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Mittwoch, 2. Februar 2011

Dell Streak Test: Abschließendes Fazit

Kommen wir also zum Abschluss der großen Testreihe. Eigentlich hatte ich noch einen Artikel über Root und Custom ROMs auf dem Streak schreiben wollen, dazu hätte ich aber noch eine oder zwei Wochen zusätzliche Zeit gebraucht, die man mir bei Dell nicht gewähren wollte. Somit bleibt es also bei den bisher erschienenen Artikeln.

Im Großen und Ganzen kann man sagen: Das Streak ist ein mehr als nur geniales Smartphone.
Natürlich gibt es einige Negativpunkte, als besonders störend empfinde ich die wenig brauchbare Kamera und die fehlende Suchtaste.
Diese Punkte fallen aber praktisch nicht ins Gewicht, wenn man dagegen die größten Vorteile des Geräts betrachtet:
Das Display hat genau die richtige Größe, damit das Streak noch als Telefon nutzbar ist und trotzdem Tablet-Gefühl vermittelt. Obendrauf gibt es noch eine Akkulaufzeit, die derzeit von wenigen anderen Android-Smartphones erreicht wird – so macht Android Spaß, so soll es sein!

Wäre ich heute auf der Suche nach einem neuen Smartphone, das Streak wäre der klare Favorit. Derzeit gibt es auf dem Markt einfach nichts, was annähernd ähnlich ideal Telefon und Tablet verbindet.
Wer wie ich sein Smartphone vor allem als kleinen Computer nutzt, die Telefonfunktion (auch ohne Headset) aber nicht ganz missen will, für den gibt es momentan nichts Besseres.
Klar, das Gerät ist groß – nichts für die Hosentasche. Wer aber ohnehin immer eine Tasche oder einen Rucksack dabei hat, dürfte damit nicht wirklich Probleme haben.
Ich hoffe sehr, dass sich das 5"-Format auch in Zukunft halten wird, sei es bei Geräten von Dell oder von anderen Herstellern. Es ist einfach die ideale Mischung, besser geht es kaum.
Es juckt mich in den Fingern, mir ein Streak zu besorgen, aber ich habe ja noch mein Nexus One, das mir an sich gute Dienste leistet. Vielleicht finde ich ja zufällig irgendwo ein Angebot, an dem ich nicht vorbei kann …


Update: Ich habe mich letztlich dagegen entschieden, mir ein Streak zuzulegen. Grund ist die Update-Situation. Hardware und Ausstattung gefallen mir immer noch so gut wie im Test beschrieben, aber was will ich mit einem Handy/Tablet, auf dem nur veraltetes Android läuft?
Schon mit dem Release von Froyo Ende letzten Jahres hatte sich Dell nicht mit Ruhm bekleckert, war doch Froyo zum Erscheinungszeitpunkt des Streak schon in den Startlöchern (während das Gerät selbst noch mit Android 1.6 ausgeliefert wurde – satte drei Major-Versionen älter).
Zu einem Update auf Gingerbread hüllt sich Dell in beredtes Schweigen – das wirkt auf mich so, als ob das nicht geplant wäre. Und das Streak ist noch nicht einmal ein Jahr alt!
Zwar gibt es mittlerweile ein Custom ROM mit Gingerbread für das Streak, das scheint aber nicht das stabilste auf der Welt zu sein, wie schon die ROMs älterer Systeme des einzigen Custom-ROM-Entwickers für das Streak. Das ist also ebenfalls keine Option.
Schade. Somit fällt auch Dell aus der Liste der Hardware-Hersteller, von denen ich Geräte kaufen würde.
Ich kann – zähneknirschend, aber doch – damit leben, wenn ein Hersteller mehrere Monate oder gar ein halbes Jahr braucht, um seine Geräte auf den neuesten Android-Stand zu bringen, sofern die Software-Qualität dann auch stimmt. Nicht leben kann ich damit, wenn Geräte nach weniger als einem Jahr aufgegeben werden.
Die angestrebten 18 Monate einiger Hersteller klingen gut – sofern das bedeutet, dass das System, das 18 Monate nach Erscheinen des Telefons aktuell war, noch auf das Telefon portiert wird, auch wenn es dann vielleicht erst nach 24 Monaten fertig ist. Das wäre eine akzeptable Festlegung.
Sony hat Besserung versprochen. Ob Dell nachzieht? Noch sieht es nicht danach aus.


Alle Artikel der Dell-Streak-Testreihe

Dell Streak Test: Kamera

Nun also zur Kamera. Als passionierter Fotograf und Besitzer einer DSLR mit mehreren, guten Objektiven bin ich da recht anspruchsvoll.
Wie erwartet kann leider auch das Streak meinen Anforderungen nicht genügen. Die Qualität der Aufnahmen entspricht in etwa der des Nexus One, ist also nicht so richtig toll.
Es sind recht deutliche Spuren des Rauschunterdrückungsalgorithmus zu sehen, außerdem ist bei großen Helligkeitsunterschieden eine starke Überstrahlung um die hellen Bereiche herum zu verzeichnen.
Außerdem wirken die Farben in vielen Aufnahmen „verbessert“, wie es irreführend oft heißt, bei Außenaufnahmen entstehen teils überzeichnete, unnatürliche Farben („lebendige“ Farben X-/ ). Das gefällt vielen Nutzern, aber wer höhere Ansprüche stellt und die Bilder evtl. nachbearbeiten will, schüttelt nur den Kopf. Das fiel allerdings vor allem bei diesigem Wetter auf; evtl. ist das also nur auf einen schlecht eingeregelten Weißabgleich zurückzuführen.
Die Kamera-Software ähnelt der des Nexus One stark – evtl. steckt sogar in beiden die gleiche Kamera? Die sehr ähnlichen Ergebnisse und die Tatsache, dass die App „Nexus Torch“ zur Ansteuerung der Blitz-LEDs als Taschenlampe benutzt werden kann, könnten darauf hindeuten.

Hier einige Beispielbilder, per Klick in Originalgröße zu sehen. Zur Beurteilung empfehle ich, bei der Betrachtung auf volle Größe zu zoomen, so dass der Browser das Bild nicht auf Fenstergröße herunterrechnet.
Ein typisches Bild, das der Laie auf den ersten Blick vielleicht als „gar nicht so schlecht“ einstufen würde. Aber: So sehen die Pflastersteine nicht wirklich aus. Der verwaschene Eindruck entsteht durch die Rauschunterdrückung samt Nachschärfung, die die Kamerasoftware durchführt. Die hellen Stellen des Schnees sind stark überbelichtet und weisen keinerlei Details mehr auf. Das Rot des Helms leuchtet in Wirklichkeit deutlich weniger.
In dunklerer Umgebung reicht der Blitz nur einen oder maximal zwei Meter weit. Bei größeren Entfernungen wie hier (übrigens bei Tageslicht im Wohnzimmer aufgenommen, es war nicht wirklich dunkel) wird es fast unmöglich, nicht zu verwackeln. Hier sieht man die starke Überstrahlung im Bereich des Fernsehers recht gut. Obwohl es auf dem Bild so aussieht, zeigte der Fernseher zum Zeitpunkt der Aufnahme kein weißes Bild, sondern eine ganz normale Fernsehsendung.
Wie so häufig bei Kameras dieses Kalibers macht es mehr Sinn, sich in Sachen Megapixel ein wenig zu beschränken (siehe dazu auch Der Megapixel-Wahn). Hier zwei Bilder des gleichen Motivs mit fünf Megapixeln und zwei Megapixeln im Vergleich:
5 Megapixel. Das Bild ist nur minimal schärfer, obwohl es über mehr als die doppelte Auflösung verfügt. Deutliche Spuren der Rauschunterdrückung/Schärfung in der kleinen Schrift auf den Flaschen erkennbar.
2 Megapixel. Ein Unterschied ist schon sichtbar, ist aber bei weitem nicht so groß wie er bei der Auflösungsdifferenz sein müsste. Positiv: Auch bei näherem Hinschauen sind keine Artefakte aus der Rauschunterdrückung/Schärfung zu erkennen.
Die 5-Megapixel-Einstellung ist also reine Platzverschwendung. Zwei oder drei Megapixel ergeben schönere Bilder, weil keine Artefakte sichtbar sind, und bieten kaum weniger Information.
Ein Bild mit der Frontkamera. Die nachträgliche Bildschärfung ist an den Kanten sehr deutlich zu erkennen. Diese Qualität finde ich aber ok, für Videotelefonie reicht das allemal, und wer macht schon Fotos mit der Frontkamera?
Achtung, böse Falle: Hat man einmal auf die Frontkamera umgeschaltet, wird beim Zurückschalten nicht die zuvor eingestellte Auflösung gewählt; es bleibt bei VGA (640x480). Erst wenn man in den Einstellungen herunterscrollt (dass das geht ist alles Andere als sofort ersichtlich) und wieder eine höhere Pixelzahl einstellt, macht man wieder „richtige“ Fotos.
Da auf dem Handy-Display kein Unterschied zwischen den Auflösungen ersichtlich ist (erst beim Hineinzoomen), habe ich ahnungslos zig Bilder in 640x480 aufgenommen.
Die Einstellungsmöglichkeiten sind relativ umfangreich. Helligkeit, Kontrast, Bildgröße, Qualität, diverse Szenenmodi (Porträt, Landschaft, Sport, Nachtaufnahme und Schnee), Anti-Banding (was immer das ist) für 50 und 60 Hz, die Einbettung von GPS-Daten, Weißabgleich, Blitz und Digitalzoom sind veränderbar.
Sicher wäre es möglich, mit etwas Feintuning hier bessere Ergebnisse zu erzielen. Wenn ich mein eigenes Streak habe, werde ich bei Gelegenheit damit noch ein wenig herumexperimentieren.
Die Automatik liefert mittelmäßige bis schlechte Bilder auf dem niedrigen Niveau meines Nexus One.

Bei den Videos sieht es ähnlich aus.
Ich habe momentan leider keins zu bieten, auf dem ich nicht erst irgendjemanden herausretuschieren müsste, deshalb kein Link. Ich hätte gern noch eins beigesteuert, muss das Gerät jetzt aber früher zurückschicken als gedacht und habe keine Zeit mehr für weitere Aufnahmen.
Wirklich lohnenswert ist so eine Aufnahme ohnehin nicht. Klar, es genügt für das gelegentliche Partyvideo, aber schon wenn man Erinnerungen an Kinder oder ein gesellschaftliches Ereignis festhalten möchte, nerven das Geruckel und die gelegentlichen Bildfehler. Da ist man mit einer Billig-Cam für um die hundert Euro weit besser bedient, auch wenn natürlich auch die nicht wirklich überzeugen.
Das gilt jedenfalls für Aufnahmen in 720p. In niedrigeren Auflösungen nehmen die Probleme naturgemäß ab, hier sind die Filmchen dann halbwegs brauchbar. Allerdings stelle ich an die Videofunktion auch lange nicht so hohe Ansprüche wie an die Fotos, und ich nutze sie ohnehin kaum.

Fazit: Unbrauchbar wäre übertrieben, aber begeistern kann die Kamera des Dell Streak leider ganz und gar nicht. Damit befindet sie sich allerdings in guter Gesellschaft; bislang habe ich noch von keinem einzigen Android-Handy Bilder gesehen, die auch nur halbwegs tauglich wären – einzig Nokia scheint es hinzubekommen, Handy-Kameras zu verbauen, die man auch wirklich zum Fotografieren nutzen kann. Siehe dazu auch Handy-Kameras: Nokia zeigt, was möglich ist.
Schade, dass auch Dell offenbar wenig wert auf dieses Detail legt: Ich hätte zu gern ein Handy, das mir eine Fotoqualität liefert, die für Schnappschüsse ausreichend ist. Das kann ich leider auch vom Streak nicht behaupten.


