nachrichtenquellen ersetzen können sie in den wenigsten Fällen.
Wird es also überhaupt zu einem Auseinandergehen des persönlichen Wahrheitsempfindens kommen, wie mspro es postuliert, wird jeder etwas anderes für wahr halten? Werden reine Nachrichtenportale als Nachfolger der Printmedien in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, wird jeder nur noch Kommentare und Meinungen konsumieren statt der „reinen“ Nachrichten?
Das glaube ich nicht. Jedenfalls nicht in der Überzeichnung, wie ich es eben dargestellt habe.
Tatsächlich ist es aber relativ wahrscheinlich, dass das bis zu einem gewissen Grad passiert, jedenfalls, wenn der Niedergang des klassischen Journalimus nicht irgendwann durch einen Backlash gestoppt wird.
Mit der nachlassenden Qualität des Print-Journalismus schwindet auch das Vertrauen in ihn. Echte Nachrichtenportale wird es immer geben (was mspro ja auch nicht bestritten hat, um das hier einmal anzumerken), und ähnlich wie heute Fernsehen und Printmedien werden sie in Zukunft für die Ausgestaltung des Mainstream-Weltbildes zuständig sein.
Nicht unwahrscheinlich ist allerdings, dass das Vertrauen in diese Institutionen immer mehr schwindet, und damit ihre Bedeutung bei der Meinungsbildung. Man wird sie weiterhin konsumieren, die Inhalte aber möglicherweise kritischer betrachten und grundsätzlich mit Ansichten aus dem Bereich der Untergundmeinung vergleichen.
Dadurch würde immer unklarer, was denn nun eigentlich „wahr“ ist; eine weitere Verunsicherung der Menschen wäre die Folge.
Keine schönen Aussichten? mspro glaubt, dass sich das nicht mehr verhindern lässt. Und er könnte recht haben.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Erste Erfahrungen mit Diaspora

Seit kurzem gibt es Diaspora, den hoffentlich zukünftigen Facebook-Ersatz, offiziell in einer Alpha-Version zum Testen. Auf dem Server („Pod“) des Entwicklungteams kann man sich um einen Invite bewerben, aber es gibt auch diverse von Privatpersonen betriebene Pods, wo man nicht auf einen Invite warten muss, sondern sich gleich einen Account machen kann (siehe unten).
Dieser Post beschreibt den Stand Mitte Dezember 2010.


Was ist Diaspora?
Das Projekt Diaspora wurde von einigen US-amerikanischen Studenten ins Leben gerufen, die einen Ersatz für Facebook haben wollten, der im Gegensatz zum Original keine Katastrophe für die Privatsphäre ist. Sie fragten öffentlich nach monetärer Unterstützung und rechneten mit einigen Tausend Dollar, erhielten aber einige Hunderttausend Dollar – ein Beweis dafür, wie wichtig vielen Facebook-Usern eine Alternative wäre, bei der man sich um die Privatsphäre keine Sorgen machen muss.
Inzwischen ist das Projekt soweit gediehen, dass es ernsthaft nutzbar ist. Es handelt sich aber immer noch um eine Alpha-Version, das heißt, dass weder alle Features vorhanden sind, die das Projekt irgendwann einmal haben wird, noch kann man mit Stabilität oder Verlässlichkeit rechnen. Mehr als Ausprobieren ist also momentan nicht drin, aber wir sind ja auch noch ganz am Anfang der Geschichte von Diaspora.

Kurzer Überblick
Wer nur wissen will, was das eigentlich ist, sollte diesen und den nächsten Abschnitt lesen. Details kommen in den folgenden Abschnitten.
Bei Facebook gibt es eine zentrale Serverfarm, an der sich alle Nutzer anmelden müssen. Der Facebook-Konzern hat Kontrolle über alle seine Nutzer und kann alle Daten mitlesen und an Dritte verteilen, was auch geschieht, wenn man nicht mit Argusaugen über die Privatsphäre-Einstellungen wacht und darauf verzichtet, Facebook-Applikationen zu benutzen.
Sogar Zensur wendet Facebook an, so geschehen etwa, als alle Posts (und sogar alle privaten Nachrichten!) einfach verschwanden, die auf das Lamebook-Blog verwiesen. (Die negative öffentliche Reaktion hat Facebook mittlerweile dazu bewegt, das wieder zurückzunehmen.)
Diaspora dagegen ist ein dezentrales Netz. Es gibt viele Server oder Pods, auf denen man sich einen Account einrichten kann, und wenn man das Know-How und die nötigen Ressourcen hat, kann man sich auch selbst einen Pod auf setzen.
Die Pods tauschen untereinander die Nachrichten aus, die die Nutzer schreiben. Diese Nachrichten entsprechen in etwa dem, was in Facebook an der Pinnwand bzw. in den „Neuigkeiten“ landen würde.
Bisher gibt es nur solche Nachrichten und die Möglichkeit, Fotos zu posten.
In Zukunft sollen auch Apps und Spiele wie bei Facebook hinzukommen, außerdem natürlich weitere Features wie etwa private Nichrichten an einzelne User und vieles andere.

