Freitag, 16. Juli 2010

Ach ja, die Homöopathie …

Da haben wir also das diesjährige Sommerlochthema: Homöopathie! Wie üblich bei solchen Aufhängern in der nachrichtenarmen Zeit wird ungeheuer viel Lärm um fast nichts gemacht, manch Richtiges, manch Falsches und eine Menge Halbwahrheiten verbreitet.
Hier einige Beispiele:
„Die gesetzlichen Krankenkassen müssen derzeit homöopathische Mittel und Behandlungen bezahlen.“ Das ist falsch. Die Kassen dürfen Homöopathie in ihren Leistungskatalog aufnehmen, wenn sie wollen. Die meisten tun das nicht. Entsprechend gering sind die Gesamtkosten der Homöopathie für das Gesundheitssystem.
„Homöopathie ist billig.“ Das ist ebenfalls falsch oder zumindest nicht ganz richtig. Zwar sind homöopatische Mittel fast immer günstiger als die Produkte der klassischen Medizin, aber der Arztbesuch beim Homöopathen kostet normalerweise mehr.
„Homöopathie wirkt nicht.“ Das ist, je nach Betrachtungsweise, falsch oder eine Halbwahrheit. Falsch, wenn man die in jedem Fall vorhandene Placebo-Wirkung mit einbezieht. Eine Halbwahrheit, wenn man Placebo-Wirkung nicht betrachten will und sich nur die Studien ansieht: Für die meisten Krankheiten wurde der Homöopathie in wissenschaftlichen Studien tatsächlich nur eine Wirkung attestiert, die nicht über die Gabe eines Placebos hinausgeht. Es gibt aber einzelne Symptome, bei denen in Studien von „Hinweisen auf eine mögliche Wirkung“ die Rede ist, zum Beispiel Migräne.
Und so weiter.

Ein vermutlich wichtiger Punkt in der „Wirkungsweise“ der Homöopathie wird aber oft vernachlässigt: Der Care-Effekt. Er wird häufig zur Erklärung herangezogen, wenn homöopathische Mittel bei Tieren wirken, bei denen ein Glaube an die Wirkung des Mittels ja recht unwahrscheinlich ist. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Zuwendung, das Sich-um-den-Patienten-Kümmern, eine positive psychische Wirkung hat, die wiederum die Heilung begünstigt.
Das gleiche Prinzip könnte auf die Homöopathie zutreffen: Aufgrund der komplexen und umfangreichen Anamnese, die bei der Homöopathie üblich ist, verbringen Homöopathen üblicherweise wesentlich mehr Zeit mit ihren Patienten als Haus- und selbst Fachärzte. Daraus ergibt sich möglicherweise eine deutlich messbare positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufs.
In diesem Zusammenhang wäre es natürlich interessant, in einer Studie klassische und homöopathische ärztliche Behandlungen statt nur Medikamente miteinander zu vergleichen. Damit spreche ich den üblichen, reinen Medikamentenvergleichsstudien ihre Relevanz nicht ab: Homöopathen behaupten sie heilten mit ihren Mitteln, nicht mit ihrer Zuwendung, also müssen auch die Mittel wissenschaftlich überprüft werden.
Trotzdem könnte der tatsächliche Behandlungserfolg homöopathischer Ärzte deutlich über dem liegen, was die Medikamentenstudien nahelegen – weil es eben nicht die bis ins Nichts potenzierten „Wirkstoffe“ sind, die heilen.

So oder so: Persönlich befürworte ich die freiwillige Bezahlung homöopathischer Behandlungen durch einzelne Krankenkassen. Das liegt vor allem daran, dass man meiner Meinung nach viel mehr auf die Selbstheilungsfähigkeiten des Körpers vertrauen sollte, statt beim kleinsten Anzeichen von Unwohlsein Chemie in sich hineinzuschütten.
Selbst wenn die Homöopathie nichts als nur Placebo- und Care-Effekt für sich verbuchen kann, so hilft sie doch dabei, unnötigen Medikamentenkonsum zu reduzieren.
Und wer es nicht über sich bringt, die homöopathische Behandlung Anderer durch seine Beiträge mitzufinanzieren, muss sich nur eine Kasse suchen, die diese Leistung nicht anbietet.

Kommentare:

  1. Da das Kommentarsystem von blogger.com gerade mal wieder streikt, hier der Kommentar von Enno (http://www.ennomane.de):


    Danke für den Kommenar. Dann lies noch, was ich unmittelbar zuvor geschrieben hatte http://www.ennomane.de/2010/07/13/homoeopathie-ist-ein-segen-fuers-gesundheitssystem/

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