Alle Artikel der Dell-Streak-Testreihe

Dienstag, 25. Januar 2011

Dell Streak Test: Akkulaufzeit

Um es gleich zu Beginn vorwegzunehmen: Das Streak bietet eine sehr angenehme Akkulaufzeit.
Trotz des riesigen Displays hält der Akku wirklich wesentlich länger als beim Nexus One, und das, obwohl mein Nexus One mittels Custom ROM und Profile Switcher bereits weniger Strom braucht als zum Auslieferungszeitpunkt, während das Streak noch auf Originalsoftware läuft.
Infos zur Einordnung der Laufzeiten:
Wichtige Hintergrund-Prozesse, die da auch etwas tun: Mail-, Kalender- und Kontaktesynchronisation via Push mit Google-Account, Mail- und Kalendersynchronisation via Push mit Exchange-Server der Firma, Sync von RSS-Feeds von Google Reader mit Newsrob Pro alle Stunde, BeejiveIM, Evernote-Sync alle 60 Minuten, Facebook (ohne Kontakte-Sync).
Sonstige Infos: WLAN immer an (beim Nexus One: Profile Switcher schaltet WLAN nur zu Hause ein), 3G aktiviert, sowohl zu Hause als auch am Arbeitsort ländliche Region mit magerem Empfang -> relativ hohe Sendeleistung seitens des Telefons nötig. Das Telefon selbst nutze ich selten, etwa ein- oder zweimal pro Woche für wenige Minuten.
Nutzungsverhalten: Nachts im Flugmodus. Aufstehen gegen 6:25 Uhr, dann ca. 20 Minuten morgendliches Mails- und Feeds-Lesen. Zur Arbeit mit waze (Navigation, meist ohne Nutzung der Streckenführung und mit abgeschaltetem Display, siehe unten), Dauer ca. 35-40 Minuten. Tagsüber Nutzung von Time Tracker zur Messung der Arbeitszeit an verschiedenen Projekten, Display ist nicht viel an und meist nur für ein paar Sekunden. Nach Hause wiederum mit waze, ebenfalls 35-40 Minuten. Abends nochmal Neuigkeiten checken, ggfs. die eine oder andere Mail beantworten und etwas Websurfen, meist aber unter 10 Minuten. Gegen 23 Uhr zurück in den Flugmodus und ans Ladegerät.
Zu diesem Zeitpunkt hat das Streak komfortabel deutlich über 30% Akku übrig, meist eher Richtung 40%. Das Nexus One liegt dann bei unter 20%, häufig unter 15%.
Nutze ich waze einmal wirklich zur Navigation (meist lasse ich es nur mitlaufen, damit es die Durchschnittsgeschwindigkeiten der Straßen lernen kann), fällt das beim Streak kaum auf; ich habe es selten je geschafft, an einem Tag unter 30% zu kommen. Beim Nexus One reicht der Akku dann oft nicht bis zum Ende des Tages.
Lasse ich waze ganz weg, bleiben vor dem Anschließen ans Ladegerät über 50% Akku.
Beschränke ich mich zudem bei der Netznutzung auf GSM, bleibt der Akku meist über 60%, machmal sogar über 70%. So sind ohne Bedenken zwei Tage Nutzung drin, mit etwas Glück auch drei.
Dieser Schritt ist übrigens gar nicht so dumm, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag: All das Synchronisieren braucht nun wahrlich kein UMTS, und Surfen findet bei mir zu 99% zu Hause im WLAN statt. Nur in den eher seltenen Fällen, in denen ich unterwegs Google Maps nutzen oder im Web surfen möchte, lohnt sich der massive Akkuverbrauch der UMTS-Netze wirklich – dafür kann man auch mal die paar Sekunden warten, die nach der Aktivierung von 3G-Netzen vergehen, bis eine entsprechende Verbindung aufgebaut wurde. Andererseits: Wozu, wenn man das Gerät sowieso jeden Abend ans Netz hängt? Beim Streak muss ich ja auch mit UMTS keinerlei Bedenken haben, dass der Akku den Tag nicht überstehen könnte.
Natürlich war mein iPhone 3G in dieser Hinsicht besser; es hielt mit UMTS ca. 2-3 Tage, ohne etwa eine Woche (ohne Navigation, die hat dem iPhone damals etwa so viel Akku abgenommen wie dem Nexus One; außerdem ohne morgendliches Newslesen, so dass insgesamt auch eine deutlich kürzere tägliche Nutzungszeit zu verzeichnen war). Aber es konnte auch nicht multitasken und hatte im Vergleich einfach ein deutlich schwächeres Betriebssystem, in meinen Augen (vom Display ganz zu schweigen). Das iPhone 4 hält ja, wie man hört, auch nicht mehr so lange, aber da kann ich selbst keinen Vergleich anstellen.
Fazit: Verglichen mit dem Nexus One ist das Streak in Sachen Akkulaufzeit beinahe ein Traum. Das Nexus One geht mir immer mal wieder aus bzw. muss zwischendurch geladen werden, z.B. wenn ich waze wirklich zur Navigation nutze, wenn ich nachts länger auf bin und es erst morgens um drei oder vier frischen Strom gibt, oder wenn mal wieder aus unerklärlichen Gründen irgendwas („Android System“) den Akku tierisch leergesaugt hat.
Das ist mir mit dem Streak noch nie passiert. Es hält immer treu bis zum Abend durch, auch zwei Tage lang hat es mir schon mehrfach gute Dienste geleistet.
Es macht in Sachen Freude am Gerät einen riesigen Unterschied, ob man beim eigenen üblichen Nutzungsverhalten sicher sein kann, dass es bis zum Abend reichen wird, oder ob man da vorsichtig sein muss.
Zwar liefert auch das Streak (wie meines Wissens bislang alle Android-Smartphones) keinen Anlass zum Jubel über die Akkulaufzeiten, aber die Performance an diesem Punkt ist mehr als solide.
So macht Android Spaß!

Alle Artikel der Dell-Streak-Testreihe

Dienstag, 18. Januar 2011

Dell Streak Test: Tipps & Tricks, Sonstiges

Dieser Post soll all das aufnehmen, was an anderer Stelle keinen Platz hat; kurze Infos und Tipps zu einzelnen Themen, zu denen sich ein eigener Post nicht lohnt.
Der Artikel wird auch aktualisiert werden, wenn mir weitere interessante Kleinigkeiten zum Dell Streak über den Weg laufen.

Update des ROMs / Fix für „zu viele Server Redirects“
Immer wieder hatte ich anfangs mit dem Streak das Problem, dass ich Webseiten nicht öffnen konnte, weil sich der Browser über „zu viele Server Redirects“ beschwerte. Ein wenig Googeln führte mich zu diesem Artikel bei AndroidPIT.de. Dort findet sich ein Link zu einem Update für das Streak, das (unter anderem?) dieses Problem behebt.
Auch wenn auf Dells Seite behauptet wird, dass beim Update alle Daten gelöscht werden, war das bei mir nicht der Fall; es lief durch wie jedes Update auf dem Nexus One auch, alle Daten waren danach noch da.
Trotzdem empfiehlt es sich natürlich, vorher ein Backup anzulegen; ich weiß auch nicht, ob es da draußen evtl. noch andere Froyo-ROM-Versionen gibt als die, die auf meinem Test-Streak vorinstalliert war, bei denen möglicherweise tatsächlich beim Update ein Wipe stattfindet.
Nachdem als Neuerung unter anderem Dells Backup-Software genannt wird, die bei mir schon installiert war, dachte ich erst, ich hätte mir am Ende gar die gleiche Version noch einmal draufgespielt, aber nein: Das Browserproblem war danach tatsächlich behoben.
Ein OTA-Update, wie im AndroidPIT-Artikel angekündigt, wurde mir vorher übrigens nicht angeboten, ich hatte allerdings auch keine aktive Abfrage durchgeführt.

Taschenlampe
Die App „Nexus Torch“, eigentlich für Nexus One und Nexus S gedacht, mit der die Blitz-LEDs eingeschaltet werden können, um als Taschenlampe zu dienen, funktioniert auch auf dem Streak.
Die App behauptet zwar beim ersten Start, dass das wahrscheinlich nicht klappen werde, liegt damit aber falsch. ;-)
Ein Widget ist auch dabei.

Homescreen
Auch die Icons werden auf dem Streak in der gleichen absoluten Größe dargestellt wie auf dem Nexus One. Mit dem ADW.Launcher kann die Anzahl der dargestellten Icons beliebig verändert werden.
Ohne Verzerrungen und Überlappungen passen problemlos 8x5 Icons auf den Homescreen. Allerdings sollte man sich für eine Orientierung entscheiden und die fest einstellen, denn rotiert sieht das Ganze dann gar nicht mehr so gut aus.

Es fehlen: Suchtaste und Benachrichtungs-LED
Dass die Benachrichtungs-LED fehlt, fand ich zunächst gar schröcklich. Eigentlich ist sie ja ein recht praktisches Instrument, um mit einem schnellen Blick aufs Handy feststellen zu können, ob Neuigkeiten warten. Und noch besser ist es, wenn man wie beim Nexus One mit Custom-ROM auch verschiedene Farben für verschiedene Benachrichtigungen konfigurieren kann.
Inzwischen habe ich zu meinem eigenen Erstaunen festgestellt, dass sie mir nicht wirklich fehlt. Wäre schon noch ein nettes Add-On, aber sie ist bei weitem nicht so wichtig, wie ich dachte.
Anders sieht das bei der Suchtaste aus: Ihr Fehlen wird mir immer wieder schmerzlich bewusst, vor allem, wenn ich jemanden anrufen will. Denn: Bei über 400 Kontakten im Adressbuch ist Durchscrollen einfach keine Option.
Beim Nexus One war das: Kontakte aufrufen, Suchtaste drücken, ein paar Buchstaben eingeben, los gehts. Beim Streak muss ich den Umweg übers Menü gehen, wo dann der Suchbutton auch noch unpraktisch links platziert und nur mit der anderen Hand erreichbar ist (im Querformat). Zudem geht die Tastatur im Gegensatz zum Nexus One dann nicht automatisch auf, ich muss zusätzlich erst in das Suchfeld klicken, bevor ich lostippen kann.
Ähnliches gilt bei der Suche nach E-Mails in GMail.
Das ist wirklich sehr unpraktisch. Warum hat man diese wichtige Taste weggelassen?

180°-Rotation
Anders als beim Nexus One ist der Bildschirm auch ohne Custom ROM immer zur Lage passend ausgerichtet, selbst wenn man das Gerät auf den Kopf dreht. Das gilt sogar für den Launcher.
Update: Mit der Hörmuschel nach unten geht es nicht – mehr? Ich bilde mir ein, dass das mit dem ursprünglich installierten ROM noch möglich war, mag mich aber täuschen.

UMTS ist WCDMA
Bei den Einstellungen für die mobilen Netzwerke sollte man wissen: WCDMA war der ursprüngliche Name für UMTS. Vielleicht wird das im englischsprachigen Raum immer noch so bezeichnet?
Ich weiß es nicht; jedenfalls heißt UMTS in den Einstellungen des Streak WCDMA.

NTP wird unterstützt
Im Gegensatz zum Nexus One bietet das Streak automatische Zeitsynchronisierung via NTP und nicht nur über das Zeitsignal des Netzbetreibers, das viele (alle?) deutsche(n) Netzbetreiber nicht ausstrahlen.
Auf dem Nexus One braucht man dafür Root und Drittanbietersoftware.

Sprachqualität: Normal
Ich kann keine merklichen Unterschiede zum Nexus One feststellen.

Alarm Klock funktioniert nicht korrekt, dafür AlarmDroid
Das einzige, was ich mir bei einer Alarm-Anwendung über die Fähigkeiten des mitgelieferten Standards hinaus wünsche, ist die Möglichkeit, die Lautstärke langsam ansteigen zu lassen. Alarm Klock kann das, ist einfach und schnörkellos und hat mir auf dem Nexus One immer gute Dienste geleistet.
Auf dem Streak funktioniert Alarm Klock aber nur korrekt, wenn der Bildschirm bereits an und entsperrt ist, wenn der Alarm losgeht. Wenn nicht schafft die App es immerhin noch, das Abspielen des Wecktones zu starten, man wacht also auf. Dann aber erleidet sie einen ForceClose, weil igrendeine Datenbank nicht offen ist, auf die sie zugreifen will.
Die eierlegende Wollmilchsau unter den Wecker-Apps, AlarmDroid, funktioniert dagegen wie sie soll. Neben gefühlt tausenden Funktionen, die ich eigentlich nicht benötige, bietet sie auch die praktische Möglichkeit, mit einem einzelnen Tipp auf den Bildschirm den Alarm auszuschalten, was bei Alarm Klock nur via Schiebegeste wie beim Entsperren funktioniert.
Verschlafeneren Zeitgenossen bietet AlarmDroid auf Wunsch aber auch unzählige Funktionen, die das Abschalten des Alarms erschweren.

Anzeige des Netzwerktyps
In der Statuszeile wird zwischen normalem GPRS-Empfang (Anzeige: G), EDGE (E), Standard-UMTS (3G) und HSDPA (H) unterschieden. Das H für HSDPA gibt es beim Nexus One nur mit Custom ROM.

Hakeliger PDMI-Stecker
Neben der Tatsache, dass man (noch) nirgendwo außer bei Dell Kabel für das Streak kaufen kann, überzeugt der PDMI-Stecker auch sonst nicht so ganz:
Das Einstecken ist oft eine recht hakelige Angelegenheit. Das geht sogar so weit, dass ich nach mehreren Bieren auch schon darauf verzichtet habe, das Streak an diesem Abend ans Ladegerät anzuschließen, weil ich es nach mehr als einer Minute immer noch nicht geschafft hatte, den Stecker ans Gerät zu bekommen.
Bei Dunkelheit und alkoholisiert, ja – trotzdem hatte ich solche Probleme noch mit keinem Smartphone vorher.

