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Freitag, 1. Juli 2011

Google+, der erste ernsthafte Konkurrent für Facebook

Da hat Google am Mittwoch einen echten Paukenschlag gelandet: Einfach so, mir nichts, dir nichts, wird ein fertiges Social Network aus dem Hut gezaubert. Und ganz anders als bei früheren Versuchen wie Google Buzz, das die meisten hierzulande nicht einmal kennen dürften, hat Google diesmal vieles richtig gemacht.
Der neue Dienst sieht toll aus und lässt sich klasse bedienen – vieles läuft per Drag&Drop, alles ist schnell, gut verständlich und aufgeräumt. Facebook wirkt dagegen sehr altbacken und träge und vor allem extrem kompliziert – was bei Facebook seitenweise kaum verständliche Einstellungen sind, ist bei Google eine einzige Seite, die klar und deutlich ist und zumindest nach einer ersten Einarbeitung in das Konzept von Google+ auch keine Fragen offen lässt.
Denn eines ist natürlich klar: Google+ ist keine 1:1-Kopie von Facebook. Es gibt eigene Konzepte, die zwar so fast alle auch anderswo schon zu sehen waren, die aber für den wechselwilligen Facebook-User zunächst einmal eine Umgewöhnung bedeuten und verstanden werden müssen.

Circles (Kreise)
Das ist der größte Unterschied zwischen Facebook und Google: Circles oder Kreise. Das sind Gruppen, in die man seine Kontakte einordnet.
Auch Facebook bietet die Möglichkeit, Gruppen zu erstellen, dort ist aber etwas völlig anderes damit gemeint: Eine Facebook-Gruppe ist so etwas wie ein Mailverteiler. Man sendet etwas an die Gruppe, und alle Gruppenmitglieder können es lesen. Außerdem kann jedes Gruppenmitglied selbst auch Mitteilungen an die Gruppe schreiben. Jeder kann Andere zu Gruppen hinzufügen (die dann selbst wieder austreten müssen, wenn sie das nicht wollen), jeder kann zumindest einen Antrag an den Gruppen-Administrtor (meist der Gründer) stellen, um einer Gruppe beizutreten. Update: Eben auf Hinweis von Thomas gefunden: Neben Gruppen gibt es auch Listen, und die stellen diese Funktionalität zur Verfügung. Es ist aber extrem umständlich, sie zu benutzen.
Kreise bei Google+ sind etwas ganz anderes: Mit ihnen organisiert der User seine eigenen Kontakte, teilt sie ein in Freunde, Bekannte, Familie, Kollegen und so weiter. Ein Kreis ist nichts Öffentliches; ich könnte jemanden in den Kreis „Deppen“ einordnen, und er würde nicht wissen, wie ich ihn kategorisiert habe.
Kreise dienen dazu, eigene Nachrichten nur bestimmten Leuten zugänglich zu machen. Von der Party gestern Abend sollen meine Freunde erfahren, aber nicht meine Kollegen oder mein Chef, und vielleicht auch nicht die Familie. Also ordne ich meinem Status-Update nur den Kreis „Freunde“ zu. Alle anderen können es nicht sehen. Und wenn ein Kollege auch ein Freund ist, wird er eben in beide Kreise eingeordnet.
Umgekehrt kann ich auch in meinem Stream (das, was in Facebook die Neuigkeiten sind) einen Kreis auswählen und bekomme dann nur die Nachrichten aus diesem Kreis angezeigt. Das ist besonders praktisch, wenn man seit Längerem nicht mehr reingeschaut hat – das ganze Rauschen vieler Kontakte mit all ihren Youtube-Links und „Gefällt mir“-Posts kann ausgeblendet und nur auf die Posts enger Freunde beschränkt werden. Die anderen sind erst einmal nicht so wichtig.
Anders als bei Facebook kann jeder erst einmal von sich aus anfangen, mir seine Status-Updates zu schicken, er muss nicht erst mein „Freund“ werden. Sinnvollerweise tauchen diese Nachrichten aber nicht im normalen Stream auf. Nur, wenn man auf „Nicht in Kreisen“ klickt, um die Nachrichten derjenigen anzuzeigen, die mit einem teilen, die man aber noch nicht einem Kreis zugeordnet hat, kann man sie sehen. Erst wenn man so einen Kontakt einem Kreis zugeordnet hat, tauchen seine Nachrichten auch im normalen Stream auf. Natürlich kann man Spammer auch ganz blockieren.
Wenn ich eine Nachricht poste, habe ich die Möglichkeit, entweder bestimmte Kreise oder auch einzelne Personen auszuwählen, die sie sehen können, „Meine Kreise“ zu nehmen, so dass die Nachricht für die Insassen aller meiner Kreise zugänglich ist, „Erweiterte Kreise“ um sie auch „Freunden von Freunden“ zu zeigen, oder sie ganz öffentlich zu machen – dann sieht sie jeder Besucher meines Profils, ob ich ihn kenne oder nicht, und sie kann auch von Suchmaschinen gefunden werden.
Dadurch fällt das Facebook-Problem weg, dass man entweder seine „Freunde“ auf Leute beschränken muss, mit denen man tatsächlich befreundet ist, oder sich immer überlegen muss, was man denn nun bei Facebook sagen kann und was nicht. Update: Stimmt nicht ganz, siehe Update oben.
Das ist der wichtigste Unterschied zu Facebook, der Punkt, der für „Überläufer“ zunächst einmal am schwierigsten zu verstehen sein wird – und der größte Vorteil gegenüber Facebook.

Weitere Funktionen in Kürze
Hangouts sind Video-Chaträume. Bis zu zehn Leute können so gleichzeitig miteinander mit Audio und Video konferieren. Auf Wiedersehen Skype, Du bist überflüssig geworden. Voraussetzung ist lediglich die Installation eines entsprechenden Plugins für den Browser. Natürlich kann man auch auf Video verzichten und sich nur unterhalten. Außerdem gibt es einen „YouTube-Kanal“ im Hangout, in dem sich die Teilnehmer gegenseitig YouTube-Videos vorführen können. Von Smartphones aus kann man Hangouts (noch) nicht benutzen.

Huddle gibt es nur in der mobilen Version. Es ist dafür gedacht, sich mit mehreren Personen in Echtzeit auszutauschen, etwa um einen Termin zu finden. Wohl eine Art Multi-User-Chat, auch als Ersatz für WhatsApp und Konsorten. Ich habe es noch nicht getestet.

Sparks ist das Feature, mit dem ich persönlich am wenigsten anfangen kann – es ist wohl für Leute gedacht, die sich vorm Computer langweilen und nicht wissen, was sie tun sollen, was mir eher selten passiert. :-) Man kann über Stichwörter eigene Interessen angeben und bekommt dann aktuelle News und Artikel aus dem Netz zu diesem Thema.

Im Profil kann ähnlich wie bei Facebook für jedes einzelne Element festgelegt werden, wer es sehen darf (nur ist es bei Google+ einfacher zu durchschauen und wesentlich praktischer gelöst).

Eine App für Android ist bereits verfügbar, für iPhone und iPad ist eine angekündigt (zumindest für manche andere mobile Betriebssysteme wird es in Zukunft sicher auch Apps geben). Einstweilen und mit anderen Systemen kann man die mobile Website benutzen. Die Android-App wirkt aufgeräumt und gut durchdacht und ist im Gegensatz zur Facebook-App auch richtig flott. Auf Wunsch werden alle Fotos automatisch in ein privates Picasa-Album hochgeladen und können dann in Google+ direkt freigegeben werden, ohne dass man sie umständlich suchen und hochladen müsste.

Chat gibt es in Form des schon von Google Mail her bekannten Chats Google Talk.

Freunde finden
Zur Nutzung des Dienstes ist ein Google-Konto nötig. Wer dort bereits ein gefülltes Adressbuch vorhält, hat gleich eine ganze Menge Vorschläge, welche Leute er einladen könnte. Jemanden zu finden, der schon auf Google+ ist, ist momentan natürlich noch eher unwahrscheinlich, da der Dienst erst seit Mittwoch überhaupt öffentlich existiert.
Außerdem ist es möglich, Adressbücher von Yahoo und Hotmail hochzuladen (und das wurde inzwischen auch freigeschalten).
Wer Google Chrome nutzt, kann mit Hilfe einer Erweiterung außerdem alle Facebook-Freunde importieren und diese dann einladen (Anleitung hier).
Um jemanden einzuladen, kann man in der Circles-Ansicht einfach auf ihn doppelklicken.

Weitere Unterschiede zu Facebook
  • Google gibt keine Daten an Dritte weiter.
  • Es gibt keine Apps und Spiele. (Noch?)
  • Private Nachrichten sind keine eigene Funktion an einer anderen Stelle – man sendet eben einfach eine ganz normale Nachricht, die aber nur diese eine Person sehen kann.
  • Wenn man den Stream neu lädt, ist er nicht nach Zeit des jeweiligen Originalposts sortiert, sondern nach Zeit des letzten Kommentars. So verpasst man keine Kommentare zu älteren Posts. Wenn ein Post mit langweiligen Diskussionen nervt, weil er ständig wieder vornedran steht, kann man ihn auch ignorieren (Kreuz oben rechts).
  • Die Tools zum Betrachten von Fotos sind genial und wirklich sehr viel besser als bei Facebook.
  • Ist man bei anderen Google-Tools eingeloggt, zum Beispiel bei Google Mail, sieht man automatisch einen rechts oben einen Zähler, wo neue Benachrichtigungen angezeigt werden. Man muss auch nicht umständlich zu Google+ wechseln, um deren Inhalt dann anzusehen, das geht direkt in der dann aufgehenden Box. Sehr clever gelöst.
  • Intuitiver, einfacher, schneller, schöner.

Teilnehmen
Mittlerweile ist Google+ für Jedermann freigegeben worden, es ist keine Einladung mehr nötig. Einfach auf der Google+-Seite mit einem bestehenden Google-Konto einloggen oder ein Konto anlegen, fertig. Update: Doch nicht. Es wird einem zwar jetzt angeboten, sich mit seinem Google-Konto einzuloggen (deswegen dacht ich es geht), aber ohne Invite kommt man dann nicht rein.
In den letzten beiden Tagen hatten sich trotz „invite only“ ungeheure Mengen an Leuten angemeldet, und Google ließ zeitweise keine neuen Anmeldungen mehr zu. Das ist jetzt aber offenbar vorbei.

Datenschutz
Natürlich ist Google in Sachen Datenschutz kein Lämmchen, aber eines ist klar: Google ist in meinen Augen viel, viel besser als Facebook.
Das liegt vor allem daran, dass Google die persönlichen Daten nicht an Dritte weitergibt. Es gibt keine Apps, die neben netten Spielmöglichkeiten vor allem die Aufgabe haben, ihre Nutzer (und deren Freunde) auszuforschen.
Wer weiß, ob Google in Zukunft Apps zulassen wird, um mit Facebook gleichzuziehen – zu hoffen bleibt dann jedenfalls, dass sie nicht sie gleichen Möglichkeiten bekommen, wie Facebook-Apps sie haben.
Google selbst wird dadurch also noch mehr von uns erfahren. Die Such-Historie kann bei immer eingeloggtem Google-Konto mit einer konkreten Person verbunden werden, und das auch über mehrere Computer und/oder Browser hinweg. Dazu E-Mails, und jetzt auch noch Social Network …
Da kommen richtig viele und sehr konkrete Daten zusammen. Ob man das alles einem einzelnen Anbieter anvertrauen will, muss jeder selbst wissen.
Meine persönliche Meinung ist, dass Google eines der ganz wenigen Unternehmen ist, denen ich diese Daten ohne größere Bauchschmerzen anvertrauen kann. Vor allem weiß ich (oder gehe zumindest mit hinreichender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass in der Privacy Policy nicht gelogen wird), dass das alles bei Google bleibt und nicht in die Hände weniger vertrauenswürdiger Dritter gelangt.
Allgemein kann man sagen: Wer bisher bei Facebook war, kann leichten Herzens zu Google+ wechseln. Wem Facebook datenschutztechnisch zu heiß war, der muss Google+ für sich selbst bewerten. Es ist sicher deutlich weniger schlimm, aber auch ganz bestimmt nicht unproblematisch.
Echte Fallstricke wie bei Facebook gibt es kaum.
Beim Ausfüllen des Profils sind einige Voreinstellung für die Sichtbarkeit der Daten meiner Meinung nach zu locker, anders als bei Facebook sind sie aber beim Eingeben direkt sichtbar (nicht hinter dem Schloss versteckt) und können sehr einfach umgestellt werden.
Besonders positiv: Die Eingabe des Geburtsdatums, das in Verbindung mit dem Namen den Identitätsdiebstahl besonders leicht macht, ist überhaupt nicht vorgesehen. Eine (theoretische) Pflicht zur Angabe des echten Namens wie bei Facebook gibt es nicht, der Name kann auch später problemlos geändert werden. Update: Stimmt nicht, gibt es doch, auch wenn Spitznamen zugelassen sind.
Wer will, kann sein Profil auch komplett aus allen Suchergebnissen ausschließen. Dann kann er aber natürlich auch nur von Freunden gefunden werden, die ihn einfach anhand seiner E-Mail-Adresse hinzufügen.
Wie bei Facebook gibt es einige Daten, die grundsätzlich als öffentlich gelten: Der Name und die Profilfotos – und, was nicht auf Anhieb ersichtlich ist, die „+1“-Daten. „+1“ ist Googles Version des Like-Buttons. Den entsprechenden „+1“-Button gibt es inzwischen auf vielen Websites. Drückt man ihn auf einer Website, gilt die Tatsache, dass man diese Website mag, ebenfalls als öffentlich. (Tut man das bei Nachrichten in Google+, die nicht öffentlich sind, ist das natürlich nur für die Leute zu sehen, die auch die Nachricht sehen können.)
An einem Punkt muss man vielleicht ein bisschen aufpassen, weil man das nicht gewohnt ist:
Wenn man eine Nachricht kommentiert (oder +1 drückt), hat dieser Kommentar genau die gleiche Sichtbarkeit wie Nachricht. War die Nachricht also öffentlich für alle Internet-User sichtbar, ist auch mein Kommentar für alle Internet-User sichtbar. Deshalb ist auch an jeder Nachricht ein Hinweis zu sehen, ob sie „Öffentlich“ oder „Eingeschränkt“ verfügbar ist. Ein Klick auf „Eingeschränkt“ zeigt die Liste aller User, die die Nachricht sehen können. Bevor man etwas potentiell Peinliches kommentiert, sollte man sich also besser diese Liste ansehen. (Bei Facebook ist das mit der Sichtbarkeit von Kommentaren natürlich nicht anders, nur habe ich dort keine Möglichkeit zu sehen, wie öffentlich die Nachricht ist, auf die ich antworte.)

