Dienstag, 15. Dezember 2009

Gruseliger Moloch Facebook. Und Google?

Kürzlich ist mir etwas passiert, was mir einen kleinen Schauer über den Rücken schickte:
Wie es ja immer mal wieder passiert, hatte mich jemand zu Facebook eingeladen. Da ich keine Lust auf solche Communities habe, habe ich mich wieder einmal nicht angemeldet.
Das unheimliche war aber: Obwohl ich kein Facebook-Mitglied bin und noch nie war, zeigte mir Facebook in der Einladungsmail unter „Diese Facebook-Mitglieder könnten Sie kennen“ einen engen Freund und einen Bekannten an.
Die Mail ging an meine geschäftliche E-Mail-Adresse („Einlader“ war ein australischer Kollege in der Firma).
Ich kann nur vermuten, dass mindestens diese beiden, die meine geschäftliche E-Mail-Adresse kennen, vermutlich aber noch diverse weitere Freunde, das Facebook-Feature benutzt haben, bei dem man Facebook den Zugriff auf eigene Online-Adressbücher geben kann, um nachzusehen, ob die dort eingetragenen Personen ebenfalls Facebook-Mitglieder sind.
Facebook nutzt das ganz offensichtlich nicht nur für diese einmalige Abfrage, sondern speichert die Daten für eigene Zwecke auf den Servern ab. Flugs ist aus dem eigentlich privaten Adressbuch bei einem Online-E-Mail-Dienst ein Bestandteil des Datenmolochs Facebook geworden, über den dieser frei verfügt.
Ich habe in Facebooks Privacy Policy nichts gefunden, was die Weitergabe dieser Informationen an beliebige Dritte ausschließen würde. In der Aussage, wofür diese Daten benutzt werden, sind zwar „lediglich“ die Freunde-Vorschläge gelistet, die Facebook dem Nutzer und anderen macht, aber ob das bedeutet, dass anderes definitiv nicht damit geschieht, bezweifle ich zumindest.
Das bedeutet also: Facebook bedient sich meiner Daten, obwohl ich dort nicht einmal Mitglied bin und keinerlei Einwilligung dazu erteilt habe. Als Nicht-Facebook-Mitglied kann man zwar auf dieser Seite eine Löschung der eigenen E-Mail-Adresse aus der Datenbank beantragen, letztlich bleibt sie aber doch gespeichert – mit der Information, dass man nichts mit Facebook zu tun haben will.
Wesentlich lieber wäre mir hier die Möglichkeit, mich komplett aus den Datenbanken entfernen zu können und das notfalls wieder zu tun, wenn irgendwer eine meiner E-Mail-Adressen an Facebook verfüttert.

Und was ist mit Google? Ich muss mich hier wohl auch an die eigene Nase fassen, schließlich wird mein Adressbuch auch mit Google synchronisiert.
Ich bilde mir ein, irgendwo gelesen zu haben, dass Google „derzeit“ nicht vorhat, ähnliche Vernetzungsprofile auf Basis der Adressbücher zu erstellen. Selbst wenn ich das richtig in Erinnerung habe, ist eine solche Datenverwendung für die Zukunft aber mit voller Absicht nicht ausgeschlossen.
Google bietet zwar mittlerweile die Möglichkeit, sich alle Daten anzuzeigen, die Google über einen gespeichert hat – das sind aber nur die, die man selbst eingegeben hat. Beliebige abgeleitete Informationen sind in dieser Ansicht nicht zu sehen.
Bin ich deshalb gewillt, auf Google Mail, den Kalender, Blogger, Google Docs und so weiter zu verzichten? Nicht wirklich, jedenfalls noch nicht. Und genau das ist das Problem.
Genau so denken sicher die Facebook-Nutzer, denen ich gerne das Hochladen meiner E-Mail-Adresse zu Facebook verbieten würde.
Es ist einfach zu praktisch. Es ist zu gut. Zu unverzichtbar.
Gibt es irgendwo einen Online-Service, der vielleicht Geld kostet, aber datenschutztechnisch vertrauenswürdiger ist als Google? Wo ich Kalender, Mails und Adressbuch online halten und jederzeit mit meinem Mac und möglichst mit beliebigen Mobiltelefonnen synchronisieren kann? Vielleicht auch Open Source, um es auf meiner Domain zu installieren?
Ich möchte eigentlich den Komfort von Google Mail nicht missen, besonders die Labels haben es mir angetan. Nach und nach denke ich aber so langsam doch darüber nach, ob es mir nicht zu gruselig ist …

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