Mittwoch, 13. Januar 2010

[Update] Google zensiert nicht mehr in China

Wie heute morgen im Deutschlandfunk zu hören war, wurden offenbar die GMail-Konten mehrerer chinesischer Menschenrechtsaktivisten gehackt.
Als Reaktion darauf hat Google beschlossen, die Suchergebnisse der chinesischen Google-Seite nicht mehr nach den Vorgaben der chinesischen Regierung zu zensieren. Wow!
Da kann es einem glatt leichter fallen, wieder an Googles Motto „Don't be evil!“ zu glauben. Denn sollte Google diese Linie tatsächlich weiterverfolgen, dürfte das nichts weniger als den Ausstieg aus dem chinesischen Markt bedeuten – und damit den Ausstieg aus dem vielversprechendsten Wachstumsmarkt der Branche.
Zwar hat Google in China nie wie in einem Großteil der restlichen Welt die Markführerschaft erlangt, aber ein Wegbrechen dieses Marktes dürfte auch für Google nicht aus der Portokasse zu finanzieren sein. Vor allem nicht mit Blick auf mögliche Umsätze in der Zukunft.
Unglaublich. Und sehr begrüßenswert. Ich wünsche mir und Google, dass tatsächlich ab sofort überall auf der Welt keine politische Zensur durch Google mehr stattfindet. (Andere Zensur gibt es vmtl., zum Beispiel in Bezug auf Kinderpornografie, aber sicher weiß ich das nicht.) Das würde die in letzter Zeit aus Datenschutzgründen immer stärker ramponierte Reputation des Konzerns sicher massiv aufbügeln.

Update: Hier ist Googles offizieller Blogpost zum Thema. Einige Punkte stellen sich etwas anders dar als vom Deutschlandfunk berichtet:
  • Es wurde nur der Versuch gestartet, die GMail-Konten chinesischer Menschenrechtler zu hacken, In zwei Fällen gelang es, Informationen über die Accounts zu erlangen, Zugriff auf Mails soll aber in keinem Fall möglich geworden sein. Diese Versuche haben bereits im Dezember stattgefunden und waren nicht auf Google beschränkt.
  • Die GMail-Konten mehrerer europäischer und US-amerikanischer Aktivisten, die in China aktiv sind, wurden offenbar routinemäßig von Dritten eingesehen (also auch Mails gelesen). Hier soll aber keine Sicherheitslücke bei Google verantwortlich sein, vielmehr haben die User ihre Passwörter „selbst“ den Angreifern mitgeteilt, etwa durch eine Phishing-Website oder über einen Virus auf ihren Computern.
  • Momentan ist google.cn noch zensiert wie eh und je. Google verhandelt derzeit mit der chinesischen Regierung, ob und wie ein zensurfreies Google in China möglich sein könnte.
  • Google scheut aber offenbar auch nicht davor zurück, sich im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen aus dem chinesischen Markt komplett zurückzuziehen.
Respekt. Es wäre schön, wenn mehr große Unternehmen ihre Marktmacht auf diese Weise nutzen würden, statt immer nur dem maximalen Profit hinterherzurennen.

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