Rücksetzen des Telefons funktioniert nicht
Bei der Vorbereitung der Rücksendung wollte ich natürlich alle Daten auf dem Streak löschen. Dazu wählte ich den entsprechenden Menüpunkt in den Android-Einstellungen unter „Datenschutz“.
Das Gerät startete neu. Danach war zwar die Uhrzeit falsch, sämtliche Daten und Programme waren aber noch vorhanden. Toll.
Über das Fastboot-Menü habe ich es dann letztlich doch geschafft, alle Daten zu löschen. (Das betrifft nur den internen Speicher, die SD-Karte muss so oder so separat gelöscht bzw. formatiert werden!)
Dazu muss man das Streak ausschalten (herunterfahren). Beim Einschalten dann beide Lautstärketasten gleichzeitig gedrückt halten.
Im erscheinenden Menü wählt man mit den Lautstärketasten „Factory Reset“ aus und bestätigt mit dem Kameraauslöser. Schon sind alle Daten weg.
In diesem Menü kann man übrigens auch den Touchscreen rekalibrieren – vielen Usern, die Probleme damit hatten, hat das offenbar geholfen.


Alle Artikel der Dell-Streak-Testreihe

Dell Streak Test: Display und Touchscreen

Heute möchte ich den eigentlich wichtigsten Punkt behandeln, der für ein Dell Streak spricht: Das Display.
Die Größe ist bei 5" Bildschirmdiagonale einfach umwerfend. Es passt wirklich sehr viel mehr Inhalt auf den Schirm als bei meinem Nexus One, das nur 3,7" Diagonale bietet.
Die Folge ist, dass so gut wie jede Anwendung, die längere Texte oder Dokumente darstellen möchte, um ein Vielfaches besser benutzbar ist. Die ständige Scrollerei fällt weg, man hat sehr viel mehr Informationen auf einmal auf dem Schirm, das Erlebnis kommt einem Desktop-Rechner (oder zumindest einem Netbook) recht nahe. In den meisten Fällen kann man im Querformat auf Zoom verzichten, weil die Webseite auch bei Volldarstellung groß genug ist, um sie lesen zu können.
Tatsächlich ist etwa das Websurfen auf dem Streak sogar angenehmer als auf unserem Netbook: Das Seitenverhältnis des Streak-Displays liegt bei 3:2, während das Netbook 16:9 anbietet. Auf großen Schirmen ist 16:9 eine nette Sache, auf kleinen wie dem des Netbooks ist das Bild zwar schön breit, aber nicht hoch genug.
Das Ergebnis ist, dass man auf dem Netbook quasi nur den Kopf einer Webseite zu sehen bekommt und nach unten ungeheuer viel Scrollen muss, was sich auf dem Sofa ohne Maus zudem sehr umständlich gestaltet.
Das Streak mit seinem 3:2-Verhältnis bietet dagegen auch im Querformat relativ viel Platz nach unten. Somit ist weniger Scrollen nötig als auf dem Netbook. Und erst durch dieses Seitenverhältnis macht auch die Tastaturbedienung im Querformat Spaß, weil die Tastatur auf dem Schirm relativ gesehen weniger Platz einnimmt.
Das hat Dell goldrichtig gemacht.
Dass das Scrollen auf einem Touchscreen-Gerät angenehmer ist als mit dem Touchpad eines Netbooks versteht sich natürlich von selbst.
Im Vergleich zum Nexus One fragt sich vielleicht mancher Leser, wie auf das Display des Streak mehr draufpassen soll als auf das des Nexus One, wenn doch beide über 800x480 Pixel verfügen?
Die Antwort ist einfach: Auf beiden Geräten werden zum Beispiel Schriften meist in etwa gleich groß dargestellt, also nicht gleich groß in Pixeln gemessen, sondern gleich groß in Millimetern. Somit lässt sich natürlich sehr viel mehr Text auf dem großen Display unterbringen.
Umgekehrt heißt das aber natürlich auch, dass die tatsächliche Auflösung in PPI beim Nexus One deutlich höher liegt. Trotz PenTile-Display wirkt die Schrift daher schärfer, man kann einzelne Pixel nur ausmachen, wenn man sich das Gerät direkt vors Gesicht hält. Beim Dell Streak sind die Pixel vor allem im Falle von Schrift durchaus sichtbar.
Das ist aber wenig störend, die Lesbarkeit leidet in den gewählten Schriftgrößen kaum. Wer vom iPhone 4 und seinem Retina-Display kommt, empfindet es vielleicht als recht pixelig; mir ist es erst aufgefallen, als ich absichtlich danach suchte.
Beim angekündigten Dell Streak 7 mit seinem 7"-Display, das ebenfalls nur über 800x480 Pixel verfügt, wird das jedoch wahrscheinlich viel deutlicher auffallen. Da fällt die Auflösung dann schon sehr ab.
Was die Farbdarstellung betrifft, kann ich mich nicht beklagen. Sie fällt natürlich aus, nicht ganz so gesättigt wie auf dem AMOLED-Display des Nexus One, aber das halte ich eher für einen Vorteil. Im täglichen Gebrauch fällt der Unterschied aber ohnehin kaum auf.
Update: Hier noch ein paar Bilder. Ich entschuldige mich für die miserable Qualität (vor allem zu den Rändern hin fällt die Schärfe massiv ab) – ich hatte nicht die Zeit, die ich für bessere Fotos hätte investieren müssen. Ein Klick aufs Bild liefert jeweils eine vergrößerte Version.
Ohne Zoom nutzen beide Geräte im Browser die gleiche Schriftgröße in Pixeln, d.h.  die Schrift ist auf dem Streak größer. Auf dem Nexus One ist der Text nur lesbar, wenn man das Gerät recht nah an die Augen hält.

Artikelübersicht in Newsrob. Auf dem Streak wird etwa die gleiche absolute Schriftgröße genutzt, viel mehr Text passt auf das Display.

Ein Artikel in Newsrob. Hier sieht man vielleicht am besten, welche Vorteile das große Display bringt. (Gezeigter Artikel © mspro.)

Zum Touchscreen:
Wie beim Nexus One handelt es sich offenbar um einen sogenannten „DualTouch“-Touchscreen. Das bedeutet, dass nicht wirklich „echtes“ Multitouch implementiert ist: Zwei gleichzeitige Berührungen der Oberfläche können nur dann registriert werden, wenn sie nicht auf der X- oder Y-Achse in einer Linie liegen.
Gelesen habe ich darüber bisher nichts, aber meine (entsprechend fehlgeschlagenen) Versuche, die Multitouch-Eigenschaften von Smart Keyboard zu testen, deuten auf einen DualTouch-Sensor hin: Es ist nicht möglich, gleichzeitig die Shift-Taste und einen Buchstaben in den unteren Reihen zu drücken, etwa das X oder das M.
Mich persönlich stört das wenig. Zoom-Gesten funktionieren so oder so, und das ist auch das einzige Multitouch-Feature, das ich gelegentlich benutze. Selbst da finde ich es aber eigentlich praktischer und vor allem schneller, einen Zoom-Button zu benutzen – meiner Meinung nach ist Multitouch stark überbewertet. Intuitiv, ja, aber wenig effizient.
Ärgern könnte sich über das fehlende „echte“ Multitouch, wer eine der folgenden Funktionen benutzen will: Drehgesten mit zwei Fingern (scheitern, wenn sie über die Horizontale oder die Vertikale hinweggehen), Tastatur per Multitouch (wie bei einer echten Tastatur gleichzeitig Shift und eine andere Taste drücken) und Spiele, bei denen wie bei einem Videospiel-Controller mehrere Buttons rechts und links auf der gleichen Ebene angeordnet sind, die auch gleichzeitig gedrückt werden müssen.
Mir selbst fehlt es überhaupt nicht.
Der Touchscreen reagiert wesentlich exakter und verlässlicher als beim Nexus One. Während es mir beim Nexus One recht häufig passiert, dass ich während des Tippens das Telefon kurz aus- und wieder einschalten muss, weil meine Berührungen weit daneben registriert werden (beim Einschalten wird der Touchscreen offenbar kalibriert, deshalb geht es danach wieder), kam das beim Streak bisher nur ein einziges Mal vor.
Ich habe anscheinend recht fettige Finger, recht schnell bildet sich eine deutlich sichtbare Schicht von Fettschmierern auf dem Display – besonders deutlich beim Nexus One, dessen Display-Oberfläche scheinbar nicht oder wenig effektiv fettabweisend beschichtet ist.
Vermutlich ergeben sich durch die Fettschmierer leitende Bereiche auf dem Touchscreen, die die Genauigkeit der Berührungsregistrierung verschlechtern.
Am iPhone 3G hatte ich damit kaum Probleme. Beim Nexus One ziemlich massiv. Wenn auch der Touchscreen nicht ganz so exakt reagiert wie beim iPhone, das Streak kommt doch fast ran. Ein himmelweiter Unterschied zum Nexus One.
Es wirkt auch als verfüge das Streak ähnlich dem iPhone über eine fettabweisende Deckschicht. Jedenfalls verschmutzt es wesentlich weniger schnell als das Nexus One. (Vielleicht liegt das aber auch einfach an der Größe, durch die sich die Verschmutzung natürlich weiter verteilt.)
Lediglich eine Problemstelle weist mein Test-Streak auf: Im Querformat rechts oben, dort, wo der „Löschen“-Button erscheint, wenn man die Benachrichtigungen aufgezogen hat. Dieser Button reagiert fast nie beim ersten Versuch.
Alles andere klappt nahezu perfekt.

Fazit:
Das Display ist eine Wucht, vor allem wegen seiner Größe. Jegliche Dokumentendarstellung gewinnt massiv, alles wirkt viel benutzbarer und Desktop-ähnlicher. Wer sein Smartphone mehr fürs Internet als fürs Telefonieren benutzt, ist damit einfach nur perfekt ausgestattet.
Natürlich birgt die Größe auch ein Transportproblem; für die Hosentasche ist das Streak kaum geeignet. Wer aber ohnehin immer eine Tasche oder einen Rucksack dabeihat, sollte sich das Gerät unbedingt ansehen: Die Größe macht das Netz-Erlebnis so viel besser, dass Gewicht und Format absolut keine Rolle mehr spielen.
Der Touchscreen ist zwar „nur“ mit DualTouch ausgestattet, überzeugt aber ansonsten und übertrumpft den des Nexus One bei weitem.

Alle Artikel der Dell-Streak-Testreihe

Montag, 17. Januar 2011

Verkümmertes Vorbild wegen Internet

Hier der für mich aufrüttelndste Artikel seit Jahren:
Johnny Haeusler überlegt bei Spreeblick, woher Kinder ein kulturelles Vorbild nehmen sollen, wenn die Eltern quasi unsichtbar sämtliche Kultur aus dem Internet beziehen.
Denn: Statt der Zeitung auf dem Tisch, die interessiert durchgeblättert werden kann, schaut Papa ins Laptop.
Statt der CD- oder Plattensammlung, die der Nachwuchs sich mehr oder weniger heimlich zu Gemüte führen könnte, gibt es MP3-Bibliotheken, die letztlich zu umfangreich und vor allem für die Zöglinge meist nicht zugreifbar sind. Die außerdem nicht die Möglichkeit bieten, Interessantes nach Cover auszusuchen (oder zumindest normalerweise so nicht genutzt werden).
Statt Büchern gibt es eBook-Reader, deren Inhalt für die Kinder ebenfalls nicht einfach so bei der Hand ist, wie das bei einem Buch der Fall wäre.
Fernsehnachrichten? Wer schaut die schon noch an?
Dazu kommt noch, dass all das grundsätzlich über die gleichen Geräte passieren kann. Für die Sprösslinge ist nicht unbedingt ersichtlich, ob Mama gerade ein Buch liest, sich über Neuigkeiten aus Politik und Wirtschaft informiert, Facebook aktualisiert, lustige Youtube-Videos konsumiert oder auf der Suche nach neuen Pornos ist.
Damit geht die Vorbildfunktion zumindest teilweise verloren: Lesen Mama und Papa viele Bücher, tun das meist auch ihre Kinder mit großem Vergnügen. Wenn mein Kind aber gar nicht mehr weiß, dass ich gerade ein Buch lese, wie sollte diese Verhaltensweise auf es überspringen?
Es ist eine Binsenweisheit, dass alle Erziehung vergebens ist, wenn das eigene Vorbild eine andere Sprache spricht – das alltägliche Verhalten der Eltern trägt viel mehr zur Formung der Kinder bei als jeder absichtliche Versuch in dieser Richtung.
Was aber, wenn wichtige Teile dieses Verhaltens von den Kindern gar nicht mehr wahrgenommen werden können, weil sie sich für sie quasi unsichtbar im Internet vollziehen?
Das ist ein extrem wichtiger Punkt, über den ich bisher noch überhaupt nicht nachgedacht hatte.
In unserem Haushalt ist das glücklicherweise noch nicht so fortgeschritten. Die Zeitung kommt zwar aus dem Netz, wird aber ausgedruckt. Ein eBook-Reader ist zwar vorhanden, 90% der Bücher sind aber immer noch „echt“, und andere Geräte werden gar nicht zum Bücherkonsum genutzt. Und Musikkonsum spielt im Vergleich zum Selber-Musizieren ohnehin eine deutlich untergeordnete Rolle.
Trotzdem ist die Tendenz erkennbar. Eine Tendenz, über die sich meiner Meinung nach alle Eltern zumindest Gedanken machen sollten.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Dell Streak Test: Alle Artikel