Unterschiede zu Facebook
Vorteile:
  • Niemand kann sehen, wer meine „Freunde“ sind. Das erschwert das erstellen von Userprofilen aufgrund von Freundschaften.
  • Statt der Einteilung „Freund oder nicht Freund“ kann man in Diaspora viele Gruppen, genannt Aspekte, anlegen. Ich kann also eine Nachricht schreiben, die alle meine Kontakte sehen können, oder eine, die nur meine (wirklichen) Freunde sehen können, oder eine, die nur meine Kollegen aus der Firma sehen können.
  • Es gibt keine Dritten, an die irgendwelche Daten weitergegeben werden.
  • Gefällige Oberfläche, einfache Bedienung. Wenn man das Konzept der Aspekte einmal verstanden hat, ergibt sich alles andere von selbst, viel einfacher als bei Facebook.
Nachteile:
  • Ich kann niemanden anhand seiner E-Mail-Adresse suchen. Das ist ein Vorteil in Sachen Privatsphäre, macht es aber auch schwieriger, Freunde im Diaspora-Netz zu finden.
  • Aktuell gibt es überhaupt kein globales User-Verzeichnis, die Suchfunktion sucht erstmal nur auf dem lokalen Pod und in den Kontaktlisten lokaler User. Man muss also die eigene Diaspora-Adresse an Freunde häufig explizit weitergeben, es ist fast unmöglich, jemanden einfach zu finden, zu dem man keinen Kontakt mehr hat. Ob es ein globales Verzeichnis geben wird, ist noch in der Schwebe – meiner Meinung nach ist das aber ein Muss, wenn Diaspora ein echter Facebook-Konkurrent sein will.
  • Es gibt noch kein Äquivalent zum „Gefällt mir“-Button. Möglicherweise wird das aber in Zukunft noch hinzugefügt werden.
  • Aktuell natürlich immer wieder Fehler und Problemchen, das System ist ja noch lange nicht ausgereift.

Aspekte
Ein Aspekt ist eine Sammlung von Kontakten. Ein Kontakt kann auch zu mehreren Aspekten gehören. Die Aspekte erscheinen als Reiter im User Interface.
Wenn ich in einen Aspekt eine Nachricht hineinschreibe, erhalten all die User diese Nachricht, die ich zu diesem Aspekt hinzugefügt habe.
Umgekehrt gilt, dass die Nachricht eines Users, die ich erhalten habe, in all den Aspekten erscheint, denen ich diesen User zugeordnet habe (und im „Alle“-Aspekt).
Dadurch lassen sich einerseits die erhaltenen Nachrichten wunderbar ordnen, andererseits kann ich bei jedem Post klar bestimmen, wer ihn zu lesen bekommt und wer nicht.

Privatsphäre
Soweit man dem Betreiber des eigenen Pods (ggfs. man selbst) und dem seiner Kontakte vertrauen kann, ist die Privatsphäre gesichert.
Das führt aber auch dazu, dass es viel schwieriger ist als auf Facebook, alte Bekannte zu finden.
Zum einen spielt die E-Mail-Adresse bei der Suche keine Rolle, zum andere kann man nicht sehen, wer mit wem verbunden ist („befreundet“ nach Facebook-Jargon). Der Facebook-Effekt, dass man jemanden findet, weil er mit einem „Freund befreundet“ ist (und auch noch entsprechende Vorschläge bekommt), bleibt also aus (jedenfalls teilweise, siehe den nächsten Abschnitt).
Das könnte letztlich den großen Durchbruch von Diaspora verhindern. Natürlich hat sich Diaspora Privatsphäre auf die Fahnen geschrieben und kann kaum anders handeln (weil sonst die Erstellung von Social Graphs ein Leichtes ist), aber eben um alte Bekannte zu finden, verzichten Facebook-User gern auf dieses Stück Privatsphäre.
Diaspora wäre vmtl. gut beraten, solche Features in Zukunft zumindest optional anzubieten.
Wenn Pods untereinander kommunizieren, werden die Nachrichten verschlüsselt. Die meisten Pods sind außerdem mittelrweile auf https umgestellt, so dass auch der Zugriff auf den Pod selbst verschlüsselt stattfindet.