Fazit
Um es kurz zu machen: Ich bin begeistert!
Da hat Google wirklich einen großen Wurf hingelegt. Viele der Konzepte sind aus anderen Systemen bekannt, besonders viele davon aus Diaspora, aber es ist das erste Angebot, das ich kennengelernt habe, bei dem ich wirklich das Gefühl habe, dass es Facebook User abjagen kann.
Und ich hoffe sehr, dass es das tun wird.
Ein erstes Angebot an meine Facebook-„Freunde“, ihnen eine Einladung zu Google+ zukommen zu lassen, hat leider kaum Reaktionen hervorgerufen – vielleicht (hoffentlich) deshalb, weil ich auch dazugeschrieben habe, dass sich Google+ noch in der Testphase befindet und meine Kontakte fast alle sehr wenig mit Computern am Hut haben.
Tatsächlich ist Google+ aber ein bereits ein fertiges, vollwertiges Produkt.
Ich wünsche mir, dass das möglichst viele Facebook-Nutzer speziell aus meinem Freundeskreis auch tun. Ich möchte Facebook hinter mir lassen, aber richtig schön wird das nur, wenn möglichst viele Leute mitkommen.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Lesenswerte Links: Grundprobleme von Android

Philipp Kandal (CTO von skobbler) schreibt über die Nachteile der Android-Plattform aus Entwicklersicht und behauptet provokant, Android könnte das nächste Symbian werden, wenn Google die Probleme nicht abstellt.
Vielleicht ein wenig übertrieben, aber die Punkte, die Kandal bringt, sind nicht ganz unberechtigt.
Interessant für mich vor allem: Ich dachte immer, hey, fast 60% der Geräte haben schon Froyo, ist doch gar nicht so schlimm mit der Android-Fragmentation. Dass im Vergleich dazu über 90% der iOS-Geräte 4.0+ einsetzen, war mir nicht bewusst. Andererseits ist das nicht nur eine Version, sondern mehrere. Nimmt man als Vergleich Android 2.0+, hinkt Android mit knapp 90% gar nicht so weit hinterher. Wiederum andererseits ist iOS 4.0 nur etwas mehr als ein halbes Jahr alt, Android 2.0 dagegen mehr als ein Jahr. Und gefühlt gab es bei Android mehr API-Änderungen, aber ob das wirklich stimmt, weiß ich nicht.
Weiterhin ist natürlich auch richtig, dass die Android-Fragmentation nur deshalb so „gering“ ausfällt, weil Android letztes Jahr einen massiven Boom erlebt hat und die schiere Anzahl der Neugräte die alten Telefone prozentual natürlich stark überwiegt.
Interessanter Artikel. Zum Lesen wärmstens emfohlen.

Freitag, 30. Juli 2010

Spyware und Viren unter Android und sonstwo

Wie schon mehrfach zuvor kursierten in den letzten Tagen Meldungen über angebliche Spyware unter Android. Wie schon mehrfach zuvor handelte es sich möglicherweise um Halbwahrheiten und Aufgebauschtes. Wie schon mehrfach zuvor scheint die Quelle dieser Meldungen die Firma lookout zu sein, die ihre Sicherheitssoftware für Moblitelefone verkaufen möchte. Nachgeplappert wurde die Meldung trotzdem nahezu überall.
Schön und ausführlich dokumentiert ist dieser Fall bei mobiflip.de; die Lektüre dieses Artikels empfehle ich wärmstens.
Mir kommt das Ganze genauso vor wie die immer wieder von Antivirensoftware-Herstellern herausgegebenen Warnungen vor Viren unter Mac OS X, die leider aus ganz ähnlichen Gründen niemand mehr ernst nimmt.
In beiden Fällen existiert eine theoretische Bedrohung, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich auch wirklich relevante Fälle mit großem Schadpotential ereignen werden. Vorsicht ist also mehr als angebracht.
Wer aber mit nur theoretisch vorhandenen Bedrohungen versucht, Angst zu schüren, nur um seine Software zu verkaufen, wird die Sicherheitssitaution eher verschlechtern: Die User lernen, dass entsprechende Meldungen nur PR-Gags sind, wiegen sich in trügerischer Sicherheit und achten nicht mehr auf zentrale Vorsichtsmaßnahmen.
Am Beispiel Android sind die Möglichkeiten „böser Jungs“ schön aufzuzeigen:
Auch wenn es meines Wissens bislang nicht in größerem Umfang passiert ist, wäre es doch vermutlich kein Problem, eine Applikation im Android-Market (und an anderen Stellen im Netz) zu platzieren, die neben ihrer angeblichen Tätigkeit noch andere Dinge tut: Adressen ausspähen etwa, oder Verbindungen zu Hacker- oder Spammer-Servern aufbauen, um für Botnetze zur Verfügung zu stehen.
Denn: Google kontrolliert die im Android Market angebotene Software nicht dahingehend. Zwar zeigt jede Anwendung vor der Installation an, welche Rechte sie haben möchte, aber zum einen sind nicht alle schlau genug, die angebotenen Informationen zu verstehen oder lesen sie überhaupt, zum anderen sind die Informationen nicht immer hilfreich.
Wenn etwa eine Applikation vollen Zugriff aufs Internet verlangt, ist es nur logisch, dass sie das benötigt, wenn es etwa eine Internetradio-Applikation wäre. Wozu die Möglichkeiten einer Internetverbindung sonst noch genutzt werden, ist nicht klar (und kann mit vernüftigem Aufwand auch nicht näher eingegrenzt werden). Und dabei muss es noch nicht einmal Internetradio sein: Jede werbefinanzierte App braucht Internetzugriff für die Werbung, und davon gibt es viele.
Eindeutiger sind da schon Zugriffsberechtigungen auf Kontakte und Kalender. Leider ignorieren viele User die gegebenen Informationen schlichtweg.
In Kommentaren zu Apps werden solcherlei Seltsamkeiten meist recht schnell publiziert. Aber auch die muss man erstmal lesen.
Beim iPhone ist alles besser? Mitnichten. Zumindest bis iPhone OS 3.1.3, das ich noch benutzt habe, gab es dort nicht einmal die Möglichkeit, überhaupt herauszufinden, was eine App so alles machen will. Lediglich die völlig ungefährliche Möglichkeit, Push-Nachrichten zu empfangen war einschränkbar. Ein Kommentar beim obigen Mobiflip-Artikel impliziert für iOS 4 jetzt Anderes, aber selbst gesehen habe ich das bisher nicht, nicht einmal darüber gelesen.
Update: Man konnte und vmtl. kann einer App auf dem iPhone den Zugriff aufs GPS verweigern, daran hatte ich nicht mehr gedacht. Früher gab es keinerlei Zugriff auf den Kalender für Drittanbieter-Apps, dafür durfte jede App ungefragt Kontaktdaten lesen und verändern. Seit iOS 4 gibt es auch eine API für den Kalender – von einer möglichen Einschränkung durch den User oder zumindest einem Hinweis, wenn Apps auf solche Daten zugreifen können, habe ich noch nichts gehört.
Immerhin prüft Apple alle Applikationen, die im AppStore landen, vor Veröffentlichung, unter anderem auch auf solche Gefahrenpotentiale. Wer das wirklich will, kann solche Aktionen aber auch verschleiern. Und zudem hat es Apple bei seiner Prüfung seinerzeit nicht einmal als besorgniserregend empfunden, als diverse Applikationen die Handynummern aller Nutzer an ihre Entwickler übertrugen. Dass via PinchMedia werbefinanzierte iPhone-Apps oft routinemäßig den Standort des Users sammelten und auswerteten, war nur ganz kurz ein Aufreger. Inzwischen scheint das niemanden mehr zu kümmern. Siehe zu dem Thema auch diesen Artikel.

Ob am Mac oder unter Android, am iPhone oder unter Windows: Ein bisschen gesunden Menschenverstand sollte man schon einsetzen, wenn man internetfähige Geräte benutzt. Dazu gehört zum Beispiel, Mailanhänge von unbekannten Absendern nicht zu öffnen, nicht auf Links in dubiosen Mails zu klicken und keine gecrackte Software aus dunklen Quellen zu benutzen. Aber eben auch, sich zuallermindest über die direkt augenfällig verfügbaren Quellen über die Software zu informieren, die man auf dem Smartphone installiert.
Absolute Sicherheit ist so nicht zu erreichen, aber die gibt es auch auf keinem anderen Weg. Immerhin reduziert man so aber die Chance, sich übelwollende Software einzufangen, sehr deutlich.

Montag, 5. Juli 2010

waze: Neue Wege bei der Navigation

In meinem Post über Navigation unter Android hatte ich es schon kurz erwähnt: waze.
Mittlerweile nutze ich das System seit langer Zeit regelmäßig, und es wird Zeit, etwas darüber zu schreiben, zumal waze gerade in Deutschland noch relativ unbekannt ist.
Fangen wir von vorne an:

Was ist waze?
waze ist ein Navigationssystem. Es handelt sich dabei um eine Offboard-Lösung; Routen werden also auf einem Server berechnet und die nötigen Karten für die Route vom Server heruntergeladen. Sie werden zwar zwischengespeichert und, falls man keine Routen berechnet, erst 7-10 Tage später aktualisiert, für den Einsatz im Ausland ohne SIM-Karte von dort eignet sich das System aber nicht, solange Daten-Roaming so teuer bleibt.

Was sind die Besonderheiten von waze?
waze arbeitet mit nutzergenerierten Karten (jedenfalls zum Teil, siehe unten). Jeder User kann sie mit Hilfe eines webbasierten Editors verändern, sofern er schon einmal mit waze in der Gegend unterwegs war. Außerdem kann Jeder ein sogenannter Area Manager werden, was zusätzliche Rechte freischaltet.
Zusätzlich zum direkten Editieren trägt jeder User mit den Strecken, die er fährt, zur Verbesserung der Karte bei. Zum einen ändert sich mit der Zeit die Position von Straßen, die „knapp daneben“ angelegt wurden, zum anderen werden die Durchschnittsgeschwindigkeiten für die aktuelle Zeit-Wochentags-Kombination und ggfs. Abbiegeverbote, Einordnung einer Straße als Einbahnstraße etc. automatisch angepasst.
Dazu kommen noch Live-Verkehrsdaten. Steckt ein Wazer im Stau, wird das vom System erkannt, und andere werden um das Hindernis herumnavigiert. Zudem kann man direkt im Client bestimmte Daten melden, etwa einen Unfall, eine andere Gefahrensituation oder auch einen Blitzer. Andere Wazer werden entsprechend vorgewarnt.
Einen waze-Client gibt es für viele Smartphone-Betriebssysteme, etwa für Android und iOS, aber auch für Symbian, Windows Mobile und Blackberry.