Dieser Artikel dient der Übersicht und versammelt die Links zu allen Artikeln, die ich im Rahmen meines großen Tests des Dell Streak verfasse. Er wird mit jedem neuen Artikel aktualisiert.
Hier alle Posts der Testreihe:

Demnächst hier: Ausführliche Testreihe zum Dell Streak
Erster Eindruck
Tastaturen auf dem Streak im Vergleich
Display und Touchscreen
Tipps & Tricks, Sonstiges
Akkulaufzeit
Kamera
Abschließendes Fazit

Dell Streak Test: Tastaturen auf dem Streak im Vergleich

Mein anfangs größtes Problem war, eine gute Lösung für die Tipperei auf dem Streak zu finden. Die mitgelieferten Tastaturen sind nämlich leider nicht so ganz das Wahre.
Als Default-Tastatur ist auf dem Streak Swype installiert. Ich fand das Konzept von Swype noch nie sonderlich bestechend, und der Test hat es mir bestätigt: Zwar funktioniert die Worterkennung weit besser als ich befürchtet hatte, aber ich bin einfach wesentlich schneller, wenn ich schlicht ganz normal tippe.
Das hat verschiedene Gründe.
Der wichtigste ist sicherlich, dass ich einen Daumen schneller von einer Taste zur nächsten bewegen kann, wenn ich ihn dabei nicht auf dem Display halten muss.
Dazu kommt, dass ich durch die Wortverhersage der verschiedenen Android-Tastaturen bei einer normalen Tastatur fast nie ein Wort komplett bis zum Ende tippe, weil es vorher längst in den Vorschlägen aufgetaucht ist. Bei Swype existiert diese Möglichkeit nicht, es müssen immer alle Buchstaben überstrichen werden.
Noch unpraktischer wird das ganze natürlich im Landscape-Modus, wo die Tastatur gerade auf dem Dell Streak besonders riesig ist. Da mit einem Finger kreuz und quer herumzufahren ist dermaßen viel langsamer als das Gerät in beiden Händen zu halten und beide Daumen zu benutzen, dass mir schleierhaft ist, wer auf die Idee gekommen sein mag, Swype auf so großen Geräten vorzuinstalllieren. Es ist ja sogar auf dem Samsung Galaxy Tab dabei, das mit 7" noch ein gutes Stück größer ist!
Auf kleinen Geräten ist Swype schlicht Geschmackssache, da kann ich mir schon vorstellen, warum das viele Leute toll finden, auch wenn es mir nicht gefällt. Auf großen Handys und Tablets halte ich Swype für schlicht ungeeignet.
Zunächst habe ich es dann mit SwiftKey probiert. Das ist meine Lieblingstastatur auf dem Nexus One, weil sie sehr häufig korrekt das nächste Wort prognostiziert und damit die notwendigen Tasten-Anschläge noch weiter reduziert.
Fürs Querformat auf einem Tablet ist SwiftKey aber leider nicht gut geeignet. Zum einen ist es nicht möglich, den „Fullscreen“-Modus zu deaktivieren, der im Querformat bei manchen Eingaben dazu führt, dass nur noch das aktuelle Textfeld sichtbar ist – auf einem Tablet-großen Gerät eine ungeheure Platzverschwendung und zudem sehr unübersichtlich.
Zum anderen verteilen sich die drei Wortvorschläge, die SwiftKey immer bringt, auf die komplette Bildchirmbreite. Bei einem 5"-Gerät im Querformat ist das zu breit, als dass man alle drei Vorschläge auf einmal im Auge behalten könnte. Man muss dauernd hin- und herschauen, wodurch das Tippen stark verlangsamt wird. Unbrauchbar.
Von SwiftKey selbst wurde mir bestätigt, dass die Tastatur derzeit noch nicht für Tablets gedacht ist, weil sie daraufhin nicht optimiert wurde.
Also habe ich eine Weile die ebenfalls mitgelieferte Android-Tastatur benutzt. Das funktioniert grundsätzlich auch sehr gut. Ich habe mir angewöhnt, das Streak im Querformat zu nutzen, und dadurch, dass die Tasten recht groß sind und man zwei Daumen benutzen kann, wird das Tipeen vergleichsweise sehr schnell. Sehr viel schneller als auf dem Nexus One, zum Beispiel. Da spielt das große Display wieder einmal seine Stärken aus.
Was dem Streak aber fehlt, ist ein Trackball oder andere Möglichkeiten, um den Cursor auf dem Bildschirm zu bewegen. Dummerweise bietet die mitgelieferte Version der Android-Tastatur ebenfalls keine Cursor-Tasten – jedenfalls habe ich keine gefunden (das lange Drücken der „?123“-Taste, das bei anderen Geräten offenbar unter anderem Cursortasten bereithält, führt beim Streak nur zu den Tastatur-Einstellungen).
Ohne geeignete Eingabehilfe ist das genaue Positionieren des Cursors beim Streak ebenso eine Qual wie bei kleineren Geräten auch, die Schrift wird ja schließlich nicht größer dargestellt. Somit scheidet auch die Android-Tastatur aus.
Auch AnySoftKeyboard habe ich getestet, eine kostenlose Tastatur, die viele Layouts und Konfigurationsmöglichkeiten bietet. Theoretisch könnte man hier den Fullscreen-Modus abschalten, aber das funktioniert auf dem Streak leider nicht. Außerdem fehlen auch hier die Cursortasten.
Gelandet bin ich dann letztlich bei Smart Keyboard. Die Tastatur ist umfangreich konfigurierbar, bietet verschiedene Skins, ein „intelligentes Wörterbuch“ (besonders häufig genutzte Wörter werden bevorzugt vorgeschlagen) und sogar eigene Kürzel: Bei mir wird etwa „vg“ zu „Viele Grüße, Christian“ – ein sehr angenehmes Feature, das ich ähnlich auch am Mac und (mit Zusatzsoftware) unter Windows nutze.
Alle Konfigurationsmöglichkeiten zu beschreiben würde hier wesentlich zu weit führen; die Tastatur ist an dieser Stelle mehr als nur umfangreich. So gut wie alles ist irgendwie einstellbar, von der Größe der Tastatur über Layouts bis hin zu den hier wichtigen Features, den Fullscreen-Modus im Querformat deaktivieren zu können und eine Pfeiltasten-Tatstatur einblenden zu können (muss erst aktiviert werden!).
Schön ist auch, dass eines der Layouts Umlaute direkt auf der normalen Buchstabentastatur bietet. Das scharfe S (ß) fehlt zwar leider, aber immerhin sind ä, ö und ü vorhanden.
Etwas unpraktisch ist lediglich, dass im Gegensatz zu allen anderen getesteten Tastaturen im GMail-Programm die Buttons für „Senden“, „Verwerfen“ etc. während das Verfassens einer E-Mail nicht eingeblendet bleiben, so dass man die Tastatur erst schließen muss, bevor man die Mail abschicken kann (nur im Querformat, im Hochformat funktioniert das auch mit Smart Keyboard). Aber das ist verschmerzbar.
Ich nutze die Trial-Version, weil sich für die paar Wochen Test natürlich der Kauf nicht lohnt. Sollte ich mir aber selbst ein Streak zulegen (was immer wahrscheinlicher wird), werde ich mir Smart Keyboard PRO auf jeden Fall kaufen.
Update: Thumbs Keyboard sieht ebenfalls interessant aus. Leider gibt es keine Trial-Version, und ich habe keine Lust, etwas speziell für ein Gerät zu kaufen, das ich bald wieder zurückgeben muss. Ein paar Infos dazu gibt es in diesem Thread auf android-hilfe.de.

Fazit: Die mitgelieferten Tastaturen sind meiner Ansicht nach wenig für das Streak geeignet, konzeptbedingt (Swype) oder weil der fehlende Trackball nicht durch Cursortasten kompensiert wird (Android-Tastatur). Mit entsprechender Drittsoftware erlaubt das Streak allein aufgrund seiner Größe aber wesentlich schnelleres Tippen als kleinere Telefone:
Der „Zwei-Daumen-Modus“ ermöglicht eine nicht ganz doppelt so schnelle Tippfolge, und die größeren Tasten sorgen für eine verbesserte Treffgenauigkeit.

Alle Artikel der Dell-Streak-Testreihe

Dienstag, 11. Januar 2011

Sony: Jetzt doch noch ein Update fürs X10

Jetzt ist es „amtlich“: Für die Xperia-X10-Reihe wird es keine Updates auf neuere Android-Versionen geben. (Siehe Update unten!)
Das Xperia X10 ist vor nicht einmal einem Jahr erschienen. Mit der damals schon veralteten Android-Version 1.6.
Dann mussten die User eine halbe Ewigkeit auf ein aktuelles Android warten. Aktuell? Nein, Version 2.1 wurde geliefert, als 2.2 längst erhältlich war. Und dabei soll es jetzt bleiben.

Vor ein paar Monaten habe ich irgendwo gelesen, Sony plane, Marktführer für Android-Handys zu werden.
Ich behaupte: Um das zu schaffen müssten sie sich besser um ihre Kunden kümmern. Ihre Modelle pflegen, mindestens zwei Jahre lang auf aktuellem Android-Stand halten (sofern die Hardware das hergibt), Updates viel schneller und zu einem Zeitpunkt bringen, zu dem sie auch noch aktuell sind.
Ich für meinen Teil bin jedenfalls sehr froh, dass ich mich damals gegen das Xperia X10 entschieden habe. Oder, was heißt schon damals – ist ja erst ein Dreivierteljahr her.
Und auch in Zukunft werde ich einen Bogen um Geräte von Sony machen. Wer nach noch nicht einmal einem Jahr ein Flaggschiff zum alten Eisen macht, wird mein Geld auch in Zukunft nicht erhalten.
Wie, Sony, willst Du auf diese Weise Marktführer werden?

Update: Offenbar hatte Sony ein Einsehen, oder es war einfacher als gedacht, die für neuere Geräte erfolgte Portierung von Android 2.3 Gingerbread auch aufs X10 zu übertragen. Jedenfalls wurde fürs 2. oder 3. Quartal jetzt doch ein Update auf Gingerbread für das X10 angekündigt. Wer hätte das gedacht! (Quelle)