Das Kommentare-Problem
Andererseits gibt es einen Punkt, über die man trotzdem Leute zufällig entdecken und letztlich auch Social Graphs erstellen kann: Kommentare zu Posts.
Grundsätzlich ist es so, dass jeder, der einen Post sehen kann (weil er mit dem Post-Ersteller verbunden ist), auch alle Kommentare sehen kann, die zu dem Post abgegeben werden – und somit natürlich auch Kommentare von Leuten, mit denen er selbst nicht verbunden ist.
Das ist bei Facebook natürlich nicht anders. Da muss man aber ohnehin damit rechnen, dass so ein Kommentar immer öffentlich ist, so öffentlich wie der Post eben.
Bei Diaspora ist das anders: Der Poster könnte einen Aspekt benutzt haben, in dem nur ich mich befinde (um mir eine private Nachricht zu senden), in dem eine kleine Gruppe enger Freunde versammelt ist, in dem alle Arbeitskollegen und der Chef stecken, oder der Post könnte an absolut Alle gerichtet gewesen sein, mit denen der Poster verbunden ist. Als Leser des Posts kann ich nicht wissen, wer das sonst noch so alles liest, denn die Adressaten sind natürlich (sinnvollerweise) nicht sichtbar. (Einzig ein Erdball zeigt mittlerweile, wenn ein Post „public“ ist, sagt aber nur aus, dass er vom Poster gleichzeitig auch an Twitter und/oder Facebook geschickt wurde, was nur im „Alle“-Aspekt möglich ist. Posts im „Alle“-Aspekt ohne Weiterleitung nach außen sind dagegen nicht gesondert gekennzeichnet, insofern bringt uns das auch nicht viel weiter.)
Es gibt mehrere mögliche Ansätze, dieses Problem anzugehen. Einige sind in dem Ticket versammelt, das ich dazu angelegt habe. Wer weitere Ideen hat, sollte sie am besten dort hineinschreiben.
Über den Umstand, dass man sehen kann, wer kommentiert, ist es natürlich auch wieder möglich Social Graphs zu erstellen, wenn auch nicht so einfach und vor allem umfassend wie bei Facebooks Freunde-Modell. Andererseits ist das momentan die einzige Möglichkeit in Diaspora, neue Kontakte zu finden (ohne nach beliebigen Namen/Stichwörten zu suchen) und ggfs. Freunde zu entdecken, die auch dieses Netz nutzen. Es würde den Spaß an Diaspora momentan stark mindern, wenn es diese Möglichkeit nicht gäbe.

Wie fühlt sich Diaspora an?
Es macht Spaß. Ich nutze Diaspora mittlerweile ausgiebiger als Facebook, auch weil man sich da nicht abmelden muss, um zu verhindern, dass andere Seiten beim Surfen Informationen sammeln können.
Aber: Ich habe zwar mittlerweile fast 100 Kontakte in Diaspora, aber keinen einzigen von ihnen kenne ich persönlich. Und das macht momentan den großen Unterschied zu Facebook aus.
Denn dort ist es genau umgekehrt: Ich kenne alle meine „Freunde“ persönlich (auch wenn nicht alle wirklich Freunde im Sinne des Wortes sind).
Diaspora ist gefühlsmäßig somit momentan eher so etwas wie ein anderes Twitter als so etwas wie ein anderes Facebook – was sich natürlich noch ändern kann.

Stand der Entwicklung
Grundsätzlich funktioniert Diaspora für eine Alpha erstaunlich gut, jedenfalls auf dem Geraspora-Pod, den ich benutze. Fast täglich gibt es kleine Neuerungen, die Entwicklung schreitet merklich voran. Natürlich gibt es dann und wann kleinere Fehler und Problemchen, aber sehr viel weniger als ich erwartet hätte.
Was eigentlich am meisten fehlt ist eine offizielle und dokumentierte API, die es erlauben würde, Clients für Mobiltelefone und ggfs. für den Desktop zu entwickeln. Momentan macht Diaspora auf dem Handy noch keinen Spaß, zumal manche Funktionen gar nicht nutzbar sind, weil sie nicht für Touch-Bedienung geeignet sind.
Natürlich bleibt eine Alpha trotzdem eine Alpha – allein schon wegen vieler noch fehlender Features ist der aktuelle Stand noch nicht geeignet, um sich ein komplettes Bild darüber zu machen. Wer wissen möchte, ob Diaspora für ihn vielleicht Facebook ersetzen kann, wird noch eine ganze Weile warten müssen, bis es Sinn macht, einen ernsthaften Vergleich anzustellen.
Man muss aber nicht Totalgeek mit Hang zum Austesten und Beheben von Bugs sein, um jetzt schon ein wenig mit Diaspora zu spielen – es funktioniert schon gut genug, um auch weniger technikaffinen Zeitgenossen ein neues Werkzeug zu sein.

