Donnerstag, 11. März 2010

Großer subjektiver Vergleich aller Smartphone-Systeme

In mittlerweile unzähligen Posts in diesem Blog habe ich immer wieder überlegt, wo die Vorteile und Nachteile aktueller Smartphone-Betriebssysteme und Handymodelle liegen, was für mich das richtige ist und wofür ich mich letztlich entscheiden soll.
Demnächst wird mir jetzt ein kleines Erbe ausgezahlt, da kann man sich dann mal ein bisschen was leisten, wo man normalerweise sparen müsste.
Da es also wohl schon recht bald soweit sein wird, sind die Optionen auf schon jetzt oder bald erhältliche Telefone eingegrenzt.
Den langen Artikel mit der Zusammenfassung aller Erkenntnisse aus den letzten Monaten gibt es nach dem Klick auf den Link – wegen des großen Umfangs des Artikels heute ausnahmsweise einmal wieder mit Sprung..
Windows Mobile kommt weiterhin nicht in Frage – meiner Ansicht nach ist das System in sich einfach zu schlecht gemacht. Die 7er-Version klingt durchaus so, als würde Microsoft (ähnlich wie bei Windows 7) erstmals so einiges richtig machen – aber es dauert noch, bis das System erscheint, und unabhängig von der objektiven Qualität besteht bei mir auch einfach eine ganz subjektive Abneigung gegen das Unternehmen aus Redmond. Keine Option also.
Symbian OS habe ich ebenfalls nie ernsthaft in die engere Auswahl gezogen. Vielleicht ist es mittlerweile gar nicht mehr so schlecht, aber Nokia-Handys scheinen einfach zu oft an Bugs zu leiden, die zu selten und nach zu langer Zeit gefixt werden. Von meinem Gefühl her ist Symbian OS gar kein „richtiges“ Smartphone OS, sondern irgendwo knapp darunter angesiedelt.
Das gleiche gilt für die Blackberrys von RIM. Für echten Business-Einsatz vmtl. die erste Wahl, aber das Basteln und Ausprobieren und mit tollen Apps Rumspielen macht mir doch zuviel Spaß, als dass ein Blackberry eine Option sein könnte.
Bada OS von Samsung ist zu neu, um wirklich etwas dazu sagen zu können, es gibt ja noch gar keine Geräte auf dem Markt. Einige Ansätze scheinen ganz vielversprechend zu sein, für mich persönlich hätte sich aber das Warten aus zwei Gründen nicht gelohnt: Eigene Software dafür müsste ich in C++ entwickeln, und ein SDK gibt es nur für Windows. Nein, danke.
WebOS von Palm scheint wider Erwarten tatsächlich ein großer Wurf zu sein – man hört fast nur Positives über das System. Mein persönlicher Eindruck ist, dass Palm von allen Konkurrenten das iPhone-ähnlichste System geschaffen hat. Allerdings ist die Zielgruppe offenbar ein Stück unterhalb des geekigen Gadgeteers angesiedelt, der ich wohl bin. Das bisher einzige verfügbare Gerät kann von seinen Hardwarespezifikationen her nicht beeindrucken, und das System lädt wenig zum Basteln und Ausprobieren ein. Ganz ähnlich wie das iPhone also, und das lasse ich ja gerade hinter mir.
Das Nokia N900 mit Maemo war das erste System, das meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Es hat tolle Hardware, die bis auf einen Kompass nichts vermissen lässt, und vor allem: Offener als dieses System ist wirklich nichts auf dem Markt. Einfache Apps lassen sich wunderbar in Python und anderen Skriptsprachen entwickeln, und das N900 ist wirklich mehr als jedes andere Smartphone wie ein kleiner Computer. Wie ein mit Linux bestückter Computer.
Vom Bastelaufwand bewegt sich das Gerät aber in Dimensionen, die mir dann wieder zuviel sind – wie Linux vor zehn Jahren, könnte man sagen. Damals fand ich das toll und hatte Spaß daran, heute habe ich darauf keine Lust mehr – und damit auch keine Lust auf das N900. Für echte Bastler bitetet das Gerät aber eine Spielwiese, die ihresgleichen sucht und so schnell sicher auch nicht finden wird. Nähere Eindrücke von einem „Hands-On“, wie man heute so schön sagt, finden sich hier.
Eine weitere Erkenntnis hat sich dadurch aber auch ergeben: Ich bin von meinem Plan abgerückt, unbedingt eine Hardware-Tastatur haben zu wollen. Die des N900 ist wirklich gut – in dieser Größe bedeutet das aber nicht viel. Ich habe feststellen müssen, dass das Tippen mit einer derartigen Tastatur auch nicht schneller geht als mit einer tauglichen Touchscreen-Tastatur. Somit kann man sich das zusätzliche Gewicht auch sparen.