Samstag, 8. Januar 2011

Dell Streak Test: Erster Eindruck

Gestern ist „mein“ Streak jetzt also angekommen. Natürlich habe ich gleich ganz viel herumprobiert und erste Eindrücke gesammelt.
Der Gesamteindruck ist sehr hochwertig. Die Rückseite ist zwar aus Plastik, aber zumindest in der roten Version, die mir von Dell geschickt wurde, merkt man das erst, wenn man mit dem Fingernagel draufklopft. Bis gerade eben war ich davon ausgegangen, dass das Metall ist. :-)
Das Gerät wirkt sehr stabil, man hat nicht den Eindruck, man müsste es mit Samthandschuhen anfassen. Dazu trägt auch das Gewicht bei: 220g sind eben doch eine ganze Menge; mehr, als man von einem Handy gewohnt ist.
Unpraktisch ist natürlich der zwar theoretisch standardisierte, durch fehlende Umsetzung bei anderen Herstellern aber eben doch quasi proprietäre Stecker, mit dem der Streak ausgerüstet ist.
Und damit zum großen Highlight:
Das Display ist natürlich schlicht der Wahnsinn, wie erwartet. Es passt einfach so viel mehr auf den Schirm, es ist wirklich ein Unterschied wie Tag und Nacht zu meinem Nexus One. Gerade bei textlastigen Anwendungen wie Newsrob (RSS-Reader) und natürlich dem Browser spielt das Streak seine großen Vorteile aus.
Auch sehr breit daherkommende Websites sind im Allgemeinen direkt betrachtbar, ohne dass man hineinzoomen müsste (im Querformat natürlich).
Dabei bietet das Streak ja nicht mehr Pixel als mein Nexus One; die Auflösung ist genau die selbe. Aber es ist eben die Größe, die den Unterschied macht: Eine Schriftgröße von beispielsweise etwa 8 Pixeln ist auf dem Nexus One vollkommen unlesbar, weil die Schrift einfach zu klein ist. Auf dem Streak dagegen geht das noch.
Da die Anwendungen meist mit Punkt-, nicht mit Pixelgrößen rechnen (ein Postscript-Punkt ist eine Größenangabe und bezeichnet nicht ein Pixel oder einen tatsächlich gedruckten Punkt eines Druckers), sehe ich im Vergleich auf dem Streak Schriftgrößen, die genauso groß sind wie auf dem Nexus One. Davon geht dann aber viel, viel mehr auf den Schirm.
Besonders frappierend ist das in der Wochenansicht von Pimlical. Obwohl ich durchaus einiges im Kalender stehen habe, besteht sie bei heruntergeregelter Schriftgröße praktisch nur noch aus weißen Flächen. Das sieht beinahe grotesk aus.
Trotzdem ist das riesige Display auch nicht nur positiv. Das Gerät wird dadurch einfach insgesamt zu einem ungeheuren Brocken. Speziell habe ich mich bislang noch nicht recht entscheiden können, ob ich es lieber im Querformat oder im Hochformat halten soll.
Das Querformat macht bei dieser Displaygröße überhaupt erst richtig Spaß, am Nexus One nutze ich es ausschließlich beim Betrachten von Webseiten. Jetzt bin ich bei allen anderen Anwendungen noch am Testen, was mir lieber ist.
Das hängt vor allem mit dem Tippen zusammen. Durch das große Display haue ich zwar einerseits viel seltener daneben, andererseits sind die Abstände zwischen den Tasten aber auch größer und somit die Einhand-Bedienung weniger einfach als beim Nexus One. Ich bin noch nicht schlüssig, ob das quer mit zwei Daumen oder im Hochformat mit einem Daumen besser geht.
Insgesamt ist das Tippen eher mühsamer als auf dem Nexus One, erstaunlicherweise; das mag aber auch Gewöhnung sein. Dazu werde ich in den nächsten Tagen auch einen eigenen Artikel schreiben, inkl. einer kurzen Betrachtung der mitgelieferten Tasturen (Swype und Android-Standard-Tastatur) plus SwiftKey.
Der Akku dagegen wirkt verglechsweise begeisternd: Obwohl das Display gestern wirklich sehr viel an war, hatte ich abends noch 50% Akku übrig. So soll es sein. Ich bin gespannt, wie das dann im Alltag mit waze auf Hin- und Rückweg zur Arbeit aussieht.
Insgesamt bin ich begeistert, allerdings durch meine Schwierigkeiten beim Tippen auch gleichzeitig ein wenig ernüchtert. Mal sehen, wie sich das in den nächsten Wochen entwickelt.

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Dienstag, 4. Januar 2011

Demnächst hier: Ausführliche Testreihe zum Dell Streak

Im September hatte ich mir schon einige Gedanken zum Dell Streak gemacht – zumindest von den Spezifikationen her erscheint mir das Gerät als ein ziemlich ideales Smartphone, zumal ich mein Nexus One eher selten, aber eben doch dann und wann zum Telefonieren benutze (und außerdem immer eine große Tasche dabeihabe).
Im Oktober habe ich dann bei Dell angefragt, ob ich ein Testgerät haben könnte. Ich wollte mich selbst davon überzeugen, ob das Streak so gut ist, wie ich es mir vorstelle. Für mich übrigens etwas Neues; ich habe die Anfrage auch nur deshalb gestellt, weil das Streak meinen Idealvorstellungen vom Smartphone derzeit so nahe kommt wie kein anderes Modell. Ich hätte weder Zeit noch Nerv, jedes dahergelaufene Android-Handy einem Test zu unterziehen.
Nach einigen Verzögerungen (unter anderem durch das Warten auf Android 2.2 Froyo, ohne das das Streak bei mir sicher nicht gut abgeschnitten hätte) ist es jetzt soweit: In den nächsten Tagen werde ich mein Streak erhalten, das ich dann für einige Wochen behalten darf.
Ich bin schon sehr gespannt!
In loser Folge wird es in diesem Blog dann einige sehr ausführliche Berichte zu verschiedenen Aspekten des Streak geben – Berichte, wie ich sie mir selbst als Power-User immer wünsche, bevor ich ein neues Gerät kaufe, aber selten finde.
Wenn auch sicher keine Fotos von einer Auspackzeremonie. Das wiederum überlasse ich lieber Anderen. ;-)

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Dienstag, 16. November 2010

PerfectLight MEMS Displays: Das wär was

Das Displayblog berichtet über eine neue Art von Displays, die die Firma Pixtronix auf der FPD vorgestellt hat:
PerfectLight MEMS Displays sollen 75% (!) weniger Strom brauchen, einen großen Farbgamut bieten, extrem schnelle Reaktionszeiten aufweisen (10x schneller als die schnellsten LCDs) und mit 170° einen guten Betrachtungswinkel mitbringen.
Wow. Das wäre die Lösung der allgegenwärtigen Akkuprobleme.
Bin gespannt, wann es die ersten Android-Geräte mit diesen Displays gibt.

Montag, 25. Oktober 2010

Handy-Kameras: Nokia zeigt, was möglich ist

Ich lese eben Mikes Testbericht über das Nokia N8 auf Smartphonearea.de. Wie immer warf ich einen genaueren Blick auf die Fotos in Originalgröße, und ich muss sagen, da blieb mir wirklich der Mund offen stehen.
Sowas will ich in meinem Handy haben! Nicht den unsäglichen Schrott, den HTC, Apple, Samsung und, ja, auch Sony Ericsson in ihren Android-Handys verbauen!
Wenn man sich die Bilder genau ansieht, fällt natürlich, wie üblich, auf, dass auch diese Optik die 12 Megapixel nicht schafft. Auch bei Nokia also unnötige Übertreibung der Megapixel-Zahlen (siehe dazu auch meinen Artikel zum Megapixel-Wahn).
Trotzdem: Der Rest ist für eine Handy-Kamera wirklich eine Wucht. Was besonders positiv auffällt, ist das Rauschen. Ja, richtig gelesen: Ein wenig Rauschen ist deutlich erkennbar, und das ist gut so. Denn das ist (neben der weit besseren Bildqualität) ein untrügliches Zeichen dafürt, dass Nokia auf Rauschunterdrückung verzichtet oder sie zumindest sehr dosiert einsetzt.
Das in den Bildern sichtbare Rauschen bleibt zudem in erträglichen Grenzen – eine ältere Spiegelreflex macht das bei einer Empfindlichkeit von 800 ISO und mehr auch nicht besser. Lediglich die Artefakte in stark überbelichteten Gebieten (siehe die Gegend um die Lampen auf dem ersten Testbild des Artikels) fallen recht deutlich aus (abrupte Farbsprünge, wo eigentlich weiche Übergänge sein müssten), aber schließlich sprechen wir hier über eine Handy-Kamera. Dafür sind die Ergebnisse tatsächlich begeisternd.
Da sehen wir einmal die Qualität, die für den gelegentlichen Schnappschuss, für lustige Partyfotos und alle anderen Gelegenheiten, bei denen die Spiegelreflex lieber zu Hause bleibt, völlig ausreichend ist.
Die besten Bilder eines Android-Handys, die ich bisher gesehen habe, stammen vom Xperia X10. Hier gibt es Bilder auf Sonys eigenem Blog, es ist also davon auszugehen, dass besonders gute Exemplare ausgewählt wurden. Im Gegensatz zum Nokia N8 zeigen sich hier (ähnlich wie etwa bei meinem Nexus One) sehr deutliche Spuren einer massiven Rauschunterdrückung, die überall, wo kleine Details sichtbar sein sollten (etwa in Maserungen von Hausfassaden), unschöne, flächig-verwaschene Artefakte erzeugt. (Natürlich muss man die Fotos in 100%-Zoom vergleichen, um die Unterschiede gut sehen zu können.)
Bravo, Nokia! Auch wenn das N8 wegen seines Betriebssystems für mich nicht in Frage kommt, Nokia hat doch wieder einmal bewiesen, was in Sachen Handykamera grundsätzlich möglich wäre. Dass nicht einmal Sony Ericsson, deren Kameras so oft gerühmt werden, auch nur annähernd in der gleichen Liga spielt, ist eigentlich ein Armutszeugnis.
Dazu wäre einmal interessant, wieviel Rauschen die Sensoren der Android-Handys eigentlich erzeugen: Sind sie so schlecht, dass die Bilder ohne Rauschunterdrückung unerträglich aussähen, oder sähen die Ergebnisse nur wenig schlechter aus als bei Nokia, aber der hypothetische „Kundengeschmack“ wird eher auf Seiten rauschfreier, aber optisch vermurkster Bilder vermutet?
So oder so: Warum ist Nokia der einzige Hersteller, der annehmbare Handy-Kameras zuwegebringt?

Samstag, 2. Oktober 2010

Der Megapixel-Wahn

Durch die News über das Altek Leo, ein Android-Handy mit 14-Megapixel-Kamera, bin ich in den letzten Tagen wieder auf ein Thema gestoßen, das mir immer wieder sauer aufstößt: Auf den Megapixel-Wahn.
Bei Consumer-Kameras, Handy-Kameras, sogar bei DSLRs wird die Megapixel-Grenze immer höher gepusht, denn die Werbung suggeriert: Je mehr Megapixel, desto besser.
Das Gegenteil ist der Fall, leider, und das führt dazu, dass neue Kameras absurderweise zum Teil schlechtere Bilder liefern als ihre Vorgänger.
Warum sind mehr Megapixel nicht besser? Dafür gibt es mehrere Gründe.