Ist waze ein vollwertiges Navigationssystem?
Nein, in Deutschland derzeit noch nicht.
Die Kartendaten sind noch sehr unvollständig, und mit sehr meine ich wirklich sehr. Zwar wurde hier vor einiger Zeit eine Base Map installiert, d. h. einige Jahre altes Kartenmaterial eines kommerziellen Anbieters wurde gekauft und auf die waze-Server aufgespielt.
Das bedeutet aber nur, dass die meisten Straßen grundsätzlich vorhanden sind. Es gibt keine Daten zu Einbahnstraßen, Befahrbarkeit und Einfahrtserlaubnis mit einem normalen Auto (es sind auch viele Feldwege dabei), Abbiegeverboten etc., nicht einmal Straßen- oder Ortsnamen sind enthalten.
Alle Straßen aus der Base Map, auf denen noch nie ein Wazer gefahren ist (vor allem auf dem Land derzeit noch fast alle), sind zunächst als „No Entry“ gekennzeichnet. Der Routing-Algorithmus benutzt diese Straßen zwar trotzdem, wenn es keinen anderen Weg zum Ziel gibt, aber häufig kommen abenteuerliche Umwege oder Routen über nicht für den Autoverkehr freigegebene Straßen zustande.
Das Ziel anhand der Adresse zu suchen funktioniert entsprechend in den meisten Fällen auch noch nicht.

Wofür ist waze dann gut?
Zunächst einmal hat es ungeheures Potential. Mit entsprechend breiter User Base wäre waze sicher das beste erhältliche Navigationssystem. Davon sind wir momentan aber natürlich noch weit entfernt.
Aktuell macht es vor allem Spaß, und Sinn macht es für regelmäßige Strecken wie den Weg zur Arbeit.
Letztlich tut es fast genau das, was ich in einen Routenplaner hineinprogrammieren wollte.
  • Es verlässt sich wo immer möglich nicht auf allgemeine Durchschnittsgeschwindigkeiten für einen Straßentyp, sondern auf tatsächlich gemessene auf dieser Straße. Dadurch gehört die extreme Autobahnlastigkeit vieler Navigationssysteme der Vergangenheit an.
  • Vieles geschieht automatisch einfach durch Auswertung der Routen der User. (Sowas finde ich immer sehr faszinierend. :-) )
  • Es bietet, sofern vorhanden, mehrere mögliche Routen an.
  • Es ist völlig kostenlos und (noch?) werbefrei. (Zur Finanzierung unten mehr.)
  • Es macht Spaß, bei einem Mapping-Projekt in einem so frühen Stadium mitzumachen. Fast ein bisschen wie Open Streetmap früher, nur einfacher.
  • Die Community ist sehr nett, der Support gut.
  • Du willst den besten Weg zur Arbeit finden? Fahre einfach alle Alternativstrecken regelmäßig mit waze ab. Nach einiger Zeit kannst Du Dir vom System sagen lassen, was die beste ist. :-) (Zur Zeit kannst Du noch nicht davon ausgehen, dass Andere das vor Dir bereits gemacht haben.)
  • Die Karte enthälr Fehler? Kein Problem: Behebe sie direkt selbst in der Karte, und einige Zeit später wird das auch in den Routen Berücksichtigung finden.

Datenschutz? Open Source?
waze ist kostenlos und derzeit werbefrei, aber in zentralen Bereichen (Server) nicht quelloffen. Open Source sind allerdings sämtliche mobilen Clients.
Das Finanzierungsmodell sieht so aus: Das durch die User erstellte und immer aktuell gehaltene Kartenmaterial darf von den Usern selbst zu nicht-kommerziellen Zwecken innerhalb von waze unbegrenzt kostenlos benutzt werden. Die Kartendaten gehören aber waze, und zu gegebener Zeit wollen sie sie verkaufen.
Mit anderen Worten: Du schenkst Deine Kartenedits und Deine Routendaten der Firma, dafür stellen sie die Server hin, betreiben sie, programmieren die Software und geben Support.
Ob das ein fairer Handel ist, muss jeder selbst wissen – ich finde es ok.
Werbung wird es evtl. in Zukunft geben, jedenfalls ist das in der Privacy Policy so angegeben. Noch ist davon aber nichts zu sehen.
Diesem System entsprechend ist natürlich auch das Hochladen der Routen nicht abschaltbar, und der mobile waze-Client kann nur benutzt werden, wenn man einen User im waze-System anlegt. (Disclaimer: Ich habs nie anders probiert, aber ich denke, dass es ohne User nicht geht. Falls das jemand besser weiß, bitte kommentieren!)
Nur so kann die Bearbeitung der Karte in den selbst befahrenen Bereichen freigeschalten werden. (Die eigenen Routen kann man sich übrigens jederzeit auch als GPX-Dateien herunterladen.)
Das bedeutet, dass die Firma waze natürlich ein beträchtliches Wissen darüber erhält, wann und wohin ich mit dem Auto gefahren bin, während ich waze aktiviert hatte – und dieses Wissen ist eben nicht anonymisiert, sondern kann direkt mir als Wazer zugeordnet werden. Natürlich will waze diese Daten nicht an Dritte weitergeben, aber ebenso üblich dann doch, wenn der Staat es verlangt. Und was bei einem Verkauf oder einer Insolvenz passiert, steht natürlich noch einmal auf einem anderen Blatt.
Für Paranoideren unter uns also sicher keine Option. Ich persönlich habe mich aber entschlossen, das Risiko einzugehen.
Grundsätzlich könnte man vmtl. die Quellen für den Client hernehmen und das Hochladen der Routen verhindern. Beim derzeitigen Stand der Karte würde das aber nicht viel Sinn ergeben, da ohne eigene Beiträge auch durch gefahrene Routen in den meisten Fällen kein sinnvolles Routing-Ergebnis zu erzielen ist.
Ob man mit seiner aktuellen Position auf der Live Map im Netz und für andere Wazer unterwegs zu sehen ist (mit oder ohne Nick), ist im Client einstellbar. Auch kann man „pingbar“ sein oder nicht, d.h. für Chats unterwegs offen sein. Wie man außerhalb eines Staus aber mit einem Handy chatten soll, ohne den Verkehr zu gefährden, ist mir ein Rätsel. (Außer man ist Beifahrer. :-) )

Nachteile
Als erstes ist hier natürlich der Stand der Karte zu nennen. Durch fleißiges Editieren wird der aber sicher schnell besser werden, zumal waze momentan recht sprunghaft immer populärer wird.
Außerdem ist das Editieren der Karte mit „Cartouche“, dem Web-Editor, nicht immer ein Genuss. Manche Funktionen haben Bugs, und das Tempo lässt zuweilen deutlich zu wünschen übrig.
Bedingt durch die nicht immer exakten GPS-Daten der Mobiltelefone, aber auch teils durch nicht korrektes Kartenmaterial, muss man zuweilen die gefahrenen Routen noch einmal überprüfen und mit einigen Edits nachhelfen, damit die Strecke tatsächlich als passierbar gekennzeichnet wird. Dabei ist das System von Connectivity (von Straßenabschnitt A nach Straßenabschnitt B darf geroutet werden) und Abbiegeverboten nicht auf Anhieb schlüssig.
Wer schlecht im Kartenlesen ist, wird beim Editieren momentan kaum glücklich werden. Da die meisten Straßen und viele Orte nicht benannt sind, ist es oft nicht ganz einfach herauszufinden, welches Gebiet man momentan überhaupt auf dem Schirm hat.
Nervig ist außerdem die Unterteilung in www.waze.com (USA) und world.waze.com (Rest der Welt). Vor allem durch Links ins Forum aus Update-Mails zu abonnierten Threads landet man immer wieder auf www.waze.com und wundert sich dann beim Wechsel auf Karte und Editor, dass man sich nicht einloggen kann oder Kartenmaterial von ganz weit weg angezeigt bekommt.
Außerdem scheinen sich Cookies von Forum und sonstiger Site gegenseitig zu stören, so dass man sich immer wieder neu einloggen muss, auch wenn man das per Häkchen anders wollte. Besonders nervig im Forum, das keinen Login-Link hat – man muss erst eine Mitgliedern vorbehaltene Funktion aufrufen, um zum Einloggen gezwungen zu werden.
Stellenweise wirkt waze ein wenig zusammengestöpselt. So ist es am Anfang schwierig, sich in Cartouche einzufinden und die nötigen Informationen aus Wiki und Forum herauszufiltern. Erfahrung mit Open Streetmap kann hier hilfreich sein. Einige für mich wichtige Informationen (wie zum Beispiel die Frage, ob waze mit zeitabhängigen Geschwindigkeitsprofilen für die Straßen arbeitet) wurden mir erst durch einen waze-Mitarbeiter im Forum beantwortet, an offiziellerer Stelle waren sie nicht zu finden.
Das macht letztlich aber auch ein Stück weit den Charme des Projekts aus: Man merkt, dass das kein großes Unternehmen ist, sondern ein Haufen junger Entwickler mit einer Vision.

Sonstige Kurzinfos
  • Wer Twitter oder Foursquare benutzt, kann sie im Client einbinden. (Wie genau weiß ich nicht, da ich beide Dienste nicht nutze.)
  • Die neueste Beta der Telefon-Clients ist immer im Forum zu finden und bietet oft mehr als die offiziell freigegebene Version.
  • waze arbeitet mit Vektordaten für die Karte, die im Client gerendert werden. Dadurch bleibt die Datennutzung trotz der vielen Live-Daten relativ gering (ein paar hundert Kilobytes bei einer 50km-Strecke).
  • Man kann durch Aufzeichnen nicht vorhandener Straßen (sehr viele Punkte), Befahren bislang unbefahrener, aber bekannter Straßen (relativ viele Punkte), Befahren bekannter Straßen (wenige Punkte), Setzen von Markern für Blitzer usw., Edits und evtl. Forum-Posts (?) Punkte sammeln, die in ein User-Ranking einfließen.
  • Es gibt „Road Goodies“, normalerweise Törtchen auf bislang unbefahrenen Straßen, deren Einsammeln zusätzliche Punkte bringt. Außerdem laufen immer wieder Wettbewerbe (wo die Goodies dann inzwischen auf schon bekannten Straßen liegen, um die Einsammelbarkeit zu garantieren), bei denen es etwas zu gewinnen gibt, zur Zeit etwa der waze World Cup, bei dem man Fußbälle einsammeln muss. (Deutschland liegt nicht schlecht und ist ins Halbfinale gekommen! Schnell anmelden und mithelfen! ;-) )
  • Wer nach einigem Herumprobieren Spaß an der Sache gefunden hat, sollte sich am besten gleich als Area Manager eintragen lassen (so wie ich). Momentan sind die in Deutschland noch recht dünn gesät und teils für riesige Areale verantwortlich. Somit kann man sich kaum gegenseitig auf die Füße treten. Erst dadurch erhält man volle Rechte beim Editieren (etwa zum Löschen von Straßen). Und dass man viel Verpflichtung eingehen würde, braucht man auch nicht zu fürchten – jeder macht eben das, was er schafft und wofür er Zeit hat.

Fazit
Für mich ist waze ein hochinteressantes System mit richtig viel Potential. Auch wenn es momentan wegen des frühen Stadiums nur eingeschränkt nutzbar ist, möchte ich eine klare Empfehlung aussprechen.
Das Konzept ist klasse, und es macht Spaß, die eigene Region nach und nach auf der Karte entstehen zu sehen.
Für jeden, der Spaß an Navigationstechnik und Karten hat, ein absolutes Must-Have – und in ein paar Jahren dann hoffentlich für alle Anderen auch.