Öffentlich zugängliche Pods, Forum
Neben dem offiziellen Pod, der nur mit Einladung zugänglich ist, gibt es eine ganze Menge anderer Pods, bei denen es häufig genügt, sich einfach anzumelden. Je nach Enthusiasmus der Betreiber ist der Aktualität der verwendeten Software unterschiedlich, viele Pods werden jedoch täglich aktualisiert, teils sogar mehrmals täglich.
Eine Liste öffentlicher Pods gibt es unter http://podup.sargodarya.de/. Ich selbst nutze den Geraspora-Pod und bin damit sehr zufrieden.
Ein deutsches Diaspora-Forum ist unter http://diaspora-deutschland.de/ zu finden.

Fazit und Ausblick
Diaspora ist jetzt schon viel besser als ich das in diesem frühen Stadium erwartet hätte. Und es macht Spaß!
Ob es wirklich ein ernstzunehmender Facebook-Konkurrent werden wird, steht aber momentan noch in den Sternen. Das Entwicklungsstadium ist noch viel zu früh, um hier eine ernsthafte Prognose abgeben zu können.
Der Knackpunkt wird wohl sein, dass Diaspora nicht nur genauso gut, sondern besser werden muss als Facebook, um hier eine ernsthafte Chance zu haben. Und das gilt nicht nur für die Privatsphäre. Dieses Thema allein genügt leider nicht, um die Masse zum Wechsel zu bewegen – da müssen schon weitere Vorteile dazukommen.
Ich bin gespannt, wie sich Diaspora weiterentwicklen wird. Ein guter Anfang ist jedenfalls gemacht.

Auf Diaspora bin ich unter zottel@pod.geraspora.de zu finden.

Mittwoch, 17. November 2010

Lesenswerte Links: Tipps für die Verlagsbranche im Digitalzeitalter

Bei 137b zeitweise gibt es eine wunderschöne Satire über das Verhalten der deutschen Verlagsbranche in Bezug auf die Digitalisierung der Medien.