Die optische Auflösung
Objektive können keine beliebige optische Auflösung liefern. Die Bildschärfe der Abbildung ist begrenzt und nimmt zudem zu den Rändern hin ab.
Bei den üblichen Sensorgrößen für digitale Spiegelreflexkameras aus dem Consumer-Bereich liegt die optische Auflösung bezahlbarer Objektive meist irgendwo im Bereich zwischen 8 und 12 Megapixeln. Zoom-Objektive liegen meist unter 10 Megapixeln, Objektive mit Festbrennweite erreichen durchaus auch einmal 12 Megapixel (jeweils im bezahlbaren Bereich; Profi-Objektive erzielen teils bessere Werte, sind aber auch entsprechend teuer).
Siehe dazu beispielsweise die Objektivtests von dpreview: Wenn man sich bei so einem Test unter „Test results“ die Resultate zu einem APS-C-Sensor (übliche Größe bei Consumer-Spiegelreflexkameras) ansieht, wird in dem Flash die theoretische Auflösung des jeweiligen Sensors der Testkamera als gestrichelte Linie unter „Sharpness“ angezeigt. Nur wenige Objektive kommen in die Nähe dieses Wertes oder übertreffen ihn sogar. (Kommt natürlich auch auf die Megapixel-Anzahl der Testkamera an.)
Update: Leider wird diese Linie heutzutage nicht mehr eingeblendet, wohl auch, weil sie nicht ganz unmissverständlich war (auch für mich, als ich diesen Artikel ursprünglich verfasste). Hier ein kleiner Exkurs zu den dort dargestellten Daten:
Bei der angegeben Einheit handelt es sich um „line widths per picture height“. Eine „line width“ steht dabei etwas missverständlich für ein Paar aus einer weißen und einer schwarzen Linie, was rein theoretisch zwei Pixeln entsprechen würde.
Die theoretische Auflösung eines Sensors in LW/PH wäre also die Anzahl der Pixel in der Bildhöhe geteilt durch zwei.
Tatsächlich kann so ein Bildsensor aber nicht ganz so hoch auflösen (wegen Farbfiltern, Antialiasing und evtl. weiteren Gründen), auch wenn moderne Kameras diesem Wert recht Nahe kommen.
Als Beispiel sei hier die 16MP-Kamera Nikon D5100 genannt. Hier ist die Seite zur Auflösung dieser Kamera bei dpreview zu sehen – um die Verwirrung komplett zu machen, werden hier dann Lines Per Height angegeben; diesen Wert muss man also wieder durch zwei teilen, um ihn mit den Objektiv-Werten vergleichen zu können.
Theoretisch könnte der Sensor in der Bildhöhe 3264 LPH oder 1632 LW/PH auflösen. Tatsächlich gelingen dem Sensor im RAW-Format etwa 2800 LPH oder 1400 LW/PH.
Diesen Wert können wir jetzt also mit den Tabellen der Objektivtests vergleichen? Nicht ganz. Angegeben sind nämlich MTF50-Werte (d.h. MTF 50%). Das ist der Wert, bei der die Abbildung noch als „scharf“ empfunden wird, darunter sind die Kontrastwerte so niedrig, dass ein unscharfer Eindruck entsteht. Das heißt aber nicht, dass man die Linien dann nicht mehr unterscheiden kann. Als Beispiel kann man sich die zweite Grafik von oben auf Norman Korens MTF-Seite ansehen. Bei 10% saufen die dünnen Linien arg ins Grau ab, sind aber noch erkennbar.
Mit anderen Worten: Es kann schon als Faustregel gelten, dass eine einigermaßen scharfe Abbildung bis hinunter auf die maximale Auflösung des Sensors nur gegeben ist, wenn der MTF50-Wert des Objektivs auch an die maximale Auflösung des Sensors herankommt. Das heißt aber nicht, dass gar nichts mehr zu sehen ist (= eine einfarbige Fläche), wenn das Objektiv das nicht schafft. Die Abbildung wird „lediglich“ immer verwaschener und unschärfer.
Somit könnte man wie folgt rechnen:
Man nehme die vertikale Auflösung eines Sensors (die kleinere Zahl) und multipliziere sie mit 0,4. Das ergibt einen über den Daumen gepeilten Wert für die tatsächliche Auflösung des Sensors in LW/PH (normalerweise wird es etwas mehr sein, aber wir wollen den Objektiven etwas Vorsprung geben).
Dann muss man im Objektivtest noch die richtige Testkamera auswählen; meist gibt es eine mit APS-C und eine mit größerem Sensor (z. B. Vollformat).
Erreicht oder übertrifft ein Objektiv den Wert des Sensors, sind damit „knackscharfe“ Bilder möglich, auch wenn man weit ins Bild hineinzoomt. Wird er unterschritten, kann das Objektiv den Sensor nicht mehr ausreizen. Trotzdem können bei höherer Pixeldichte im Sensor zusätzliche Details sichtbar sein, zusätzliche Megapixel sind also nicht ganz für die Katz. Diese Details werden aber verwaschen und unscharf wirken.
Nimmt man den Wert der D5100 wird klar: Gute Zoom-Objektive geben die benötigte Auflösung für 16 Megapixel auf einem APS-C-Sensor in der Regel her, zumindest innerhalb der idealen Brennweiten und Blendenstufen. Festbrennweiten schaffen auch mehr. Durchschnittliche bis unterirdische Zooms sind dagegen schon mit 10 Megapixeln (ca. 1000 LW/PH) überfordert.
Merke: Wir sprechen hier von großen Spiegelreflex-Objektiven, und zudem von deren maximaler Auflösung, die meist im mittleren Blendenbereich liegt. Nicht umsonst sind Profi-Kameras mit größeren Bildsensoren ausgestattet: Neben den Vorteilen bei der Lichtempfindlichkeit (siehe unten) ist es nur so möglich, 18 Megapixel und mehr wirklich mit Daten zu versehen. Einen APS-C-Sensor dieser Auflösung dürfte kaum ein Zoom schaffen, und auch gute Festbrennweiten stoßen hier langsam an ihre Grenzen.
Jetzt sehen wir uns einmal Kompaktkameras und, noch schlimmer, Handy-Kameras an. Die kleine bis winzige Optik kann natürlich niemals die Auflösung eines Spiegelreflex-Objektivs bieten. Zudem sind die verbauten Sensoren meist noch kleiner als die der Consumer-DSLRs, im Falle von Handy-Kameras sogar sehr viel kleiner.
Das bedeutet, dass die Optik einer Kompaktkamera normalerweise nicht mehr als etwa 6-8 Megapixel echte Auflösung bietet, eher 6 als 8. Bei Handylinsen, die aus Kostengründen häufig aus Plastik gefertigt sind, dürften kaum mehr als als 3 oder 4 Megapixel drin sein, eher weniger – ohne Autofocus sogar viel weniger.
Die restlichen Pixel dienen nur zum Angeben. Weil das Objektiv die Schärfe nicht liefern kann, enthalten sie keine zusätzlichen Informationen. Sie müllen also nur die Speicherkarte zu. Und noch schlimmer: Sie sorgen sogar dafür, dass die Bildqualität schlechter wird:

Die Lichtempfindlichkeit
Je kleiner der einzelne Bildpunkt eines Kamerasensors ist, desto weniger Licht erreicht ihn logischerweise in der Summe.
Jeder Nutzer einer Digitalkamera weiß, dass in dunkler Umgebung die Bilder zum Rauschen tendieren: Statt sehr dunklem, einheitlichem Grau bekommt man farbige Bildpunkte, die die Bildqualität stark beeinträchtigen.
Beim Hochregeln der „Empfindlichkeit“ eines Sensors entstehen diese Artefakte; Ungenauigkeiten in der Digitalisierung des auftreffenden Lichts wirken sich sehr viel massiver aus als bei einem hellen Bild.
Das ist auch leicht nachzuvollziehen: Gehen wir von einem Sensor aus, der für den Rotanteil eines Pixels 256 Werte liefern kann (die meisten können mehr, das ist nur ein Beispiel): Maximale Helligkeit in einem sonnigen Bild wäre 256. Im einem sehr dunklen Bild kommen aber nur Werte von beispielsweise 0 bis 40 vor. Regelt man die jetzt so hoch, dass wieder Werte von 0 bis 256 herauskommen, wirken sich Abweichungen bei der Digitalisierung mehr als sechsmal so drastisch aus.
Je mehr Pixel man auf einen kleinen Sensor quetscht, desto weniger Licht erhält der einzelne Pixel.
Das bedeutet: Je mehr Megapixel bei gleicher Sensorgröße, desto schlechter das Bild, denn je weniger Licht auf den einzelnen Pixel fällt, desto höher muss man den Gain des Sensors einstellen, desto massiver muss man „verstärken“, was sich negativ auf die Bildqualität auswirkt.
Man kann das auch schön beobachten, wenn man ein stark unterbelichtetes Bild im Nachhinein mit einer Bildbearbeitungs-Software aufhellt: Starkes Rauschen tritt auf. Nichts anderes tut die Kamerasoftware bei kleinen, hochaufgelösten Sensoren, die zu wenig Licht erhalten.
Natürlich wird versucht, diesen Effekt zu vertuschen, so gut es geht. Gerade Handy-Kameras arbeiten mit massiver Rauschunterdrückung. Dadurch ist das Rauschen selbst kaum noch zu sehen, dafür erhält man flächige, verwaschene Bilder, die nur auf den ersten Blick „gar nicht so schlecht“ aussehen.
Auch diesen Effekt kann man mit einer Bildbearbeitungssoftware schön nachvollziehen: Man nehme ein deutlich verrauschtes Bild (zum Beispiel eines, das man stark aufgehellt hat) und nutze den Rauschfilter des Programms. Je nach eingestellter Intensität ist das Rauschen danach kaum noch sichtbar, dafür sind aber viele Konturen und Farbübergänge im Bild geopfert worden.

Fazit
Die immer größeren Megapixel-Zahlen sind bei Kompaktkameras und vor allem bei Handy-Kameras reiner Marketing-Humbug. Der Nutzer bezahlt dafür sogar mit schlechterer Bildqualität als der, die er bei gleicher Sensorgröße mit geringerer Megapixel-Zahl bekommen hätte. Ein paar gute Beispiele dazu gibt es unter http://6mpixel.org/.
Selbst bei Consumer-DSLRs sind inzwischen Sensoren verbreitet, die einfach keinen Sinn mehr machen. Es ist also besser, sich in der Megapixel-Zahl eher zu beschränken und lieber auf eine gute Optik zu achten.
Um noch einmal auf das Altek Leo zurückzukommen: Die Optik ist durchaus interessant. Ich hätte gern ein Handy, dessen Fotoqualität für mehr als nur gelegentliche Schnappschüsse gut ist. Die 14 Megapixel sind aber definitiv Overkill – mit 6-8 Megapixeln hätte das Gerät bei guter Optik evtl. wirklich gute Bilder liefern können. Schade.

Update: Eben lese ich, dass Sony zwei neue Kamerasensoren für Handys herausbringt, einen mit 16 Megapixeln auf 1/2,8" Sensorgröße, einen mit 8 Megapixeln auf 1/3,2". 16 Megapixel auf einem Fünfzehntel der Fläche eines APS-C-Sensors?! Was soll der Unsinn?

Mittwoch, 15. September 2010

Dell Streak – das Traum-Smartphone?

Angeregt durch den Lesertest bei Areamobile habe ich mich jetzt einmal ein wenig eingehender mit dem Dell Streak beschäftigt.
Schon als es angekündigt wurde, fiel mir vor allem ein Austattungsdetail ins Auge: Das 5"-Display. Genial.
Das ist genau die Größe, die für mich perfekt wäre. Ich trage mein Telefon praktisch nie in der Hosentasche und habe sowieso immer eine große Tasche dabei, in der so ein Telefon (oder Tablet?) problemlos unterkommen kann.
Trotzdem wäre der Formfaktor eines „richtigen“ Tablets zuviel des Guten: Das kann man dann nicht mehr sinnvoll als Telefon verwenden, außer man hat die ganze Zeit ein Headset dabei – und eigentlich auch im Ohr, denn es erst bei einem Anruf einzuschalten und ins Ohr zu stöpseln ist nicht wirklich realistisch.
Die 5" des Streak sind also das ideale Zwischending.
Die Auflösung ist nicht höher als etwa die des Nexus One: 800x480. Das ist durchaus von Vorteil, weil alle Programme problemlos damit laufen, anders als etwa beim Samsung Galaxy Tab, dessen deutlich höhere Auflösung zwar schön ist, aber zu Inkompatibilitäten mit manchen Apps führen dürfte. (Das Display des Samsung ist zudem größer – für mich persönlich in einem sehr ungünstigen Bereich; zu groß für ein Handy und zu klein für ein Tablet.)
Für die 3,7" des Nexus One ist die genannte Auflösung ohenhin fast zu hoch: Die Pixel sind so klein, dass sie zwar für eine geniale Schärfe sorgen (trotz PenTile-Display). Wenn man die Schriften aber so weit verkleinert, wie es theoretisch möglich wäre, kann man sie aufgrund der Größe nicht mehr lesen. Außer man hält sich das Handy direkt vors Gesicht, aber das ist ja auch nicht Sinn der Sache.
Umso unsinniger erscheint damit auch das Retina-Display des iPhone 4: Superscharf, natürlich, aber man sollte nicht denken, dass man damit etwa beim Websurfen mehr aufs Display bekäme: Es wird schlicht zu klein, wenn man die Möglichkeiten des Displays voll ausnutzt, also muss man die Schriftgrößen weiter hochregeln und hat letztlich nicht mehr Informationen auf dem Schirm als mit kleinerer Display-Auflösung.
Das geht nur mit einem größeren Display. Und genau das ist es, was das Streak so interessant macht.
(Das soll nicht heißen, dass Displays wie das des iPhone 4 nicht interessant sind: Die ungeheure Schärfe der winzigen Pixel dürfte das Lesen von Texten durchaus angenehmer machen. Allein die Größe des Displays macht aber ein richtig gutes Surf-Erlebnis unmöglich, wie auch bei allen anderen Handys dieses Formfaktors. Und das ist für mich der wichtigere Punkt.)