Dienstag, 8. Juni 2010

Das neue iPhone

Gestern wurde es also vorgestellt, das neue iPhone 4. Es gibt wenig spannendes Neues zu verzeichnen, und doch löst das Gerät bei mir ein gewisses „Haben wollen!“-Gefühl aus, obwohl ich gerade erst vom iPhone 3G zu Android gewechselt bin. Verrückt, oder?
Was hätte das neue Apple-Gadget denn, was mich doch noch zum Kauf verleiten könnte?
  • Ein beeindruckendes Display, wenn auch nach meinem Dafürhalten zu klein. So viele Pixel auf so kleinem Raum sind eigentlich ziemlich unsinnig, weil, wie Jobs selbst betonte, die Auflösung des Displays nun die des Auges übertrifft. Deshalb nennen sie es auch ein wenig hochtrabend „Retina-Display“ (Netzhaut-Display).
    Gibt es jetzt einen neuen Megapixel-Wahn bei Displays, der uns irgendwann das 1200ppi-Display bescheren wird, dessen einzelne Punkte nur noch mit dem Mikroskop erkennbar sind?
    Tatsächlich stößt das neue Display nicht nur in druckerähnliche Auflösungsregionen vor, es hat sogar eine höhere Auflösung als die der meisten Drucker, zumindest, wenn es um Farbausgabe geht. Da ein Vierfarbdrucker (CMYK) dithern muss, liefert er bei Farbausgabe eine effektive Auflösung von ungefähr 300ppi, wenn mit 1200dpi gedruckt wird. Sechs-, Acht- und Zwölffarbdrucker stehen da etwas besser da, aber im Vergleich mit dem typischen Farblaser hat das neue iPhone eine höhere Auflösung. Wahnsinn.
    Das gilt natürlich nicht für s/w-Druck, da ist jeder gesetzte Punkt des Druckers auch ein effektiver Bildpunkt. Im Graustufendruck gilt aber auch ca. ein Faktor 4, wenn keine eigenen Grautinten verfügbar sind.
    Mehr Bildpunkte sind gut für die Schärfe, aber mehr Auflösung als bei diesem Display wäre definitiv Unsinn.
    Mehr Bildpunkte sind auch gut, um viel auf dem Schirm unterzubringen, zum Beispiel beim Websurfen. Wenn man aber die Schrift dann wieder vergrößern muss, weil sie sonst unlesbar ist, ist der Vorteil dahin. Für eine halbwegs taugliche Web-Erfahrung wären meiner Ansicht nach eigentlich mindestens 5" Bildschirmdiagonale notwendig – aber viele User wollen so ein großes Gerät nicht mit sich herumschleppen.
  • Persönlich finde ich auch positiv, dass Apple nicht auf den OLED-Zug aufgesprungen ist. Das Display meines Nexus One ist zwar um Längen besser als ich aufgrund der kritischen Berichterstattung befürchtet hatte, aber ein klassisches LCD wäre mir trotzdem lieber gewesen.
  • Der Touchscreen. Das ist zwar kein neues Feature des iPhone 4, ist aber der Punkt, an dem das Nexus One am deutlichsten gegenüber meinem alten iPhone abfällt. Dual- oder echtes Multitouch ist mir herzlich egal, aber die oleophobe Schutzschicht des iPhone bringt mehr als man denken könnte: Obwohl mein iPhone schon furchtbar aussah, verschmutzt das Nexus One noch einmal wesentlich schneller. Ich bin gezwungen, es mehrmals täglich abzuwischen. Zudem verwirrt die entstehende (leitende) Fettschicht offenbar zuweilen den Sensor. Dann werden Taps an ganz anderen Stellen registriert als sie eigentlich stattfanden, beim Scrollen entstehen Sprünge oder statt des Scrollens wird gar eine Zoomgeste ausgelöst. Da sich der Sensor offenbar beim Einschalten des Telefons kalibriert, reicht ein kurzes Ein- und Ausschalten, und alles passt wieder. Trotzdem: Das ist sehr nervig, vor allem, weil es beim iPhone einfach nie passiert ist. Möglicherweise hatte manchmal auftretendes, unerklärliches „Danebenhauen“ beim iPhone ähnliche Ursachen, aber es trat nie so massiv und vor allem so häufig auf wie beim Nexus One.
    Vmtl. kann ich das Problem mit einer Displayschutzfolie minimieren (jedenfalls hoffe ich das). Beim iPhone hatte ich aber nie eine, und ich habe auch nie eine gebraucht.
  • Frontkamera. Vmtl. würde ich es nie nutzen, aber die Vorstellung von Videotelefonie mit dem Smartphone ist toll. Allerdings wird auch manch neue Androide dieses Feature besitzen. Beim iPhone bleibt vor allem die Frage, ob die Frontkamera außerhalb der Apple-eigenen Videotelefonie-Anwendung überhaupt nutzbar sein wird. Diese ist, wie üblich bei Apple, natürlich auf Nutzung im WLAN beschränkt und funktioniert zudem nur mit anderen iPhone 4. Damit hätte ich genau 0 Gesprächspartner.
    Insofern kann man diesen Punkt wohl abhaken.
  • Lange Akkulaufzeit. Zehn Stunden Surfen im WLAN? Das ist cool. Und Apple neigt hier im Allgemein nicht zu großen Übertreibungen.
    Andererseits – Kunststück, ohne Mutitasking (das bisschen Pseudo-Multitasking, das jetzt eingeführt wird, hat den Namen kaum verdient).
  • Stabilität. Apps aus AppStore laufen meistens stabil, bei Apps aus dem Market (Android) ist dagegen wesentlich häufiger ein Force Close zu beobachten. Natürlich gibt es auch stabile Apps im Market und schlecht Programmiertes aus dem AppStore, aber eine Tendenz ist schon zu erkennen. Sicher liegt das unter anderem an Apples vielgescholtener Zulassungpolitik zum AppStore – offensichtlich instabile Software wird nämlich von vorneherein abgelehnt.
    Auch musste ich aus meinem Nexus One in der kurzen Zeit öfter die Batterie herausnehmen als ich mein iPhone in anderthalb Jahren Nutzungszeit gezwungen rebooten musste. Das lag in erster Linie an meiner eigenen Dummheit; man sollte eben nicht mit Developer Settings herumspielen (und das dann vergessen), wenn man nicht ganz genau weiß, was man da tut.
    Beim iPhone wird mir die Möglichkeit, solche Fehler zu machen, von vorneherein genommen. Ob das gut ist oder schlecht, muss jeder selbst beurteilen. Frust sparen kann es aber auf jeden Fall.
Die weiteren Neuheiten am iPhone (etwa die Gyroskope) beeindrucken mich nicht sonderlich. Insgesamt wohl ein solides Telefon, zu teuer, aber damit schließt Apple wieder zur Smartphone-Weltspitze auf.
Warum ich mir trotzdem kein iPhone mehr kaufen werde? Ja, der erste „Haben wollen!“-Impuls ist eben nicht alles:
  • Die deutschen Preise und Verträge stehen zwar noch nicht fest, aber da schon klar ist, dass die Telekom weiterhin den Alleinvertrieb in Deutschland übernehmen darf, bleibt eines der wichtigsten Mankos des iPhone:
    Zu haben nur für viel Geld mit massiv überteuerten Verträgen. Natürlich finanziert man sich dadurch das Telefon mit, und vom Preis her gesehen lohnt sich ein Import nicht. Der Gesamtpreis lag bei bisherigen Modellen aber einfach wirklich jenseits von Gut und Böse, fast beim Doppelten anderer High-End-Smartphones (die besser ausgestattet waren).
  • Auch die kleinen Schritte Richtung Multitasking oder allgemeiner Öffnung der Plattform sind einfach nicht genug. Es sind ganz einfache Apps, die das Leben mit dem Smartphone einfacher oder schöner machen, etwa ein Knopf direkt auf einem Homescreen, mit dem das Telefon in den Flugmodus geschalten werden kann, oder ein Wecker, der die Lautstärke langsam hochregelt, mit Musik wecken kann und konfigurierbare Snooze-Zeiten hat (ohne dass man Abends dran denken muss, die App zu starten!).
    Oder wie ist es mit dem Programm, dass das Telefon während Meetingterminen im Kalender automatisch stummschaltet, in den Flugmodus wechselt, sobald ich das Telefon neben meinem Bett ins Dock stelle, nur zu Hause WLAN aktiviert und Bluetooth nur im Car Dock?
    Alles nicht möglich auf dem iPhone. Oder doch: Mit Jailbreak. Theoretisch. Aber der Markt jenseits des AppStore ist klein und bietet nur wenige wirklich tolle Anwendungen, viel Gestöpsel, Warten auf den neuen Jailbreak nach jedem OS-Update und ist allgemein einfach furchtbar unattraktiv.
  • Ich kann auf meinem Telefon tun und lassen was ich will – auf dem Nexus One sogar, ohne irgendetwas knacken zu müssen. So muss es sein.
  • Bislang bot das iPhone OS ganz im Gegensatz zu Android kein sinnvolles Benachrichtigungskonzept. Wer mehr als eine SMS bekam und vor dem nächsten Blick aufs Display noch eine Terminerinnerung oder IM, war schon verloren. Ob iOS 4 das besser machen wird, muss sich noch zeigen.
  • MobileMe bleibt offenbar weiter auf eine Nutzung mit @me.com-Adresse beschränkt. Damit bugsiert sich die einzige sinnvolle Cloud-Lösung für das iPhone (die zudem kostenpflichtig ist) selbst in Aus. (Ja, ich weiß, es gibt Workarounds, aber spätestens, wenn man das Web-Interface nutzen will, hat man verloren.)
    Google-Nutzung ist zwar grundsätzlich möglich, aber speziell in Bezug auf die Kalender ein ziemlicher Krampf. Android steht da naturgemäß um Längen besser da.
Nein, bei näherer Betrachtung kann der „Haben wollen!“-Impuls keinerlei Bestand haben, soviel ist klar.
Trotzdem: Auch wenn man nicht davon sprechen kann, Apple habe es der Konkurrenz gezeigt und sie hinter sich gelassen – eine solide Antwort auf den Android-Vorsprung hat Apple allemal geliefert.
Das iPhone 4 wird trotz allem mit Sicherheit ein Erfolg werden.
Einen neuen Vorsprung indes kann sich Apple mit diesem Gerät meiner Meinung nach nicht erarbeiten. Die minimalen Vorteile in der technischen Spezifikation werden in Null-Komma-Nichts ausgeglichen sein und rechtfertigen jetzt schon nicht das Sich-Abfinden mit den Einschränkungen, die für technisch versierte Nutzer den Hauptnachteil der Apple-Plattform darstellen.