Dienstag, 16. November 2010

Facebook: Bauchschmerz ohne Ende

Ja, ich bin jetzt auch einer von Ihnen. Nach langer Weigerung habe ich mir vor einiger Zeit doch einen Facebook-Account eingerichtet. Und ja, es ist praktisch, es macht Spaß, ich nehme viel direkter am Leben von Leuten Teil, denen ich freundschaftlich verbunden bin, die ich aber ganz selten sehe.
Und trotzdem: Ein nicht endenwollender Bauchschmerz surft immer mit.
Was Datenschutz betrifft, ist Facebook schlicht und einfach eine Katastrophe. Anders kann man es nicht ausdrücken.
Das fängt schon bei den Privatsphäre-Einstellungen an: Der Default ist offen wie ein Scheunentor. Als Neuling in der Facebook-Bedienphilosophie (aber mit viel Erfahrung in der Bedienung von Computern!) habe ich tatsächlich mehrere Stunden gebraucht, bis ich alle relevanten Einstellungen überhaupt erst einmal gefunden, verstanden und dann akzeptable Einstellungen gesetzt hatte. Entsprechend lückenhaft dürften die Einstellungen beim durchschnittlichen Facebook-User aussehen.
Richtig schlimm bei Facebook ist ja vor allem, dass nicht nur Facebook selbst Daten in ungeheuren Mengen sammelt – sie werden auch mit vollen Händen an Dritte weitergegeben, wenn man dem nicht mit mehreren verschiedenen Einstellungen einen Riegel vorschiebt. Das ist das wirklich gruselige. Dass eine einzelne Firma Daten über einen sammelt, daran ist man ja mittlerweile gewohnt. Ich nutze ja auch diverse Google-Dienste, und man mag es blauäugig finden, aber ich vertraue Google.
Google behält nämlich die Daten bei sich. Dritte erhalten zwar die Möglichkeit, von Googles Daten zu profitieren, indem sie Anzeigen an passenden Stellen schalten dürfen. Das ganze System dazu ist aber in Googles Hand, und kein Anderer sieht die privaten Daten der Nutzer. Wo die Privatsphäre einstellbar ist, etwa bei Buzz, gibt es nur wenige Einstellungen, sie sind (meiner Ansicht nach) leicht zu finden und sofort verständlich.
Ganz anders bei Facebook.
Ich glaube kaum, dass dem durchschnittlichen Facebook-Nutzer klar ist, dass er sogar den Betreibern bestimmter Webseiten, die auf den ersten Blick gar nichts mit Facebook zu tun haben, automatisch Freundeliste, Status und Profilbilder zur Verfügung stellt, je nach Einstellung natürlich auch Geburtstag (praktisch für den einfachen Identitäsdiebstahl), religiöse Ansichten, andere Fotos, Beziehungen und was man sonst noch so alles bei Facebook einstellen kann.
Von diesen Webseiten gibt es zum Glück (noch) nicht allzuviele (aber Microsofts Suchmaschine Bing gehört beispielsweise dazu). Richtig schlimm wird es aber, wenn man anfängt, Facebook-Anwendungen zu benutzen. Und eigentlich auch schon, wenn Facebook-Freunde das machen.
Diese Anwendungen verlangen den Zugriff auf eigene Daten. Wenn man möglichst viele private Daten über Internetnutzer sammeln will, gibt es einen einfachen und praktischen Weg dazu: Man programmiert ein Spiel für Facebook. Und schon hat man Zugriff auf die privaten Daten tausender Nutzer – und auf die von ihren Freunden.
Das kann man abstellen, ja. Natürlich habe ich Facebook-Anwendungen, die meine Freunde benutzen, jeglichen Zugriff auf meine Daten verboten. Die entsprechende Einstellung muss man aber erst einmal finden. Und natürlich wird man von Facebook gewarnt, dass man lieber nicht zuviele Erlaubnis-Häkchen wegnehmen sollte, da sonst das Facebook-Erlebnis „weniger sozial“ werde. Wie ich davon profitieren soll, dass Dritte meine Daten erhalten, weil meine Freunde deren Anwendungen benutzen, ist mir schleierhaft.
Es profitieren nur diese Dritten, und natürlich Facebook, das sich den Datentransfer vmtl. gut bezahlen lässt.
Aber wenn man sich nicht ganz sicher ist, was man da eigentlich macht, wenn man die Häkchen entfernt, wird man im Zweifelsfall natürlich Facebooks „Warnung“ beherzigen.
Und das Ganze ist auch für mich nicht an allen Stellen wirklich durchsichtig. Vor kurzem habe ich erstmals Bilder direkt aus Aperture hochgeladen. Der Aperture Uploader braucht dazu natürlich gewisse Zugriffsberechtigungen. Warum er aber auf meine Profilinformationen zugreifen und somit etwa meine religiösen Ansichten (hätte ich das ausgefüllt) und meinen Arbeitgeber erfahren will, und das selbe auch noch für meine Freunde, das ist mir nicht ganz einsichtig. Zudem bleibt auch unklar, ob ich diese Erlaubnisse nur dem Programm gebe, das sich auf meiner Festplatte befindet, oder ob die Infos (und Bilder) über irgendwelche Apple-Server laufen bzw. für Apple zugreifbar sind, so dass sich auch Apple genüsslich daran bedienen kann. Wenn mich hier jemand aufklären kann, wäre ich dankbar.
Und dann noch die Sache mit den Adressbüchern. Im allerersten Überschwang habe auch ich mich dazu hinreißen lassen, mein Adressbuch zu Facebook hochzuladen. Das würde ich gerne rückgängig machen. Ja, diese Möglichkeit bietet Facebook, aber sie ist dermaßen versteckt, dass man eigentlich nur zufällig darauf stoßen kann: Wenn man die Datenschutzrichtlinien durchliest, findet man dort den Link zu der Seite, auf der man theoretisch die hochgeladenen Kontaktdaten löschen könnte. Theoretisch.
In den ersten paar Tagen meiner Facebook-Zugehörigkeit gab es diese Seite überhaupt nicht, d.h. man bekam lediglich ein „404 Not found“. Inzwischen existiert die Seite immerhin, man kann auf „entfernen“ klicken. Dann dauert es ein paar Sekunden, und ein Fehler erscheint.
Somit ist es zumindest aktuell (seit gut einem Monat) nicht möglich, einmal hochgeladene Kontaktdaten von Freunden wieder zu löschen.
Und weiter gehts mit eklatanten Sicherheitslücken: Seit einiger Zeit gibt es eine Erweiterung für Firefox, die es spielend leicht ermöglicht, die Anmeldungen anderer User zu diversen Sites (u. a. Facebook) zu übernehmen, wenn man mit ihnen im gleichen, unverschlüsselten WLAN unterwegs ist – zum Beispiel in einem Café. Dagegen gibt es eine ganz einfache Absicherung: SSL (https) benutzen. Genau das verhindert Facebook aber erfolgreich. Zwar kann ich mich via https://www.facebook.com verschlüsselt bei Facebook anmelden. Jeder einzelne Link auf der noch verschlüsselt übertragenen Startseite führt aber auf eine unverschlüsselte Facebook-Seite. Sobald ich also der ersten Link angeklickt habe, nutze ich Facebook wieder ohne Verschlüsselung und bin für die Übernahme meines Facebook-Kontos in einem unverschlüsselten WLAN angreifbar.
Die Nutzungserfahrung ist eigentlich auch nicht besonders gut, die Oberfläche umständlich, auf Android selbst im WLAN sehr langsam, und je nach Zugriffsweg bekomme ich ganz unterschiedliche „Neuigkeiten“ angezeigt. Nicht wirklich überzeugend. Aber wo sonst könnte man mit all den Leuten sowas ähnliches wie in Kontakt bleiben?

