Freitag, 9. April 2010

iPhone OS 4.0: Bewertung der Neuigkeiten

Gestern abend hat Steve Jobs vorgestellt, was in iPhone OS 4.0 so alles enthalten sein soll.
Um es kurz zu machen: Meiner Ansicht nach werden in erster Linie Dinge nachgeliefert, die schon immer hätten da sein müssen.
Interessant sind für mich folgende Punkte:
  • Multitasking. Na, endlich! Allerdings gibt es einige Punkte, die mich misstrauisch machen: Offenbar kann nicht einfach jede App im Hintergrund laufen; es wurden verschiedene „Multirtasking-Arten“ definiert, die ab sofort möglich sein sollen, sieben an der Zahl. Wenn ich das richtig verstehe, wird es aber auch in Zukunft nicht möglich sein, einen simplen Wecker selbst zu programmieren – nur eine Push-Nachricht köntne man zur richtigen Zeit senden, nicht aber die Applikation in den Vordergrund schieben und ein passendes UI anzeigen. Ebensowenig scheint es möglich zu sein, mit einem Programm, das nicht VoIP macht (Beispiel: IM), eine Netzwerkverbindung aufrechtzuerhalten.
    Achtung: Das ist nur meine Interpretation dessen, was ich gelesen habe, mag Unsinn sein.
    Multitasking wird es außerdem nur ab den 3GS aufwärts geben. War ja klar. :-/
  • Zugriff auf die Kalenderdaten. Meine Güte! Warum gab es das nicht schon immer? Endlich wird es möglich sein, Kalender-Apps zu schreiben, die nicht bei jedem Start erstmal mit Google synchronisieren müssen.
  • Voller Zugriff auf die Kamera.
  • iBookstore.
  • Ordner auf dem Homescreen.
  • Auf der negativen Seite: Eigenes Ad-Hosting von Apple; scheinbar mit Fullscreen-Anzeigen innerhalb von werbefinanzierten Apps. Ein druchschnittlicher User, der täglich 30 Minuten in Apps verbringt, würde etwa 10 Anzeigen zu sehen bekommen. Das wäre alle drei Minuten eine!
    Das klingt wirklich furchtbar. In etwa so nervig wie Werbung im Privatfernsehen.
    Bringt sicher viel Geld und mag auch dazu führen, das manch aufwändige App in einer werbefinanzierten Version angeboten werden kann – aber trotzdem, das würde ich mir nicht antun wollen.
    Das ist ein Punkt, der mich sehr froh macht, dass ich gerade dabei bin das iPhone hinter mir zu lassen.
    Leider steht zu befürchten, dass die Konkurrenz mit ähnlichen Angeboten nachziehen wird.
Und sonst? Nichts sonst. Nichts Relevantes, jedenfalls.
iPhone-User können sich über einige Verbesserungen freuen, die die Konkurrenz längst hatte, bleiben im Vergleich aber weiterhin eingeschränkt.
Sicher ist es aus einem gewissen Standpunkt auch gar nicht so dumm, etwa kein komplettes Multitasking zu erlauben – das steigert die Batterielaufzeit natürlich erheblich. Für viele User ist das genau das richtige, weil die bewusste Entscheidung für die Nutzung bestimmter, batteriefressender Hintergrundprozesse ein Wissen erfordert, das die wenigsten Nutzer wirklich haben.
Hat man es nicht, führt das letztlich zu Frustrationen und Unzufriedenheit mit dem Handy – kein Wunder, dass Apple so hohe Zufriedenheitsraten vorzuweisen hat, wie sie gestern auch von Steve Jobs wieder angeführt wurden.
Für Power-User ist das aber eine Gängelung, die einfach keinen Spaß macht.

Was weiterhin fehlt (soweit bisher bekannt):
  • Steuerung der Hardware durch Apps, etwa Telefonteil an- und ausschalten oder Klingeltonlautstärke ändern. Somit weiterhin kein Profile-Switching möglich, nicht einmal manuell.
  • Wie schon gesagt, „richtiges“ Multitasking ohne Einschränkungen.
  • Telefone auf dem aktuellen Stand der Technik (werden aber bestimmt bald welche angekündigt).
  • Flash – wobei das ein Punkt ist, wo ich Jobs wirklich recht gebe. Flash auf Android wird Werbung bringen, sonst nichts. Für Videos gibt es bessere Standards, und viele „richtige“ Flash-Anwendungen sind per Touch nicht bedienbar, setzen eine Maus voraus.
  • Möglichkeiten, einen alternativen Browser voll einzusetzen (so, dass auch Links aus anderen Programmen in diesem Browser geöffnet werden).
Fazit: Ich bin nicht beeindruckt. Das Update wird vieles auf dem iPhone besser machen, und für 0815-Nutzer mag es gegenüber anderen Smartphone-Betriebssystemen durchaus erste Wahl sein.
Wer die grundsätzlichen Möglichkeiten eines Smartphones voll ausschöpfen will, sollte aber zu anderen Alternativen greifen – persönlich empfehle ich Android.

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