Montag, 19. April 2010

Erste Erfahrungen mit Android und meinem Nexus One

Jetzt nenne ich also seit fast einer Woche das Nexus One mein eigen.
Kurzes Fazit: Ich bin begeistert! :-)
Für die ausführliche Version beginnen wir mit dem Negativen:
  • Für Nicht-Geeks könnte so ein Android-Telefon einiges an Schwierigkeiten bereithalten. Einzelheiten werde ich späteren Posts noch ausführen, hier nur soviel:
    Hätte ich nicht aus IT-Erfahrung an vielen Stellen gewusst, wo ich suchen muss, hätte mir das Telefon manch graues Haar verpasst bzw. hätte ich es ungerechtfertig für Probleme verurteilt, die aus dem Zusammenspiel von seltsam programmierter 3rd-Party-Software und meinen speziellen Umständen entstanden und nichts direkt mit Android selbst zu tun hatten.
    Anders gesagt: Genial, perfekt für Leute, die sich auskennen, für reine User ohne große Computerkenntnisse teils mit Vorsicht zu genießen.
  • WiFi nicht immer stabil: Mein AP zu Hause (Fritzbox 7270) bleibt zwar normalerweise verbunden, wie er soll, aber zuweilen verliert er plötzlich die Verbindung und verbindet sich nicht von selbst wieder, angeblich weil der Login ins Netz gescheitert ist. Manuelles Neuverbinden funktioniert aber.
    Ein Tipp, den ich Netz fand, man solle die Verschlüsselung von „Autmatisch“ auf die tatsächlich verwendete Verschlüsselung umstellen, scheint nicht viel geholfen zu haben – zumal jedesmal, wenn ich auf die entsprechende Einstellungsseite wechsle, wieder „Automatisch“ eingetragen ist, obwohl ich das vorher geändert habe.
  • Zwar viel „kostenlose“ Software im Market, der größte Teil davon ist aber werbefinanziert, was ich sehr nervig finde. Nicht falsch verstehen – Entwickler sollen für ihre Arbeit durchaus Geld bekommen, da habe ich wirklich nichts dagegen. Ich hatte nur eine etwas andere Erwartung, weil ich vorher überall gelesen hatte, dass so viel Software im Android Market umsonst sei.
  • Manche kostenlose Andwendungen verlangen sehr verdächtige Berechtigungen, etwa Zugriff aufs Adressbuch für eine Wetter-Applikation oder Ähnliches. Gut ist immerhin, dass man ein solches Ansinnen vor der Installation angezeigt bekommt und es somit auch bleibenlassen kann. Besser wäre es, wenn man die App trotzdem installieren, ihr aber solche Zugriffe verbieten könnte.
  • Zwei Komplettabstürze des Systems bisher, die nur durch Akku rausnehmen zu beheben waren, jeweils offenbar ausgelöst durch ressourcenhungrige Applikationen (Google Earth und Skype lite). Das sollte bei einem gut programmierten OS eigentlich nicht passieren.
  • Ich hatte öfter gelesen, dass die die Touch-Buttons weiter oben gedrückt werden müssen als zu erwarten wäre. Ich setze hinzu, dass das eigentlich für den gesamten Touchscreen gilt. Vor allem bei sehr kleinen Knöpfen wie zum Beispiel beim Agenda Widget musste ich mich daran gewöhnen, ein gutes Stückchen weiter oben zu drücken als erwartet. Ich verstehe nicht, dass für kapazitive Touchscreens keine Kalibrierungsfunktionen angeboten werden, wie es früher bei den druckempfindlichen Sensoren üblich war – auch beim iPhone nicht.
    Das iPhone war in der Treffbarkeit kleiner UI-Elemente aber übrigens nicht besser, im Gegenteil. Beim Nexus One habe ich mir mit etwas Übung eine gute Treffsicherheit erarbeiten können. Beim iPhone habe ich bestimmte UI-Elemente (z. B. das „>“ im Kreis, sehr kleiner Button) regelmäßig erst beim fünften oder sechsten Versuch erwischt.
  • Manchmal völlig verkehrte Reaktionen des Touchscreens, Berührung wird einen knappen Zentimeter unter der eigentlichen Position registriert. Das ist bislang nur bei der Tastatur passiert (weiter oben auf dem Screen war alles korrekt), nur, seit ich CyanogenMod 5.0.6 statt des Stock ROMs draufhabe (kann aber Zufall sein), und nach Screen aus/an mit Abwischen des Touchscreens war alles wieder ok
    Nicht sehr schlimm, aber nervig, weil das a) beim iPhone in fast zwei Jahren Nutzung nie passiert ist und b) manchmal nicht nur falsche Tastaturtasten, sondern auch die Funktionsknöpfe unter der Tastatur erwischt werden. Home-Button erwischen, und alles Getippte kann weg sein (je nach App).
  • Die Standardtastatur bietet kein einfaches Umschalten zwischen mehreren Sprachen (beim iPhone eine Konfigurationsoption). Das lässt sich wohl mit anderen Tastaturen beheben, bisher hatte ich aber keine Zeit, mir die Optionen näher anzusehen. Tipps nehme ich in den Kommentaren gerne an. :-)
Jetzt aber zur schönen Seite der Medaille:
  • Geniales Tempo. Das Öffnen von Apps ist wesentlich schneller als beim iPhone 3G. (Ob das 3GS ähnliches Tempo bietet, weiß ich nicht.)
  • Unendliche Möglichkeiten. Es gibt so viele tolle kleine Apps, die so viele nützliche kleine Dinge tun können, es ist einfach überwältigend. Für mein Anwendungsspektrum ist das Android Market zigfach besser bestückt als der iPhone AppStore. Fürs iPhone gibt es extrem viel Mist und wenige sinnvolle Programme. „Für Android ist es genau umgekehrt“ wäre übertrieben, auch hier gibt es nicht wenig Quatsch und vor allem auch viel mehr schlecht Programmiertes als fürs iPhone. Die Anzahl wirklich nützlicher Applikationen ist aber meiner Meinung nach wirklich viel höher.
  • Die Kamera ist besser als ich dachte. Bei guten Lichtverhältnissen sind die Fotos richtig gut, bei schlechten teils richtig schlecht, aber weniger sclimm als beim iPhone 3G. Auch auf Fotos bei guten Lichtverhältnissen sieht das geübte Auge deutliche Spuren einer kräftigen Rauschunterdrückung (wie übrigens auch bei denen vom Xperia X10, die ich im Netz gesehen hatte), aber die Qualität ist mehr als ausreichend für Schanppschüsse.
    Der Blitz neigt leider zur Überbelichtung, was schade ist, weil die überbelichteten Bereiche auch in der Nachbearbeitung nicht mehr zu retten sind.
    Außerdem würde ich mir mehr Einstellungsoptionen wünschen, ähnlich wie beim Xperia X10. Mal sehen, ob da aus der Modder-Community mal noch was kommt.
  • Es ist ein unglaublich gutes Gefühl, mit seinem Telefon machen zu dürfen was man will. Ohne große Hackereien mal eben einfach gerootet und CyanogenMod drauf, fertig. (War etwas aufregend, aber dazu mehr in einem späeteren Post.) Mir war gar nicht klar, wie sehr ich das vermisst hatte.
  • Synchronisation mit dem Mac über SyncMate und Google scheint bislang gut zu funktionieren. Näheres auch dazu später, wenn ich längere Erfahrung damit habe.
  • Bis auf wenige Kleingikeiten finde ich die Oberfläche total klasse. Für mich besser als iPhone OS.
  • Alles, was ich am iPhone gemacht habe, kann ich unter Android auch tun. Manchmal etwas schlechter (z. B. fehlende Verfügbarkeit eines ähnlich guten Multi-Messengers wie BeejiveIM; kein 1Password; Browser sind meiner Meinung nach nicht ganz so gut bedienbar wie der des iPhone), meist aber gleich gut oder besser, was vor allem an den wundervollen Widgets und am Multitasking liegt.
  • Geniales Display. Ja, das PenTile-Display, an dem ich selbst schon gezweifelt hatte.Selbst bei ganz genauem Hinsehen sind keine Farbränder sichtbar, lustigerweise aber dann, wenn man schräg über den Rand des Displayrahmens auf einen Buchstaben schaut. Geniale Auflösung – wahrscheinlich etwas schlechter als bei einem Display mit drei Subpixeln, aber die Einzelpunkte sind auch so schon so klein, dass sie mit bloßem Auge kaum noch auseinanderzuhalten sind.
    Im Sonnenlicht wie zu erwarten sehr schwer ablesbar, aber die Nutzung ist nicht unmöglich.
  • Das Dock ist ein Segen. Der Akku ist nach einem normalen Tag (derzeit natürlich noch recht intensive Nutzung) mit aktiviertem UMTS unter 30%, insofern ist es perfekt, das Dock neben dem Bett stehen zu haben. Beim Zubettgehen einfach Telefon draufgelegt, kein umständliches Anstöpseln eines Micro-USB-Steckers. (Und nebenbei schaltet dann Setting Profiles das Telefon auch noch in den Flugmodus, der wieder aufgehoben wird, sobald das Telefon aus dem Dock genommen wird. Besser gehts nicht.)
  • Und, und, und …
Fazit: Das Nexus One ist für meine Ansprüche der Perfektion ziemlich nahe. Auch im Vergleich zum HTC Desire, das mich mit seinem signierten Bootloader genervt hätte und keine Docking Pins im Angebot hat, habe ich das Gefühl, mit diesem Kauf die absolut richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Selten mit einem Handy so glücklich gewesen.

Freitag, 9. April 2010

iPhone OS 4.0: Bewertung der Neuigkeiten

Gestern abend hat Steve Jobs vorgestellt, was in iPhone OS 4.0 so alles enthalten sein soll.
Um es kurz zu machen: Meiner Ansicht nach werden in erster Linie Dinge nachgeliefert, die schon immer hätten da sein müssen.
Interessant sind für mich folgende Punkte:
  • Multitasking. Na, endlich! Allerdings gibt es einige Punkte, die mich misstrauisch machen: Offenbar kann nicht einfach jede App im Hintergrund laufen; es wurden verschiedene „Multirtasking-Arten“ definiert, die ab sofort möglich sein sollen, sieben an der Zahl. Wenn ich das richtig verstehe, wird es aber auch in Zukunft nicht möglich sein, einen simplen Wecker selbst zu programmieren – nur eine Push-Nachricht köntne man zur richtigen Zeit senden, nicht aber die Applikation in den Vordergrund schieben und ein passendes UI anzeigen. Ebensowenig scheint es möglich zu sein, mit einem Programm, das nicht VoIP macht (Beispiel: IM), eine Netzwerkverbindung aufrechtzuerhalten.
    Achtung: Das ist nur meine Interpretation dessen, was ich gelesen habe, mag Unsinn sein.
    Multitasking wird es außerdem nur ab den 3GS aufwärts geben. War ja klar. :-/
  • Zugriff auf die Kalenderdaten. Meine Güte! Warum gab es das nicht schon immer? Endlich wird es möglich sein, Kalender-Apps zu schreiben, die nicht bei jedem Start erstmal mit Google synchronisieren müssen.
  • Voller Zugriff auf die Kamera.
  • iBookstore.
  • Ordner auf dem Homescreen.
  • Auf der negativen Seite: Eigenes Ad-Hosting von Apple; scheinbar mit Fullscreen-Anzeigen innerhalb von werbefinanzierten Apps. Ein druchschnittlicher User, der täglich 30 Minuten in Apps verbringt, würde etwa 10 Anzeigen zu sehen bekommen. Das wäre alle drei Minuten eine!
    Das klingt wirklich furchtbar. In etwa so nervig wie Werbung im Privatfernsehen.
    Bringt sicher viel Geld und mag auch dazu führen, das manch aufwändige App in einer werbefinanzierten Version angeboten werden kann – aber trotzdem, das würde ich mir nicht antun wollen.
    Das ist ein Punkt, der mich sehr froh macht, dass ich gerade dabei bin das iPhone hinter mir zu lassen.
    Leider steht zu befürchten, dass die Konkurrenz mit ähnlichen Angeboten nachziehen wird.
Und sonst? Nichts sonst. Nichts Relevantes, jedenfalls.
iPhone-User können sich über einige Verbesserungen freuen, die die Konkurrenz längst hatte, bleiben im Vergleich aber weiterhin eingeschränkt.
Sicher ist es aus einem gewissen Standpunkt auch gar nicht so dumm, etwa kein komplettes Multitasking zu erlauben – das steigert die Batterielaufzeit natürlich erheblich. Für viele User ist das genau das richtige, weil die bewusste Entscheidung für die Nutzung bestimmter, batteriefressender Hintergrundprozesse ein Wissen erfordert, das die wenigsten Nutzer wirklich haben.
Hat man es nicht, führt das letztlich zu Frustrationen und Unzufriedenheit mit dem Handy – kein Wunder, dass Apple so hohe Zufriedenheitsraten vorzuweisen hat, wie sie gestern auch von Steve Jobs wieder angeführt wurden.
Für Power-User ist das aber eine Gängelung, die einfach keinen Spaß macht.

Was weiterhin fehlt (soweit bisher bekannt):
  • Steuerung der Hardware durch Apps, etwa Telefonteil an- und ausschalten oder Klingeltonlautstärke ändern. Somit weiterhin kein Profile-Switching möglich, nicht einmal manuell.
  • Wie schon gesagt, „richtiges“ Multitasking ohne Einschränkungen.
  • Telefone auf dem aktuellen Stand der Technik (werden aber bestimmt bald welche angekündigt).
  • Flash – wobei das ein Punkt ist, wo ich Jobs wirklich recht gebe. Flash auf Android wird Werbung bringen, sonst nichts. Für Videos gibt es bessere Standards, und viele „richtige“ Flash-Anwendungen sind per Touch nicht bedienbar, setzen eine Maus voraus.
  • Möglichkeiten, einen alternativen Browser voll einzusetzen (so, dass auch Links aus anderen Programmen in diesem Browser geöffnet werden).
Fazit: Ich bin nicht beeindruckt. Das Update wird vieles auf dem iPhone besser machen, und für 0815-Nutzer mag es gegenüber anderen Smartphone-Betriebssystemen durchaus erste Wahl sein.
Wer die grundsätzlichen Möglichkeiten eines Smartphones voll ausschöpfen will, sollte aber zu anderen Alternativen greifen – persönlich empfehle ich Android.

Mittwoch, 17. März 2010

Ach, Apple!

Oder: Wie schnell ein Unternehmen jegliche Sympathie verspielen kann.

Ich kam von Linux zu Mac OS X. Hatte ich anfangs noch etwas Schwierigkeiten damit, meinen Desktop nicht so beliebig konfigurieren zu können wie den unter Linux, so hatte ich mich doch schnell eingewöhnt. Und es begann die Geschichte einer großen Liebe.
Es war perfekt. Ich bekam das beste aus den beiden Welten Linux und Windows. Ein stabiles System, trotzdem professionelle Software im Grafik- und Publishing-Bereich. Eine richtg hübsche Oberfläche, trotzdem fast alle Programme aus der U*ix-Welt, falls ich sowas mal benötigte, BSD-Userland sei Dank. Alles, was man an Skriptsprachen so brauchen kann.
Und zusätzlich manch anderes Sahnehäubchen, das weder unter Linux noch unter Windows geboten wurde, wie etwa eine angenehme (!) objektorientierte Programmiersprache für das System samt professioneller Entwicklungsumgebung komplett umsonst, direkt ins System integriertes Farbmanagement.ohne Aufpreis und zumindest auf Amateurlevel gut nutzbare Programme für Fotoverwaltung/-bearbeitung und Videoschnitt.
Das alles hatte seinen Preis, aber für ein System, das mir all das bot, war ich gern bereit, den auch zu zahlen.

Apple selbst glänzte vor allem durch Innovation. Im Rahmen der DRM-Schlechtigkeiten der Anfangsjahre des musikalischen Online-Vertriebs war man der einzige, der den Unternehmen wenigstens halbwegs erträgliche Konditionen abtrotzte. Mit dem iPod und iTunes erschuf man ein einfaches, idiotensicheres System, das schnell Millionen Abnehmer fand und den Weg zur Markführerschaft in diesem Bereich ebnete.
Mit diesen Geräten konnte man Apple erstmals eine Gängelung der User vorwerfen. So wurde das iTunes-DRM Fairplay nicht an andere Hersteller lizensiert (abgesehen von Motorolas geflopptem iTunes-Handy), und die Player selbst waren stark eingeschränkt und beispielsweise nicht als Festplatte nutzbar. Damals war das aber noch verständlich: Warum sollte Apple andere am eigenen Erfolg mitverdienen lassen, wenn es auch so wunderbar funktionierte? War nicht gerade auch die Einfachheit der iPods ein Grund für ihren durchschlagenden Erfolg?
Ein weiterer Pluspunkt für Apple war, dass die Firma Design in die Computer- und Handywelt brachte. Zwar war es mir eigentlich immer egal gewesen, wie meine Geräte aussahen, solange gut funktionierten, aber mit Apple lernte ich eine gute Optik schätzen. Sie wird weiterhin nie ein Kaufgrund für mich sein, aber wenn ein Gerät neben guter Funktion auch noch gut aussieht, macht es die Nutzung einfach tatsächlich angenehmer.