Für mich eines ganz klar: Facebook ist nicht vertrauenswürdig. Die Default-Einstellungen sind so gewählt, dass sehr viele private Daten an sehr viele Dritte weitergegeben werden. Das zu ändern ist zwar für die meisten (nicht alle!) Daten möglich, ist aber sehr kompliziert und erfordert selbst für Computerkenner einige Einarbeitungszeit. Es drängt sich Eindruck auf, dass Facebook es seinen Nutzern so schwierig wie möglich machen möchte, ihre Daten einigermaßen vor dem Zugriff Dritter zu schützen. Klar – schließlich ist der Handel mit Daten letztlich Facebooks Geschäftsmodell.
Andererseits ist Facebook aber wirklich sehr praktisch. Nicht zuletzt dadurch, dass einfach unglaublich viele Leute aus dem Bekanntenkreis dort zu finden sind, ergibt sich eine Plattform, wie sie sonst im Internet schlicht nicht zu finden ist. Also bleibe ich wohl oder übel dabei. Ich kontrolliere meine Privatsphäre-Einstellungen sehr genau, benutze so gut wie keine Facebook-Anwendungen und überlege bei allem, was ich veröffentliche, ob es wirklich ok ist, das öffentlich preiszugeben.
Das ist Surfen mit Bauchschmerzen. Und natürlich schmälert es die Freude an Facebook gewaltig, bis hin zu der Tatsache, dass ich immer noch überlege, ob ich Facebook nicht doch wieder verlassen soll, obwohl es mir so viel Spaß macht.
Und dann in Zukunft noch alle Kommunikation, von IM über SMS zu E-Mail über Facebook abwickeln, wie es MarkZuckerberg jetzt angekündigt hat? Dem Moloch noch mehr persönlichste Daten in den Rachen werfen? Sicher nicht. Dafür ist Facebook einfach nicht vertrauenswürdig genug.
Diaspora als Hoffnung auf eine Alternative? Schön wärs. Ich fürchte nur, dass sich dort nur Geeks treffen werden und die Mehrzahl der User bei Facebook bleibt.
Schade, dass sich Facebook durch seine viel zu freizügige Datenweitergabe an Dritte selbst so madig macht. Es könnte so eine schöne Platform sein.

PerfectLight MEMS Displays: Das wär was

Das Displayblog berichtet über eine neue Art von Displays, die die Firma Pixtronix auf der FPD vorgestellt hat:
PerfectLight MEMS Displays sollen 75% (!) weniger Strom brauchen, einen großen Farbgamut bieten, extrem schnelle Reaktionszeiten aufweisen (10x schneller als die schnellsten LCDs) und mit 170° einen guten Betrachtungswinkel mitbringen.
Wow. Das wäre die Lösung der allgegenwärtigen Akkuprobleme.
Bin gespannt, wann es die ersten Android-Geräte mit diesen Displays gibt.