Die Hardware-Ausstattung ist State of the Art und mehr: Mit 1 GHz getakteter Snapdragon-Prozessor, 512 MB RAM, insgesamt 2,5 GB interner Speicher (Wow!), ein MicroSD-Steckplatz, der von Dell gleich mit einer beachtlichen 16-GB-MicroSD-Karte befüllt wird. Die 1530 mAh des Akkus sind eine ganze Menge, allerdings dürfte das große Display auch einiges an Strom ziehen. Trotzdem schneidet das Streak in Sachen Akkulaufzeit offenbar vergleichweise gut ab.
Dazu die volle Palette an Sensoren: Umgebungslicht, Annäherungssensor, Beschleunigungssensoren, Kompass und GPS.
Natürlich ist auch eine Kamera an Bord, mit Blitz (vmtl. LED, auch wenn ich dazu noch keine genaueren Informationen gefunden habe) und 5 Megapixeln. Wie in dieser Klasse üblich zeigen die Fotos Spuren einer massiven Rauschunterdrückung verbunden mit Scharfzeichnung. Starke Helligkeit führt leicht zu Halos. Damit spielt die Kamera in einer ähnlichen Liga wie die meines Nexus One: Für Schnappschüsse gerade noch brauchbar.
Zusätzlich gibt es eine Frontkamera für Videochat mit VGA-Auflösung.
Die Android-Tasten sind als Touchsensoren, nicht als Hardwaretasten ausgeführt. Seltsam (und etwas unverständlich) finde ich, dass die Suchtaste fehlt, die unter Android eigentlich schon recht hilfreich ist.
Außerdem scheint es keinen Trackball/Trackpad zu geben. Gerade bei der Cursor-Positionierung wäre das eigentlich ein sehr angenehmes Feature – wobei sich das wegen des großen Displays und der damit verbundenen größeren Genauigkeit beim Drauftippen auch als unnötig erweisen könnte.
Ein riesengroßes Manko ist natürlich die anfängliche Ausstattung mit Android 1.6. Vor allem wegen der limitierten Kontaktfunktionen (keine eigenen Felder für Vor- und Nachnamen usw.) wäre das der Grund für mich, mir das Gerät noch nicht zuzulegen.
Erst mit dem angekündigten Update auf Android 2.2 Froyo wird das Telefon/Tablet zu einer echten Alternative – und zu einer richtig genialen dazu! Je nach Quelle soll noch im September ein Update erfolgen, oder im Oktober ein Update auf 2.1 und im November auf 2.2. Dell selbst gibt nur an, „bis Ende des Jahres“ Froyo verfügbar machen zu wollen.
Immerhin: Es ist bereits jetzt möglich, Custom ROMs auf das Streak zu installieren, anscheinend ist der Bootloader nicht verschlüsselt. Sehr löblich! Ein inoffizielles 2.1 gibt es auch schon.
Hätte ich das Geld übrig, ich würde mir das Gerät besorgen, spätestens, wenn es ein offizielles Android 2.x dafür gibt. Falls nicht noch größere Schwierigkeiten des Streak bekannt werden, ist es in meinen Augen derzeit das definitiv interessanteste Angebot im Android-Bereich.
Update: Offensichtlich hat das Streak keine Benachrichtigungs-LED (siehe hier). Das ist natürlich übel. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass es ein Android-Gerät ohne Blinkmöglichkeit zur Benachrichtigung des Anwenders geben könnte. Einer der größten Vorteile von Android-Geräten gegenüber iOS-Geräten – einfach verschenkt.
Es gibt wohl erste Hacks, die die LEDs unter den Touch-Tasten einschalten können, aber scheinbar noch nichts, was das direkt in die Android-API einbinden würde, so dass jedes Programm damit funktioniert.
Bestimmt gibt es irgendwann Custom ROMs, die das bewerkstelligen. Trotzdem ist es ein Armutszeugnis, solche Basisfunktionalität nur mit Hackereingriff bieten zu können/wollen.
Es klingt nach einer Kleinigkeit, aber letztlich könnte das für mich zum Show Stopper werden.

Dienstag, 10. August 2010

Nexus-One-Zubehör im HTC Store

Für alle, die wie ich schon lange darauf gewartet haben, zu einigermaßen erträglichen Konditionen die Docks fürs Nexus One kaufen zu können: Jetzt ist es möglich, sie sind im HTC Store erhältlich.

Montag, 5. Juli 2010

waze: Neue Wege bei der Navigation

In meinem Post über Navigation unter Android hatte ich es schon kurz erwähnt: waze.
Mittlerweile nutze ich das System seit langer Zeit regelmäßig, und es wird Zeit, etwas darüber zu schreiben, zumal waze gerade in Deutschland noch relativ unbekannt ist.
Fangen wir von vorne an:

Was ist waze?
waze ist ein Navigationssystem. Es handelt sich dabei um eine Offboard-Lösung; Routen werden also auf einem Server berechnet und die nötigen Karten für die Route vom Server heruntergeladen. Sie werden zwar zwischengespeichert und, falls man keine Routen berechnet, erst 7-10 Tage später aktualisiert, für den Einsatz im Ausland ohne SIM-Karte von dort eignet sich das System aber nicht, solange Daten-Roaming so teuer bleibt.

Was sind die Besonderheiten von waze?
waze arbeitet mit nutzergenerierten Karten (jedenfalls zum Teil, siehe unten). Jeder User kann sie mit Hilfe eines webbasierten Editors verändern, sofern er schon einmal mit waze in der Gegend unterwegs war. Außerdem kann Jeder ein sogenannter Area Manager werden, was zusätzliche Rechte freischaltet.
Zusätzlich zum direkten Editieren trägt jeder User mit den Strecken, die er fährt, zur Verbesserung der Karte bei. Zum einen ändert sich mit der Zeit die Position von Straßen, die „knapp daneben“ angelegt wurden, zum anderen werden die Durchschnittsgeschwindigkeiten für die aktuelle Zeit-Wochentags-Kombination und ggfs. Abbiegeverbote, Einordnung einer Straße als Einbahnstraße etc. automatisch angepasst.
Dazu kommen noch Live-Verkehrsdaten. Steckt ein Wazer im Stau, wird das vom System erkannt, und andere werden um das Hindernis herumnavigiert. Zudem kann man direkt im Client bestimmte Daten melden, etwa einen Unfall, eine andere Gefahrensituation oder auch einen Blitzer. Andere Wazer werden entsprechend vorgewarnt.
Einen waze-Client gibt es für viele Smartphone-Betriebssysteme, etwa für Android und iOS, aber auch für Symbian, Windows Mobile und Blackberry.

Ist waze ein vollwertiges Navigationssystem?
Nein, in Deutschland derzeit noch nicht.
Die Kartendaten sind noch sehr unvollständig, und mit sehr meine ich wirklich sehr. Zwar wurde hier vor einiger Zeit eine Base Map installiert, d. h. einige Jahre altes Kartenmaterial eines kommerziellen Anbieters wurde gekauft und auf die waze-Server aufgespielt.
Das bedeutet aber nur, dass die meisten Straßen grundsätzlich vorhanden sind. Es gibt keine Daten zu Einbahnstraßen, Befahrbarkeit und Einfahrtserlaubnis mit einem normalen Auto (es sind auch viele Feldwege dabei), Abbiegeverboten etc., nicht einmal Straßen- oder Ortsnamen sind enthalten.
Alle Straßen aus der Base Map, auf denen noch nie ein Wazer gefahren ist (vor allem auf dem Land derzeit noch fast alle), sind zunächst als „No Entry“ gekennzeichnet. Der Routing-Algorithmus benutzt diese Straßen zwar trotzdem, wenn es keinen anderen Weg zum Ziel gibt, aber häufig kommen abenteuerliche Umwege oder Routen über nicht für den Autoverkehr freigegebene Straßen zustande.
Das Ziel anhand der Adresse zu suchen funktioniert entsprechend in den meisten Fällen auch noch nicht.

Wofür ist waze dann gut?
Zunächst einmal hat es ungeheures Potential. Mit entsprechend breiter User Base wäre waze sicher das beste erhältliche Navigationssystem. Davon sind wir momentan aber natürlich noch weit entfernt.
Aktuell macht es vor allem Spaß, und Sinn macht es für regelmäßige Strecken wie den Weg zur Arbeit.
Letztlich tut es fast genau das, was ich in einen Routenplaner hineinprogrammieren wollte.
  • Es verlässt sich wo immer möglich nicht auf allgemeine Durchschnittsgeschwindigkeiten für einen Straßentyp, sondern auf tatsächlich gemessene auf dieser Straße. Dadurch gehört die extreme Autobahnlastigkeit vieler Navigationssysteme der Vergangenheit an.
  • Vieles geschieht automatisch einfach durch Auswertung der Routen der User. (Sowas finde ich immer sehr faszinierend. :-) )
  • Es bietet, sofern vorhanden, mehrere mögliche Routen an.
  • Es ist völlig kostenlos und (noch?) werbefrei. (Zur Finanzierung unten mehr.)
  • Es macht Spaß, bei einem Mapping-Projekt in einem so frühen Stadium mitzumachen. Fast ein bisschen wie Open Streetmap früher, nur einfacher.
  • Die Community ist sehr nett, der Support gut.
  • Du willst den besten Weg zur Arbeit finden? Fahre einfach alle Alternativstrecken regelmäßig mit waze ab. Nach einiger Zeit kannst Du Dir vom System sagen lassen, was die beste ist. :-) (Zur Zeit kannst Du noch nicht davon ausgehen, dass Andere das vor Dir bereits gemacht haben.)
  • Die Karte enthälr Fehler? Kein Problem: Behebe sie direkt selbst in der Karte, und einige Zeit später wird das auch in den Routen Berücksichtigung finden.

Datenschutz? Open Source?
waze ist kostenlos und derzeit werbefrei, aber in zentralen Bereichen (Server) nicht quelloffen. Open Source sind allerdings sämtliche mobilen Clients.
Das Finanzierungsmodell sieht so aus: Das durch die User erstellte und immer aktuell gehaltene Kartenmaterial darf von den Usern selbst zu nicht-kommerziellen Zwecken innerhalb von waze unbegrenzt kostenlos benutzt werden. Die Kartendaten gehören aber waze, und zu gegebener Zeit wollen sie sie verkaufen.
Mit anderen Worten: Du schenkst Deine Kartenedits und Deine Routendaten der Firma, dafür stellen sie die Server hin, betreiben sie, programmieren die Software und geben Support.
Ob das ein fairer Handel ist, muss jeder selbst wissen – ich finde es ok.
Werbung wird es evtl. in Zukunft geben, jedenfalls ist das in der Privacy Policy so angegeben. Noch ist davon aber nichts zu sehen.
Diesem System entsprechend ist natürlich auch das Hochladen der Routen nicht abschaltbar, und der mobile waze-Client kann nur benutzt werden, wenn man einen User im waze-System anlegt. (Disclaimer: Ich habs nie anders probiert, aber ich denke, dass es ohne User nicht geht. Falls das jemand besser weiß, bitte kommentieren!)
Nur so kann die Bearbeitung der Karte in den selbst befahrenen Bereichen freigeschalten werden. (Die eigenen Routen kann man sich übrigens jederzeit auch als GPX-Dateien herunterladen.)
Das bedeutet, dass die Firma waze natürlich ein beträchtliches Wissen darüber erhält, wann und wohin ich mit dem Auto gefahren bin, während ich waze aktiviert hatte – und dieses Wissen ist eben nicht anonymisiert, sondern kann direkt mir als Wazer zugeordnet werden. Natürlich will waze diese Daten nicht an Dritte weitergeben, aber ebenso üblich dann doch, wenn der Staat es verlangt. Und was bei einem Verkauf oder einer Insolvenz passiert, steht natürlich noch einmal auf einem anderen Blatt.
Für Paranoideren unter uns also sicher keine Option. Ich persönlich habe mich aber entschlossen, das Risiko einzugehen.
Grundsätzlich könnte man vmtl. die Quellen für den Client hernehmen und das Hochladen der Routen verhindern. Beim derzeitigen Stand der Karte würde das aber nicht viel Sinn ergeben, da ohne eigene Beiträge auch durch gefahrene Routen in den meisten Fällen kein sinnvolles Routing-Ergebnis zu erzielen ist.
Ob man mit seiner aktuellen Position auf der Live Map im Netz und für andere Wazer unterwegs zu sehen ist (mit oder ohne Nick), ist im Client einstellbar. Auch kann man „pingbar“ sein oder nicht, d.h. für Chats unterwegs offen sein. Wie man außerhalb eines Staus aber mit einem Handy chatten soll, ohne den Verkehr zu gefährden, ist mir ein Rätsel. (Außer man ist Beifahrer. :-) )

Nachteile
Als erstes ist hier natürlich der Stand der Karte zu nennen. Durch fleißiges Editieren wird der aber sicher schnell besser werden, zumal waze momentan recht sprunghaft immer populärer wird.
Außerdem ist das Editieren der Karte mit „Cartouche“, dem Web-Editor, nicht immer ein Genuss. Manche Funktionen haben Bugs, und das Tempo lässt zuweilen deutlich zu wünschen übrig.
Bedingt durch die nicht immer exakten GPS-Daten der Mobiltelefone, aber auch teils durch nicht korrektes Kartenmaterial, muss man zuweilen die gefahrenen Routen noch einmal überprüfen und mit einigen Edits nachhelfen, damit die Strecke tatsächlich als passierbar gekennzeichnet wird. Dabei ist das System von Connectivity (von Straßenabschnitt A nach Straßenabschnitt B darf geroutet werden) und Abbiegeverboten nicht auf Anhieb schlüssig.
Wer schlecht im Kartenlesen ist, wird beim Editieren momentan kaum glücklich werden. Da die meisten Straßen und viele Orte nicht benannt sind, ist es oft nicht ganz einfach herauszufinden, welches Gebiet man momentan überhaupt auf dem Schirm hat.
Nervig ist außerdem die Unterteilung in www.waze.com (USA) und world.waze.com (Rest der Welt). Vor allem durch Links ins Forum aus Update-Mails zu abonnierten Threads landet man immer wieder auf www.waze.com und wundert sich dann beim Wechsel auf Karte und Editor, dass man sich nicht einloggen kann oder Kartenmaterial von ganz weit weg angezeigt bekommt.
Außerdem scheinen sich Cookies von Forum und sonstiger Site gegenseitig zu stören, so dass man sich immer wieder neu einloggen muss, auch wenn man das per Häkchen anders wollte. Besonders nervig im Forum, das keinen Login-Link hat – man muss erst eine Mitgliedern vorbehaltene Funktion aufrufen, um zum Einloggen gezwungen zu werden.
Stellenweise wirkt waze ein wenig zusammengestöpselt. So ist es am Anfang schwierig, sich in Cartouche einzufinden und die nötigen Informationen aus Wiki und Forum herauszufiltern. Erfahrung mit Open Streetmap kann hier hilfreich sein. Einige für mich wichtige Informationen (wie zum Beispiel die Frage, ob waze mit zeitabhängigen Geschwindigkeitsprofilen für die Straßen arbeitet) wurden mir erst durch einen waze-Mitarbeiter im Forum beantwortet, an offiziellerer Stelle waren sie nicht zu finden.
Das macht letztlich aber auch ein Stück weit den Charme des Projekts aus: Man merkt, dass das kein großes Unternehmen ist, sondern ein Haufen junger Entwickler mit einer Vision.