Dann kam das iPhone. Ich erwartete es mit großer Spannung, denn damals schien Apple das einzige Unternehmen am Markt zu sein, das sich wirklich ernsthaft Gedanken um das User Interface machte. Wenn Apple ein Smartphone brachte – das konnte nur genial werden!
Entsprechend groß war dann zunächst die Enttäuschung. Das UI war zwar so gut, wie es zu erwarten gewesen war. Aber ein Smartphone, das „Applikationen“ nur in Form von Webapps bieten konnte? Für so viel Geld ein Gerät ohne UMTS? Das war indiskutabel.
Aber Apple lernte dazu. Mit der Vorstellung des iPhone 3G und des AppStore wurde das iPhone auch hierzulande zum echten Renner. Durch ganz absichtliche Einschränkungen fehlten immer noch wichtige Dinge wie Multitasking und damals auch Cut&Paste, aber auch ich war einfach nuir begeistert und besorgte mir gleich zum Erscheinungstermin mein iPhone 3G.
Damals bot der Markt nichts, was auch nur im Entferntesten dem iPhone geähnelt hätte. Niemand konnte Apple das Wasser reichen. Lagesensoren, Multitouch, jetzt endlich auch UMTS, der Verzicht auf eine Hardwaretastatur und die Einführung einer wirklich benutzbaren Bildschirmtastatur – all das war aufregend und begeisternd.
Dafür nahm ich, murrend zwar, aber doch, die Einschränkungen in Kauf, die Apple mir auferlegte. Das iPhone war nicht perfekt, aber es war um ein Vielfaches besser als alle anderen Smartphones. Nervig war und blieb aber, dass all die Einschränkungen nicht etwa systemimmanent waren, sondern ganz bewusst und mit Absicht von Apple so gestaltet wurden.

Mittlerweile sind fast zwei Jahre vergangen. Die Konkurrenz hat aufgeholt, wenn nicht sogar Apple überholt. An der iPhone-Front wurde von Apple nur das iPhone 3GS nachgereicht, das zu den langweiligen Updates gehört – außer mehr Tempo hatte es fast nichts Neues zu bieten. Es gab einige Updates von iPhone OS, aber revolutionäre Änderungen waren auch dort nicht zu verbuchen, sieht man von einigen Nachreichungen ab, die von Anfang an hätten selbstverständlich sein müssen.
iPhone OS 4.0 wird wohl bald vorgestellt werden, aber momentan sieht es so aus, als wäre Apple jetzt endgültig in der Position des Hinterherlaufenden – es wird wohl Multitasking geben, und sicher auch einige UI-Goodies, aber nichts Weltbewegendes. Letztlich schließt man also nur zur Konkurrenz auf.
Das will etwas heißen. Der große Innovator ist zur lahmen Ente geworden. Fast alles, was iPhone OS kann, kann Android auch, und mehr, weil es einfach offener ist. Jetzt rächt sich Apples User-Gängelung. Der Vorsprung ist aufgebraucht, der viele User dazu bewegte, sich das bieten zu lassen.
Zumindest in den Augen der Technikfreaks, die im High-End-Smartphone-Bereich natürlich eine gewichtige Rolle spielen, ist Apple nur noch einer unter vielen, und sicher nicht mehr der Beste. Die Attraktivität des iPhones ist geschwunden.
Da die Innovationen verblasst sind, fallen die absichtlichen Einschränkungen viel mehr ins Auge. Apple wirkt nicht mehr wie der große Technology Leader, sondern wie das etwas kleinkarierte Unternehmen, das seinen Usern mehr Beschränkungen auferlegt als alle anderen.
Und dann das: Apple verklagt HTC wegen Patentverletzungen. Bäh. Das ist widerlich.
Bislang war Apple nicht dafür bekannt, dass man andere verklagte. Apple war zuweilen Beklagter in solchen Prozessen und einigte sich meist schnell mit der klagenden Firma. Als Apple Ende letzten Jahres ankündigte, als Reaktion auf die Klage Nokias eine Gegenklage anzustrengen, war das natürlich verständlich.
Selbst geklagt hatte Apple meines Wissens bisher nicht. Warum auch? Als großer Innovator der Branche hatte man auch ohne den Rechtsweg einen Vorsprung, der komfortable Wachstumszahlen ermöglichte.
„Vorsprung durch Technik“ gewissermaßen, um einen alten Audi-Werbespruch zu zitieren.
Darauf basierte Apples Ruf. Ein Unternehmen, das einfach besser war als die anderen und deshalb zurecht die Marktanteile verschiedenster Märkte mmer weiter steigerte. Steve Jobs als etwas exzentrischer CEO, der es aber immer wieder schaffte, alles irgendwie richtiger zu machen als seine Kollegen und die Konkurrenz auf Distanz zu halten.
Das ist offenbar vorbei. Zumindest im Mobilfunkbereich sind die anderen mindestens gleichauf. Und plötzlich reagiert Apple wie ein trotziges Kind, dem jemand die Spielsachen weggenommen hat.
Steve Jobs wirkt auf einmal nicht mehr sympathisch, sondern wie ein arroganter Alleinherrscher mit aufgeblasenem Ego. Das war er schon immer, aber er hat genug richtig gemacht, dass man ihm das gerne verziehen hat. Wenn er aber anfängt, sich in die widerlichen Niederungen der Patenstreitigkeiten zu begeben, treten automatisch auch seine anderen negativen Eigenschaften deutlicher hervor – zumal „Apple vs. Google“ kürzlich schon als „Streit der Egos“ der beteiligten CEOs bezeichnet wurde.
So wenig ich selbst Flash mag (und brauche), Jobs' Äußerungen zum Thema wirkten in der letzten Zeit immer polemischer und substanzloser. Und das ist nur ein Beispiel.
Auf ganzer Linie scheint sich Apple darauf zu verlegen, andere anzugreifen statt selbst Innovationen zu liefern.
Das ist hässlich und nicht zuletzt sehr, sehr traurig. Von einem Unternehmen, dessen Produkte ich gerne und mit Überzeugung kaufte, ist Apple innerhalb sehr kurzer Zeit in meinem Ansehen auf ein Niveau gesunken, das das von Microsoft kaum noch übertrifft. Und das will etwas heißen.
Das heißt nicht, dass ich nie wieder Apple-Produkte kaufen werde. Weiterhin gibt es auf dem Desktop nichts, wofür ich mein Mac OS X würde eintauschen wollen. Auch beim Kauf eines Tablets oder Netbooks, der demnächst ansteht, mag es sein, dass das iPad das Rennen macht – je nachdem, was die Konkurrenz mit Chrome OS bis dahin zu bieten hat.
Die Wertschätzung, ja beinahe Verehrung, die Apple zeitweise von mir erfahren hat, hat Jobs aber spätestens mit der Klage gegen HTC gründlich verspielt.

Ach, Apple! Warum musstest Du so tief fallen?

Donnerstag, 11. März 2010

Großer subjektiver Vergleich aller Smartphone-Systeme

In mittlerweile unzähligen Posts in diesem Blog habe ich immer wieder überlegt, wo die Vorteile und Nachteile aktueller Smartphone-Betriebssysteme und Handymodelle liegen, was für mich das richtige ist und wofür ich mich letztlich entscheiden soll.
Demnächst wird mir jetzt ein kleines Erbe ausgezahlt, da kann man sich dann mal ein bisschen was leisten, wo man normalerweise sparen müsste.
Da es also wohl schon recht bald soweit sein wird, sind die Optionen auf schon jetzt oder bald erhältliche Telefone eingegrenzt.
Den langen Artikel mit der Zusammenfassung aller Erkenntnisse aus den letzten Monaten gibt es nach dem Klick auf den Link – wegen des großen Umfangs des Artikels heute ausnahmsweise einmal wieder mit Sprung..

Mittwoch, 17. Februar 2010

Vorstellung von iPhoneOS 4.0 am 14. März?

Na endlich! Es gibt erste Gerüchte über einen Termin zur Vorstellung von iPhoneOS 4.0. Wurde auch langsam Zeit, nachdem das iPad-Event leider nicht, wie erhofft, auch die neue OS-Version beinhaltet hatte.
Ich muss sagen, ich bin wirklich gespannt! Wie schon berichtet klingen erste Gerüchte über die Features recht vielversprechend und könnten im Extremfall bei mir sogar den Wunsch nach einem neuen Smartphone relativieren.
Wir werden sehen.

Dienstag, 16. Februar 2010

PIM: Nur auf wenigen Smartphone-Spielarten mehr als minimal machbar

Hatte ich vor Kurzem noch den Kopf über den massiv eingeschränkten Kalender des N900 geschüttelt, muss ich jetzt feststellen, dass Android es offenbar auch nicht besser macht:
Hier ist zu lesen, dass der Android-Kalender noch nicht einmal in der Lage ist, das Ende einer Wiederholung festzulegen. Da fehlen einem echt die Worte.
Ähnlich dem iPhone-Original-Kalender (der schlecht ist, das Genannte aber immerhin beherrscht) ist es in der Dektop- oder besser Web-Version natürlich möglich, solche Dinge zu definieren, und das wird dann mobil auch korrekt angezeigt. Am Handy setzen kann man es aber nicht.
Und das Problem sowohl bei Maemo als auch bei Android ist: Es gibt keinen tauglichen Ersatz! Beim iPhone ist ein 3rd-Party-Kalender nur mit gewissem Umstand überhaupt realisierbar, und doch gibt es mit PocketInformant eine Option, die inzwischen gut benutzbar ist.
Programmierer auf Android müssten nur auf die schon vorhandenen Kalenderdaten zugreifen und das besser machen als der mitgelieferte Kalender. Trotzdem gibt es nichts!
Update: Noch nichts. :-) Ich habe zu meiner Erleichterung eben festgestellt, dass PocketInformant, der mir schon das Leben mit iPhone erleichtert, für Android bereits in der Entwicklung ist.

Ich verstehe das nicht.
Alle reden von den vielgepriesenen Business-Usern, die angeblich für die Hersteller so wichtig sind. Warum kümmert sich dann keiner um sie? Ich dachte immer, das iPhone sei besonders schlecht für Business-User geeignet. Android beweist, dass man es noch schlechter machen kann.
Dass auf einem Foto-und-Musik-Handy für Jugendliche ein minimaler Kalender ausreicht (und trotzdem kaum benutzt wird), ist selbstverständlich. Auf einem ausgewachsenen Smartphone aber? Und natürlich darf ein Kalender nicht nur mit Exchange gut funktionieren.
Für Blackberry und Symbian gibt es gute Kalender-Applikationen, aber keine guten Smartphones. Wahrscheinlich sind das die Geräte, die für den Geschäftseinsatz noch am besten geeignet sind – wer außerdem Spaß haben will, muss sich aber woanders umsehen.
Da sind dann noch Windows Mobile und iPhoneOS. Für alle anderen scheint es keine Apps zu geben, die über das absolute Minimum hinausgehende Anforderungen an Adressbuch und Kalender erfüllen können.
Das hätte ich nicht erwartet.
So sehr ich Android mögen möchte, es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass es meine Wünsche zumindest momentan nicht erfüllen kann.
Maemo steht erstaunlicherweise etwas besser da, krankt aber anderen Stellen.
Windows Mobile kommt grundsätzlich nicht in Frage.
Sieht fast so aus als würde ich doch länger beim iPhone bleiben als ursprünglich geplant.

Montag, 15. Februar 2010

Kalender und Adressen: Schwächen von N900 und Android

Es ist zum Verzweifeln. Ok, das ist etwas übertrieben, aber je näher ich mir die potentiellen iPhone-Nachfolger ansehe, desto weniger Lust habe ich, Geld dafür auszugeben. Und das liegt in erster Linie an ihren Betriebssystemen bzw. an der verfügbaren Software.
Das iPhone selbst glänzt mit unbenutzbarem Kalender, fehlendem Zugriffsmöglichkeiten auf Hardwarefunktionen durch Apps (WLAN ein/Ausschalten usw.) und vor allem mit dem Fehlen einer absoluten Selbstverständlichkeit: Multitasking.
Vom N900-Kalender habe ich soeben gelesen, dass er keine Ausnahmen von wiederholten Terminen erlaubt („normalerweise jeden Dienstag, aber nächste Woche nicht, da bin ich im Kino“) und nur allereinfachste Wiederholungsregeln erlaubt (schon „jede Woche Dienstags und Donnerstags“ ist zuviel des Guten). Zudem können Termine nicht kopiert werden.
Oh weia. Da ist selbst der iPhone-Kalender besser.
Es gibt wohl die eine oder andere Kalender-Applikation aus dem Linuxumfeld (z.B. einen Port von GPE), aber ein ganz kurzer Blick auf die Kandidaten scheint anzudeuten, dass diese Applikationen weder meine Bedürfnisse an allgemeiner Funktionalität befriedigen (vor allem Terminvorlagen), noch in der Lage sind, mit irgendetwas zu synchronisiert zu werden, geschweige denn mit einem Mac. (Falls doch bitte Korrektur in den Kommentaren!)