Ein richtig großes Gerät mit größerem Schirm und größerer Tastatur, wie ich es mir eigentlich gewünscht hätte, gibt der Markt leider nicht her. Insofern ist mein Wunsch nach einer Hardware-Tastatur erstmal hintangestellt.
Der Vollständigkeit halber: iPhone OS. Im Bedienkonzept noch immer vorne, riesige Fülle von Apps. Derzeit erhältlich Hardware ist nicht mehr ganz auf dem aktuellen Stand der Dinge (schlechte Display-Auflösung, langsam getakteter Prozessor) und hat einige bewusste Design Flaws (nicht wechselbarer Akku, fehlende Erweiterbarkeit durch Speicherkarten). Das System selbst ist beinahe die Definition von „funktioniert einfach, kein Gehassel und Geschraube an Einstellungen“. Umgekehrt bietet es aber relativ wenige Möglichkeiten der Geek-gerechten Erweiterung, indem Multitasking verboten ist, kein Zugriff auf Hardwarefunktionen möglich ist (z.B. Ein- und Ausschalten des Telefonteils durch eine App) und die einzige Quelle für Apps der rigoros Apple-kontrollierte AppStore ist.
Das alles lässt sich zwar per Jailbreak umgehen, dann aber ist man schon wieder auf der Bastelschiene, muss mit Updates warten, bis die neue OS-Version genkackt ist, beim Unlock teils gar nach jedem Systemneustart wieder neu knacken usw. – dann liegt der Komfort deutlich unter dem von Android, zuviel Bastelei für meinen Geschmack.
Fazit: Ohne Jailbreak zu eingeschränkt, mit Jailbreak kann man gleich ein offeneres System wählen, weil dann der Bastelfaktor sogar den offenerer Systeme übersteigt, vor allem der „Basteln-Müssen-Faktor“, der im Gegensatz zum „Basteln-Können-Faktor“ für mich einen sehr negativen Beigeschmack hat.
And the winner is: Android OS. Es bietet genau die Mischung aus „funktioniert erstmal einfach“ und „ist fast beliebig erweiterbar und bietet geniale Apps für Technikenthusiasten“, die ich mir wünsche.
Ursprünglich, als ich noch nichts darüber wusste, hatte ich den Eindruck gehabt, Android sei kaum weniger abgeschottet als iPhone OS. Das hat sich aber als völlig falsch herausgestellt. Beliebige Software von außerhalb des Android Market kann installiert werden, natürlich gibt es Multitasking, die Kontrolle über das, was man Programmen erlauben will, ist sehr gut gelöst, und es gibt eben jenen Zugriff auf die Hardware, die für Profileswitcher notwendig ist.
Natürlich gibt es auch Macken. So lässt die GMail-Anwendung deutlich mehr zu wünschen übrig, als ich vermutet hatte, der Kalender ist bestenfalls ein Anfang, und Sync mit dem Mac ist nur über 3rd-Party-Tools sinnvoll machbar.
Insgesamt aber scheint das Android-System meinen Bedürfnissen sehr nahe zu kommen, auch weil die Programmierung in Java recht angenehm wirkt. Ich freue mich schon drauf.
Was das Gerät betrifft, wird es wohl auf ein Nexus One oder ein HTC Desire hinauslaufen. Beide sollen bald hier in Deutschland erhältlich sein und halten somit den geforderten Zeitrahmen ein.
Nachdem die vermeintlichen Display-Probleme jetzt geklärt sind, habe ich auch wieder richtig Lust auf die Telefone.
Das Nexus One liegt jetzt in meiner Gunst auch wieder ein wenig vorne. Wie schon einmal geschrieben kann ich auf HTCs Sense getrost verzichten – hübsches Eye-Candy, das zwar kein Negativum ist, von den schnelleren Updates bei Google aber überwogen wird.
Außerdem hätte ich gern das zweite Mikro zur Noise Cancellation, über das nur das Nexus One verfügt. Für Telefongespräche macht das zwar wohl keine allzugroßen Unterschiede, aber für Spracherkennung scheint es sehr wichtig zu sein. Das wiederum ist natürlich überhaupt kein unbedingt notwendiges Feature, aber es würde schon Spaß machen, damit herumzuexperimentieren.
Beim Desire wiederum würden mir die Hardwaretasten eher liegen.
Man seiht: Es geht eher um Kleinigkeiten. Letztlich wird wohl der gewinnen, der schneller auf dem deutschen Markt ist und/oder sein Telefon günstiger anbieten kann.
Man darf gespannt sein.