Sonstige Kurzinfos
  • Wer Twitter oder Foursquare benutzt, kann sie im Client einbinden. (Wie genau weiß ich nicht, da ich beide Dienste nicht nutze.)
  • Die neueste Beta der Telefon-Clients ist immer im Forum zu finden und bietet oft mehr als die offiziell freigegebene Version.
  • waze arbeitet mit Vektordaten für die Karte, die im Client gerendert werden. Dadurch bleibt die Datennutzung trotz der vielen Live-Daten relativ gering (ein paar hundert Kilobytes bei einer 50km-Strecke).
  • Man kann durch Aufzeichnen nicht vorhandener Straßen (sehr viele Punkte), Befahren bislang unbefahrener, aber bekannter Straßen (relativ viele Punkte), Befahren bekannter Straßen (wenige Punkte), Setzen von Markern für Blitzer usw., Edits und evtl. Forum-Posts (?) Punkte sammeln, die in ein User-Ranking einfließen.
  • Es gibt „Road Goodies“, normalerweise Törtchen auf bislang unbefahrenen Straßen, deren Einsammeln zusätzliche Punkte bringt. Außerdem laufen immer wieder Wettbewerbe (wo die Goodies dann inzwischen auf schon bekannten Straßen liegen, um die Einsammelbarkeit zu garantieren), bei denen es etwas zu gewinnen gibt, zur Zeit etwa der waze World Cup, bei dem man Fußbälle einsammeln muss. (Deutschland liegt nicht schlecht und ist ins Halbfinale gekommen! Schnell anmelden und mithelfen! ;-) )
  • Wer nach einigem Herumprobieren Spaß an der Sache gefunden hat, sollte sich am besten gleich als Area Manager eintragen lassen (so wie ich). Momentan sind die in Deutschland noch recht dünn gesät und teils für riesige Areale verantwortlich. Somit kann man sich kaum gegenseitig auf die Füße treten. Erst dadurch erhält man volle Rechte beim Editieren (etwa zum Löschen von Straßen). Und dass man viel Verpflichtung eingehen würde, braucht man auch nicht zu fürchten – jeder macht eben das, was er schafft und wofür er Zeit hat.

Fazit
Für mich ist waze ein hochinteressantes System mit richtig viel Potential. Auch wenn es momentan wegen des frühen Stadiums nur eingeschränkt nutzbar ist, möchte ich eine klare Empfehlung aussprechen.
Das Konzept ist klasse, und es macht Spaß, die eigene Region nach und nach auf der Karte entstehen zu sehen.
Für jeden, der Spaß an Navigationstechnik und Karten hat, ein absolutes Must-Have – und in ein paar Jahren dann hoffentlich für alle Anderen auch.

Montag, 19. April 2010

Erste Erfahrungen mit Android und meinem Nexus One

Jetzt nenne ich also seit fast einer Woche das Nexus One mein eigen.
Kurzes Fazit: Ich bin begeistert! :-)
Für die ausführliche Version beginnen wir mit dem Negativen:
  • Für Nicht-Geeks könnte so ein Android-Telefon einiges an Schwierigkeiten bereithalten. Einzelheiten werde ich späteren Posts noch ausführen, hier nur soviel:
    Hätte ich nicht aus IT-Erfahrung an vielen Stellen gewusst, wo ich suchen muss, hätte mir das Telefon manch graues Haar verpasst bzw. hätte ich es ungerechtfertig für Probleme verurteilt, die aus dem Zusammenspiel von seltsam programmierter 3rd-Party-Software und meinen speziellen Umständen entstanden und nichts direkt mit Android selbst zu tun hatten.
    Anders gesagt: Genial, perfekt für Leute, die sich auskennen, für reine User ohne große Computerkenntnisse teils mit Vorsicht zu genießen.
  • WiFi nicht immer stabil: Mein AP zu Hause (Fritzbox 7270) bleibt zwar normalerweise verbunden, wie er soll, aber zuweilen verliert er plötzlich die Verbindung und verbindet sich nicht von selbst wieder, angeblich weil der Login ins Netz gescheitert ist. Manuelles Neuverbinden funktioniert aber.
    Ein Tipp, den ich Netz fand, man solle die Verschlüsselung von „Autmatisch“ auf die tatsächlich verwendete Verschlüsselung umstellen, scheint nicht viel geholfen zu haben – zumal jedesmal, wenn ich auf die entsprechende Einstellungsseite wechsle, wieder „Automatisch“ eingetragen ist, obwohl ich das vorher geändert habe.
  • Zwar viel „kostenlose“ Software im Market, der größte Teil davon ist aber werbefinanziert, was ich sehr nervig finde. Nicht falsch verstehen – Entwickler sollen für ihre Arbeit durchaus Geld bekommen, da habe ich wirklich nichts dagegen. Ich hatte nur eine etwas andere Erwartung, weil ich vorher überall gelesen hatte, dass so viel Software im Android Market umsonst sei.
  • Manche kostenlose Andwendungen verlangen sehr verdächtige Berechtigungen, etwa Zugriff aufs Adressbuch für eine Wetter-Applikation oder Ähnliches. Gut ist immerhin, dass man ein solches Ansinnen vor der Installation angezeigt bekommt und es somit auch bleibenlassen kann. Besser wäre es, wenn man die App trotzdem installieren, ihr aber solche Zugriffe verbieten könnte.
  • Zwei Komplettabstürze des Systems bisher, die nur durch Akku rausnehmen zu beheben waren, jeweils offenbar ausgelöst durch ressourcenhungrige Applikationen (Google Earth und Skype lite). Das sollte bei einem gut programmierten OS eigentlich nicht passieren.
  • Ich hatte öfter gelesen, dass die die Touch-Buttons weiter oben gedrückt werden müssen als zu erwarten wäre. Ich setze hinzu, dass das eigentlich für den gesamten Touchscreen gilt. Vor allem bei sehr kleinen Knöpfen wie zum Beispiel beim Agenda Widget musste ich mich daran gewöhnen, ein gutes Stückchen weiter oben zu drücken als erwartet. Ich verstehe nicht, dass für kapazitive Touchscreens keine Kalibrierungsfunktionen angeboten werden, wie es früher bei den druckempfindlichen Sensoren üblich war – auch beim iPhone nicht.
    Das iPhone war in der Treffbarkeit kleiner UI-Elemente aber übrigens nicht besser, im Gegenteil. Beim Nexus One habe ich mir mit etwas Übung eine gute Treffsicherheit erarbeiten können. Beim iPhone habe ich bestimmte UI-Elemente (z. B. das „>“ im Kreis, sehr kleiner Button) regelmäßig erst beim fünften oder sechsten Versuch erwischt.
  • Manchmal völlig verkehrte Reaktionen des Touchscreens, Berührung wird einen knappen Zentimeter unter der eigentlichen Position registriert. Das ist bislang nur bei der Tastatur passiert (weiter oben auf dem Screen war alles korrekt), nur, seit ich CyanogenMod 5.0.6 statt des Stock ROMs draufhabe (kann aber Zufall sein), und nach Screen aus/an mit Abwischen des Touchscreens war alles wieder ok
    Nicht sehr schlimm, aber nervig, weil das a) beim iPhone in fast zwei Jahren Nutzung nie passiert ist und b) manchmal nicht nur falsche Tastaturtasten, sondern auch die Funktionsknöpfe unter der Tastatur erwischt werden. Home-Button erwischen, und alles Getippte kann weg sein (je nach App).
  • Die Standardtastatur bietet kein einfaches Umschalten zwischen mehreren Sprachen (beim iPhone eine Konfigurationsoption). Das lässt sich wohl mit anderen Tastaturen beheben, bisher hatte ich aber keine Zeit, mir die Optionen näher anzusehen. Tipps nehme ich in den Kommentaren gerne an. :-)
Jetzt aber zur schönen Seite der Medaille:
  • Geniales Tempo. Das Öffnen von Apps ist wesentlich schneller als beim iPhone 3G. (Ob das 3GS ähnliches Tempo bietet, weiß ich nicht.)
  • Unendliche Möglichkeiten. Es gibt so viele tolle kleine Apps, die so viele nützliche kleine Dinge tun können, es ist einfach überwältigend. Für mein Anwendungsspektrum ist das Android Market zigfach besser bestückt als der iPhone AppStore. Fürs iPhone gibt es extrem viel Mist und wenige sinnvolle Programme. „Für Android ist es genau umgekehrt“ wäre übertrieben, auch hier gibt es nicht wenig Quatsch und vor allem auch viel mehr schlecht Programmiertes als fürs iPhone. Die Anzahl wirklich nützlicher Applikationen ist aber meiner Meinung nach wirklich viel höher.
  • Die Kamera ist besser als ich dachte. Bei guten Lichtverhältnissen sind die Fotos richtig gut, bei schlechten teils richtig schlecht, aber weniger sclimm als beim iPhone 3G. Auch auf Fotos bei guten Lichtverhältnissen sieht das geübte Auge deutliche Spuren einer kräftigen Rauschunterdrückung (wie übrigens auch bei denen vom Xperia X10, die ich im Netz gesehen hatte), aber die Qualität ist mehr als ausreichend für Schanppschüsse.
    Der Blitz neigt leider zur Überbelichtung, was schade ist, weil die überbelichteten Bereiche auch in der Nachbearbeitung nicht mehr zu retten sind.
    Außerdem würde ich mir mehr Einstellungsoptionen wünschen, ähnlich wie beim Xperia X10. Mal sehen, ob da aus der Modder-Community mal noch was kommt.
  • Es ist ein unglaublich gutes Gefühl, mit seinem Telefon machen zu dürfen was man will. Ohne große Hackereien mal eben einfach gerootet und CyanogenMod drauf, fertig. (War etwas aufregend, aber dazu mehr in einem späeteren Post.) Mir war gar nicht klar, wie sehr ich das vermisst hatte.
  • Synchronisation mit dem Mac über SyncMate und Google scheint bislang gut zu funktionieren. Näheres auch dazu später, wenn ich längere Erfahrung damit habe.
  • Bis auf wenige Kleingikeiten finde ich die Oberfläche total klasse. Für mich besser als iPhone OS.
  • Alles, was ich am iPhone gemacht habe, kann ich unter Android auch tun. Manchmal etwas schlechter (z. B. fehlende Verfügbarkeit eines ähnlich guten Multi-Messengers wie BeejiveIM; kein 1Password; Browser sind meiner Meinung nach nicht ganz so gut bedienbar wie der des iPhone), meist aber gleich gut oder besser, was vor allem an den wundervollen Widgets und am Multitasking liegt.
  • Geniales Display. Ja, das PenTile-Display, an dem ich selbst schon gezweifelt hatte.Selbst bei ganz genauem Hinsehen sind keine Farbränder sichtbar, lustigerweise aber dann, wenn man schräg über den Rand des Displayrahmens auf einen Buchstaben schaut. Geniale Auflösung – wahrscheinlich etwas schlechter als bei einem Display mit drei Subpixeln, aber die Einzelpunkte sind auch so schon so klein, dass sie mit bloßem Auge kaum noch auseinanderzuhalten sind.
    Im Sonnenlicht wie zu erwarten sehr schwer ablesbar, aber die Nutzung ist nicht unmöglich.
  • Das Dock ist ein Segen. Der Akku ist nach einem normalen Tag (derzeit natürlich noch recht intensive Nutzung) mit aktiviertem UMTS unter 30%, insofern ist es perfekt, das Dock neben dem Bett stehen zu haben. Beim Zubettgehen einfach Telefon draufgelegt, kein umständliches Anstöpseln eines Micro-USB-Steckers. (Und nebenbei schaltet dann Setting Profiles das Telefon auch noch in den Flugmodus, der wieder aufgehoben wird, sobald das Telefon aus dem Dock genommen wird. Besser gehts nicht.)
  • Und, und, und …
Fazit: Das Nexus One ist für meine Ansprüche der Perfektion ziemlich nahe. Auch im Vergleich zum HTC Desire, das mich mit seinem signierten Bootloader genervt hätte und keine Docking Pins im Angebot hat, habe ich das Gefühl, mit diesem Kauf die absolut richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Selten mit einem Handy so glücklich gewesen.