Von Android dagegen weiß ich mittlerweile sicher, dass die Kontakte-Applikation nur über ein einzelnes Namensfeld verfügt und eine Sortierung nach Nachnamen unmöglich ist. Argh.
Update: Zumindest bei neuen Android-Versionen ist das offenbar falsch. Zwar wird anscheinend tatsächlich ausschließlich nach dem unstrukturierten Feld sortiert, aber die anderen Felder sind vorhanden und auch zugreifbar. Siehe auch hier. Sehr beruhigend.
Das mag für Amerikaner in Ordnung sein, wo man sich ohnehin nach zwei Minuten ausschließlich mit dem Vornamen anredet, aber wie soll ein Deutscher sinnvoll Geschäftskontakte verwalten, von denen er häufig noch nicht einmal den Vornamen kennt? Wohlgemerkt inklusive sinnvollem Sync aufs Desktop!
Außerdem scrolle ich gerne durch die Gesamtliste, um Kontakte zu finden, nachdem ich zu einem Anfangsbuchstaben gesprungen bin. Ich habe allein fast 20 Personen in meinem Adressbuch, deren Vorname mit „Christ“ beginnt – wie soll das übersichtlich sein?
Da lobe ich mir ausnahmsweise das iPhone, wo ich unabhängig voneinander einstellen kann, nach welchem Namen die Kontakte sortiert werden und in welcher Reihenfolge die Namen dargestellt werden (also „Drechsler Christian“ oder „Christian Drechsler“).
Soweit ich das überblicken kann, gibt es auch keinen Ersatz für die Kontakte-Anwendung, der dazu in der Lage wäre. Das ist insofern erstaunlich, als die aktuelle Version der Google Contacts API auch das verwalten von Vor-, Mittel- und Nachnamen erlaubt – eine eigene Adressbuch-Anwendung müsste also nur auf die bereits vorhandenen Daten zugreifen, die zumindest dann vorhanden sein sollten, wenn das Google-Adressbuch nicht in Google erstellt wurde (auch da nur ein Namensfeld), sondern von einem halbwegs tauglichen Tool vom Desktop weg synchronisiert wurde.

Mann. Kann nicht irgendein Smartphone mal einfach nur gut sein, von vorne bis hinten?

Freitag, 5. Februar 2010

Nexus One bei Macnotes positiv bewertet

Selbst noch ein iPhone-User, interessiet es mich immer besonders, was andere iPhone-Besitzer über Telefone denken, die sich auf meinem Radar befinden. Einen interessanten und angenehm objektiven Artikel bietet jetzt Macnotes.
Besonders bzgl. der Onscreen-Tastatur habe ich beim Nexus One große Bedenken, dass sie für mich als iPhone-Verwöhnten ein dauerndes Ärgernis sein könnte – liest man doch allenthalben, dass die Tatstatur weniger gut sein soll als beim iPhone.
Das scheint für den Autor des Artikels aber überhaupt kein Punkt gewesen zu sein.
Nachdem ich unabhängig vom genannten Artikel jetzt wieder manch Negatives über Android gelesen habe, schwanke ich doch wieder etwas mehr Richtung Nokia N900. Wegen des signierten Bootloaders kann es zum Beispiel kein von Motorola vertriebenes Telefon werden – da könnte ich ja gleich bei iPhone und Jailbreak bleiben.
Ich bin gespannt auf das Nexus Two (oder wie auch immer es heißen wird) und darauf, wann und in welcher Ausstattung es die Google-Telefone auch hierzulande geben wird.
Immerhin: Ein alter Freund besitzt ein N900, wie ich kürzlich erfahren habe. Demnächst werde ich es selbst in Augenschein nehmen und auf Herz und Nieren prüfen können. Das wird zumindest bzgl. dieses Telefons etwas Licht ins Dunkel bringen.
Wohnt jemand im Raum Nürnberg/Fürth/Erlangen und kann mir ein Android-Telefon, am besten ein Nexus One vorführen? :-) Das wäre ideal.

Montag, 1. Februar 2010

iPad und OS-Update

Nachdem sich der Wirbel um Vor- und vor allem Nachteile des iPad im Netz so langsam gelegt hat, stellt sich mir vor allem eine Frage:
Warum geht niemand dabei auf das kommende iPhoneOS 4.0 ein?
Es gibt längst Gerüchte, dass diese OS-Version vor der Tür steht, und dass sie dem iPad manches vermisste Feature bringen wird, speziell vor allem Multitasking und Multi-User-Fähigkeit.
Und gerade eben erst wurde die Bedeutung des kommenden Updates bestätigt, indem Steve Jobs über ein „A+-Update“ sprach, das das iPhone bald erhalten soll.
Ich halte zumindest Multitasking als Erweiterung für das iPad für so gut wie sicher. Denn: iPhone-Applikationen, die nicht speziell an das iPad angepasst wurden, können bekanntlich in einm Fenster oder im Fullscreen-Modus hochskaliert ausgeführt werden. Eine App in einem Fenster laufen lassen, ohne gleichzeitig andere Fenster zur Verfügung zu haben? Wie würde das denn aussehen! Nein, das halte ich nicht für wahrscheinlich.
Entsprechend vermute ich sogar, dass iPhoneOS 4.0 noch vor der Markteinführung des iPad präsentiert und vielleicht sogar schon auf den ersten iPads ausgeliefert werden wird. Das ist zugegebenermaßen weit aus dem Fenster gelehnt, und vor allem letzeres würde vmtl. eine Fertigstellung des OS spätestens innerhalb der nächsten zwei Wochen erfordern, um die Produktion nicht zu sehr zu verzögern. Eine Auslieferug mit iPhoneOS 4.0 ist also eher unwahrscheinlich.
Trotzdem glaube ich, dass man als Besitzer eines iPads der ersten Stunde recht schnell wird updaten können.

Warum also hat Apple das iPad nicht gleich mit den Features von iPhoneOS 4.0 vorgestellt?
Ich vermute, dass sie sich die besten Häppchen noch für die Vorstellung des neuen iPhone aufheben wollten, das ja auch ansteht.
So war auf diversen Seiten zu lesen, dass vor allem deswegen so lange kein Update für das iPhoneOS vorgestellt wurde, weil es zu viele Hinweise auf das iPad enthalten hätte, das man noch geheimhalten wollte.
Entsprechend könnte der Schritt zu interpretieren sein, auf dem iPad zunächst nur ein iPad-only iPhoneOS 3.2 vorzustellen, um später mit iPhoneOS 4.0 wieder ein OS für alle Handheld-Geräte zu haben.
Ich würde es Apple sogar zutrauen, dass eine in den Demogeräten vorhandene Kamera versteckt wurde, um ein entsprechendes Feature der kommenden iPhone-Generation noch nicht herauszuposaunen – Apple tut um der Geheimhaltung willen wirklich viel.
Update: Na, wer sagts denn: In iPad-Ersatzteilen ist eine Aussparung für eine iSight-Kamera entdeckt worden. Das muss noch nichts heißen, denn auch der iPod Touch hätte Platz für eine Kamera, die er immer noch nicht bekommen hat. Aber: Es bleibt allemal spannend.
Andererseits ist Apple mit neuer Hardware auch schon oft hinter den Erwartungen zurückgeblieben, und teils sehr weit, etwa bei der Vorstellung des iPhones erster Generation, beim iPhone 3GS oder auch beim Apple TV. Insofern wäre eine fehlende Kamera, an sich ein mehr als logisches Feature für ein Gerät wie das iPad, alles andere als undenkbar.

Wir werden sehen. Ich erwarte jedenfalls eine sehr deutliche Funktionserweiterung des iPad durch iPhoneOS 4.0. Und bevor dessen Möglichkeiten bekannt sind, werde ich auch sicher kein iPad kaufen oder gar vorbestellen.

Mittwoch, 20. Januar 2010

iPhone OS 4.0: Feature-Gerüchte und deren Bewertung

Na, das wurde auch Zeit:
Weniger als eine Woche vor dem entsprechenden Event sickerten erste mögliche Funktionen der neuen iPhone-OS-Version 4.0 durch, die vmtl. beim großen Event am 27. 1. vorgestellt werden wird – neben dem Apple-Tablet, das wohl iSlate oder auch, wie neueste Gerüchte nahelegen, iPad heißen wird.
So soll es neue Multitouch-Gesten geben, außerdem soll das Update nur ab dem 3G aufwärts erhältlich sein, nicht mehr für die erste iPhone-Generation.
Interessanter ist da schon, dass es größere UI-Änderungen geben soll. Speziell das Verhalten bei mehreren Push-Nachrichten war bislang unter aller Sau, um es einmal deutlich auszudrücken: Es wurde immer nur die letzte angezeigt, statt eine Liste aufzubauen. Entsprechend spekuliert (und hofft) BGR, dass sich unter anderem in dieser Richtung etwas tun könnte.
Außerdem soll das iPhone wieder einen Vorsprung erlangen, weil es durch das Update „richtigen Computern ähnlicher werden“ soll als jedes andere Telefon bisher. Computerähnlicher als das N900? Na, da möchte ich doch einmal starke Zweifel anmelden.
Für Kontakte und Kalender soll es neue Sync-Möglichkeiten geben. Ich hoffe schwer das bedeutet, dass man endlich via WLAN oder wenigstens via Bluetooth mit dem Desktop synchronisieren kann.
Außerdem soll es endlich Möglichkeiten zum Multitasking geben, zumindest so etwas ähnliches: „Einige neue Wege“ sollen dazukommen, um Apps im Hintergund laufen zu lassen, was immer das genau bedeutet. Entsprechende Gerüchte hatte es auch schon für iPhone OS 3.0 gegeben, insofern bin ich da vorsichtig. Angesichts der Konkurrenz durch Maemo, webOS und vor allem das immer mehr erstarkende Android wäre Apple aber schlecht beraten, würde man diesen Schritt nicht gehen.

Das klingt tatsächlich nicht schlecht. Es würde sogar einige meiner Kritikpunkte am iPhone ausräumen. Leider wird es wohl wieder bis Sommer dauern, bis das neue OS dann tatsächlich erscheint.
Oder doch nicht? Gerüchtehalber soll ein neues iPhone bereits im Mai irgendwo in Asien auf den Markt kommen (wo genau weiß ich nicht mehr). Bislang war neue Hardware immer auch mit einem Update des OS verbunden.
So oder so: Sollten die genannten Funktionen tatsächlich kommen, könnte das iPhone fast zu dem Smartphone werden, das ich haben will. Es wird immer noch zu geschlossen sein, aktuelle Modelle haben keine ausreichende Display-Auflösung, und ich werde auch nicht noch einmal Geld dafür bezahlen, für mein eigenes Telefon Software entwickeln zu dürfen, die ich nicht einmal weitergeben will.
Auch allein schon des Preises wegen werde ich mir sicher kein iPhone 4G zulegen, oder wie immer es heißen wird.
Trotzdem: Wenn ich meinem jetzigen 3G so zumindest die nervigsten Beschränkungen abgewöhnen kann, ohne jailbreaken zu müssen, kann der Kauf seines Nachfolgers noch ein bisschen hinausgeschoben werden.
Zumindest bis klar ist, was das Google Business Phone und das Motorola Shadow wirklich können werden, und wann sie erscheinen.

Dienstag, 12. Januar 2010

Vergleich: Milestone, iPhone, N900, Nexus One – neues Smartphone, neues Glück

Wie schon in diversen Artikeln vermerkt, werde ich in relativ naher Zukunft dem iPhone den Rücken kehren und mich nach einem neuen Smartphone für meine Zwecke umsehen.
Bisher sah es so aus als käme nur das Nokia N900 in Frage. Kürzlich erzählte mir aber ein Bekannter, der mehr als nur ein bisschen technikaffin ist, recht begeistert von Android und was damit alles möglich ist.
Ich hatte bislang nicht viel von Android mitbekommen, aber was ich jetzt weiß und was ich auf dem Android Market so alles gefunden habe, lässt „irgendein Android-Telefon“ zum wahrscheinlichsten Kandidaten werden.
Da der Artikel sehr lang geworden ist, heute wieder einmal ein Sprung – bitte auf den Link klicken!