Kommentare:

  1. Schade, dass in dem Beitrag nicht auf wichtige Punkte bezüglich Privatsphäre eingegangen wird. Dann würde Android nämlich längst nicht mehr so gut abschneiden. Weshalb ausgerechnet Google ein scheinbar kostenloses Betriebsystem für Mobiltelefone auf den Markt bringt, sollte wohl klar sein. Aus diesem Grund sollte man von dem System die Finger lassen.
    Ich zumindest wünsche es nicht, dass ein Unternehmen Rechte hat, auf meinem Telefon Programme zu in- und deinstallieren! Und das ist längst nicht alles, was sich Google für Rechte nimmt!

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  2. Deinstallieren kann Apple auch, und Google kann nur installieren, wenn man das Gerät in Kombination mit einem Google-Account nutzt.
    Im Gegensatz zu Apple lässt Google dem Nutzer die Wahl. Wenn man will, kann man ein Android-Telefon ganz ohne Google benutzen, unter anderem ohne Google-Account.
    Ein neues iPhone kann man ohne iTunes noch nicht mal einschalten, und ohne iTunes-Account kriegt man kein einziges Programm auf das Gerät.

    Natürlich hast Du nicht ganz unrecht, Google IST gruselig. Apple allerdings nicht minder. Ich persönlich habe einen Google-Account und nutze ihn für diverse Aufgaben, und einen Mac nenne ich auch mein eigen, habe keine Lust auf Windows und auch keine mehr auf Linux.

    Google macht einiges richtig, deswegen nutze ich Google trotz einiger Bauchschmerzen. Apple macht anderes richtig, deswegen möchte ich meinen Mac nicht missen, obwohl Apple in meinen Augen mittlerweile zu einer recht unsympathischen Firma mutiert ist.

    Keine gute Haltung? Vielleicht zu pragmatisch, ja.

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  3. Sie haben vollkommen Recht! Ich habe auch nie behauptet, dass Apples iOS auch nur geringfügig besser ist. Im Gegenteil: Während es genauso schlecht mit der Privatsphäre umgeht, kommen hier noch andere Negativpunkte wie Zensur der Apps usw. hinzu. Allerdings ist Android Ihr "Sieger-System", sodass ich auf die anderen nicht eingegangen bin.
    Im Übrigen: Es passt nicht ganz zum Thema, aber ich würde von Apple grundsätzlich (nicht nur wegen iOS) abraten: Die Produkte (iPhone, iPad) sind maßlos überteuert. Verglichen mit anderen Firmen stimmt das Preis-Leistungsverhältnis gar nicht. Und inzwischen ist die Firma ziemlich arrogant geworden. "Recht unsympathisch" wie Sie es nennen ist da noch untertrieben :-)
    Schlimm finde ich, dass Apple insbesondere mit dem iPhone inzwischen als "Status-Symbol" gilt. Wenn ich Leute auf der Straße mit iPhone sehe, zeigt es mir eher mangelnde Kenntnis.

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