Donnerstag, 26. November 2009

Das N900 und das iPhone und der Mac

Nach und nach gibt es immer mehr Berichte über das neue N900 von Nokia, und ich muss sagen: Das klingt gut. Das klingt richtig gut.
Was mich im Speziellen reizt sind die große Offenheit der Plattform, die Integration von IM-Funktionen mit anderen Kommunikationsmöglichkeiten wie Telefon, E-Mail und SMS und nicht zuletzt, dass das Gerät im allgemeinen als „Computer mit Telefonfunktion“ beschrieben wird, statt dem „Telefon mit Zusatzfunktionen“, das die meisten Smartphones darstellen.
Klar, auch beim iPhone ist für mich die Nutzung der eigentlichen Telefonfunktion Nebensache. Viel mehr als das N900 bringt es aber Eigenheiten und vor allem Einschränkungen mit sich, die einem immer wieder klarmachen, dass das eben etwas ganz anderes ist als ein „kleiner Mac“.
Als das iPhone 3G herauskam, und mit ihm iPhone OS 2.0, war es ein absoluter Knüller. Es gab nichts, was ihm auch nur entfernt das Wasser reichen konnte, wenn es darum ging, das Internet in verschiedensten Ausprägungen auch unterwegs zu nutzen.
Heute ist das anders. Android- und WebOS-Telefone bieten ähnliche Möglichkeiten – vielleicht nicht ganz so perfekt, aber statt des himmelweiten Unterschieds stören nur noch marginale Kleinigkeiten.
Als Vorteil des iPhone wird immer wieder der AppStore genannt. Persönlich kann ich dazu mittlerweile nur noch müde lächeln. Ja, es gibt unglaublich viel dort, aber fast alles ist Kinderkram.
Ich bin kein Gamer, ich spiele weder am Computer noch am iPhone. Somit fällt eine Anwendungskategorie, in der das iPhone offenbar wirklich Qualität zeigt, für mich komplett flach – und mit ihr gleich ein Großteil aller Anwendungen, die überhaupt im AppStore erhältlich sind.
Dann natürlich die riesige Flut von „Fun-Apps“, die für mich totaler Blödsinn sind. Ein Getränk am Telefon austrinken, das war am Anfang ja noch ganz witzig. Aber eine Kerze ausblasen, wahlweise als Grafik auf dem Display oder mit dem Telefon eine echte, Lichtschwert-Sounds und natürlich hunderte von Furz-Applikationen? Das ist doch lächerlich.
Auf der anderen Seite fehlen aber Dinge, die mir eigentlich wichtig wären.
So gibt es nur eine einzige halbwegs benutzbare Kalender-Applikation. Apple lässt einen Zugriff auf den internen Kalender nicht zu, deshalb müssen externe Anwendungen eigene Datenbanken schaffen und sich selbst um Synchronisation kümmern. Für diesen Aufwand ist die Zielgruppe „ernsthafter“ iPhone-Anwender offenbar zu klein, ganz zu schweigen von möglicherweise in den Sand gesetzten Investitionen, weil man sich mit dem AppStore-Zulassungsprozess rumschlagen muss.
Fehlendes Multitasking mag eine bewusste Design-Entscheidung sein, aber dann muss man bei bestimmten Dingen für Ersatz sorgen. Das hat Apple nur teilweise getan. Die simple Möglichkeit, etwas Code oder eine Anwendung zu einem bestimmten Zeitpunkt ausführen zu lassen, fehlt etwa. So ist es unmöglich, einen sinnvollen (!) Wecker zu programmieren, der den arg beschränkten mitgelieferten ersetzen würde.
Es gibt keinerlei Möglichkeiten, verschiedene Einstellungsprofile zu definieren, geschweige denn, sie orts- oder wenigstens uhrzeitbasiert automatisch zu aktivieren.
Und was immer man tut, es muss das einzige sein. Gleichzeitig GPS-Daten aufzuzeichnen, wofür nun wirklich keine Anzeige auf dem Bildschirm notwendig ist, und telefonieren oder auch nur eine Adresse nachschlagen ist unmöglich.
Gute Synchronisation, wo man also das Telefon nicht so oft wie möglich per Kabel umständlich mit dem Computer verbinden muss, gibt es nur in Verbindung mit MobileMe. WLAN- oder Bluetooth-Sync, möglichst automatisch wenn das Gerät sich in der Nähe des Computers befindet, ist nicht vorgesehen. MobileMe aber kostet Geld, ist mit dem Zwang verbunden, eine @me.com-Adresse zu benutzen oder sich mit umständlichen Workarounds abzufinden, hat ein zwar hübsches, aber mit JavaScript dermaßen überladenes Web-Interface, dass es auf langsamen Rechnern nicht benutzbar ist und ist somit sein Geld nicht wert.
So sehr ich mein iPhone mochte, inzwischen gibt es Konkurrenz, die in für mich wichtigen Punkten besser ist, dafür aber nicht mit den nervigen Einschränkungen des iPhone geschlagen ist.
Heute würde ich das iPhone nur noch Leuten empfehlen, die vor allem spielen wollen. Für alles andere gibt es bessere Alternativen.

Zurück zum N900. Wie gut das letztlich zu mir passen würde, ist noch nicht ganz klar. Mir sind Kleinigkeiten wichtig, die in den diversen Reviews naturgemaäß nicht vorkommen.
So seltsam es klingen mag, ich kann es beispielsweise auf dem Tod nicht ausstehen, wenn ich die Labels für eine Telefonnummer/E-Mail-Adresse (Privat, Arbeit, Mobil usw.) nur aus einer vorgegebenen Liste auswählen kann, statt zusätzlich selbst freie Bezeichnungen zu vergeben. Epoc/Symbian konnte meinen Wunsch nach eigenen Labels schon immer erfüllen – ich hoffe nur, dass die enge Bindung an Microsoft dieses Feature nicht verschwinden lässt, denn Exchange kann das nicht.
Außerdem ist mir die Kalenderfunktion ein Herzensanliegen. DateBk auf dem Palm hat vorgemacht, wie gut ein Kalender auf einem so eingechränkten Gerät sein kann, welche Funktionen man bieten kann und wie schnell bedienbar ein PDA sein kann, wenn die Software etwas taugt. Ich habe nie sonst etwas gesehen, dass diesem Kalender das Wasser reichen konnte.
Am zweitbesten war aber der Epoc-Kalender, leicht abgewandelt später auf Symbian-Telefonen zu finden. So etwas leicht aufgebohrt, mit Zusatzfuktionen wie etwa Termin-Vorlagen versehen, das wäre ein Wort – gerne auch von Drittanbietern. Ich habe nichts dagegen, für Software zu bezahlen, wenn sie gut ist. Nur muss es sie erstmal geben.
Das sind Dinge, die ich mir im Laden einmal ansehen muss.

Bevor aber ein Kauf des N900 überhaupt denkbar wird, muss ein mehr als dickes Manko ausgeräumt werden: Die fehlende Synchronisation mit Mac OS X.
Man kann sich wohl mit einem Google-Account und ActiveSync behelfen, aber das ist aus mehreren Gründen keine Alternative:
  • Das, was OS X nativ als „Synchronisation“ mit Google bezeichnet, ist bestenfalls ein Witz. Kalender werden gar nicht synchronisiert, und Kontakte kommen zwar durch, aber es fehlt die Hälfte – zum Beispiel die Zuordnung zu Gruppen und die Geburtstage.
  • Abgeholfen werden kann dem mit BusySync (nur Kalender) oder SpanningSync (Kalender und Kontakte). Beides kostet Geld, Spanning Sync sogar jährlich neu.
  • Selbst wenn man das investiert, hat man noch nicht viel gewonnen: Offenbar kann das N900 via ActiveSync nur einen einzigen Google-Kalender synchronisieren (oder Google synchronisiert via ActiveSync nur einen Kalender?). Das ist ein Witz.
  • Die Kontakte scheinen nicht vollständig übertragen zu werden. Hier vermute ich prinzipielle Schwächen des ActiveSync-Protokolls, etwa das obegenannte Fehlen selbstbenannter Labels oder möglicherweise auch eine Beschränkung der maximal möglichen Einträge etwa für Telefonnummern oder Postadressen pro Kontakt. Da ich noch nirgends eine genaue Aussage darüber gelesen habe, was eigentlich fehlt, ist das aber Spekulation.
Fazit: Unbenutzbar. Hier bleibt also nur das Warten auf ein iSync-Plugin von Nokia. Beim N97 gab es das erst Ende Oktober, insofern wird es beim N900 möglicherweise bis Frühjahr dauern, bis Nokia das nachliefert.
Eines aber ist klar: Solange es von Nokia oder von dritter Seite keine sinnvolle Synchronisation mit Mac OS X gibt, ist das N900 keine Option.

Freitag, 18. September 2009

Navigon kündigt Live-Dienste auf dem iPhone an

Tja, TomTom, das wars dann wohl: In einigen Wochen will Navigon als In-App-Purchase Verkehrsnachrichten zur Verfügung stellen – inklusive Echtzeitdaten von anderen Navigon-Live-Nutzern.
TomToms HD Traffic bietet zwar das gleiche, ist aber nicht nur wesentlich teurer (EUR 10,–/Monat vergleichen mit einmalig EUR 25,– bei Navigon), sondern vor allem auch auf dem iPhone nicht verfügbar.
Jetzt müsste Navigon nur noch echte historische Geschindigkeitsdaten ins Kartenmaterial einarbeiten, und es gäbe endgültig kein Argument mehr für TomTom.
So werde ich erstmal weiter abwarten, bis ich wirklich einmal Navigation am iPhone brauche. Wäre das heute der Fall, würde ich auf jeden Fall Navigon wählen.

Montag, 31. August 2009

Nokia N 900: Das klingt interessant

Nokia hat kürzlich das neue N 900 angekündigt. Und ich muss sagen: Seit dem iPhone 3G ist es das die erste Smartphone-Ankündigung, die mich vom Hocker reißt.
Ich liebe mein iPhone, aber als alter Geek nervt es mich manchmal, wie gering die Möglichkeiten sind, die Apple dem Nutzer lässt. Klar, man könnte jailbreaken, aber einem OS, das vom UI her für einen Task gedacht ist, mehrere Tasks überzustülpen, ist beispielsweise absolut nicht das Gelbe vom Ei. Und, ganz ehrlich, das Angebot bei Cydia haut mich nicht wirklich um. Zudem das ganze gehassle nach jedem OS-Update – nein, das wäre viel zu nervig, das lohnt sich meiner Meinung nach nicht.
Eine überzeugende Plattform, die von vorneherein frei ist (anders als auch Android, zum Beispiel), wäre dementsprechend eine durchaus interessante Möglichkeit. Wenn man sich Nokias Seite zu Maemo und dem N 900 so durchliest, kann einem schon das Wasser im Munde zusammenlaufen – zumal man mit so einem Gerät nicht an T-Mobile und einen stark überteuerten Vertrag gebunden wäre.
Für mich bleiben in erster Linie folgende Fragen:
  1. Kann sich das Gerät sinnvoll mit Google und/oder dem Mac synchronisieren, am besten cloudmäßig over the air? Exchange ist ja gut und schön, das brauche ich aber erst in zweiter Linie.
  2. Wie steht es mit der Batterielaufzeit? Kann ich mit meiner typischerweise nicht allzu extremen Nutzung mit mindestens 2-3 Tagen ungestörter Nutzung rechnen, besser mehr?
  3. Wie gut sind die installierten Apps, speziell der Kalender? (Gerade der ist ja ein übler Malus des iPhone.)
  4. Wie benutzbar ist der Browser? Das ist ja nun ein Punkt, bei dem man vom iPhone her schon sehr verwöhnt ist. Ein Mozilla-Browser ist das, bei Maemo. Ist er denn auch schnell genug? Ist er von der Bedienung her sinnvoll auf das kleine Display ausgerichtet, auf dem er seine Inhalte darstellen soll? Sachen wie der Doppel-Tap auf eine Spalte bei iPhone, um sie heranzuzoomen, sind eben doch sehr genial.
  5. Wie gut und wie umfangreich sind die Apps, die es sonst so gibt? Angeblich gibt es für das bisherige, telefonfreie N 800 schon eine ganze Menge, fast mehr als für die Symbian-Telefone, wenn man sie jeweils einzeln rechnet. Das müsste man sich mal ansehen. Das iPhone bietet tausende Spiele, die mir gern gestohlen bleiben können, dazu weitere tausende Nonsense-Apps, die Bier trinken oder furzen können, aber das Angebot an ernsthaften und gut nutzbaren Apps ist recht überschaubar, wenn man nicht gerade nach einen Twitter-Client oder ähnlichem Community-Krimskrams sucht.
Da bin ich wirklich gespannt. Vielleicht wird mein nächstes Telefon (nach Ablauf des T-Mobile-Knebelvertrags) ja gar kein iPhone, sondern ein Nokia?

Freitag, 28. August 2009

AroundMe sammelt auch Ortsinformationen

Tweakersoft hat sehr schnell auf meine Anfrage reagiert. In einer Antwort-E-Mail betonen sie, dass diese Daten sehr wichtig für sie sind, um AroundMe zu verbessern, was bei dieser Art von Anwendung ausnahmsweise sogar einleuchtend ist.
Gesammelt werden neben der PinchMedia-Standardsammlung Ortsinformationen und die ausgewählte Kategorie in AroundMe, aber nicht die Daten zu Geschlecht und Alter, die PinchMedia noch bieten würde.
Die Daten seien aber komplett anonym.
Nun ja, immerhin wird ja die unique ID des iPhones übertragen. Daraus kann natürlich nicht direkt auf sonstige Daten des Users zurückgegriffen werden, aber der einzelne User ist zumindest von anderen unterscheidbar. Bei PinchMedia selbst (wenn auch vielleicht nicht so sehr bei TweakerSoft) ließen sich daraus ziemlich umfangreiche Nutzerprofile erstellen.
Hm. Nicht so schön. Ich werde die Nutzung von AroundMe in Zukunft wohl vermeiden.