Mittwoch, 6. Januar 2010

Preisdiskussion bei eBooks, ermäßigte Umsatzsteuer?

Bei lesen.net war über eine EU-Petition zu lesen, die den reduzierten Umsatzsteuersatz für eBooks fordert.
Was in Spanien bereits Wirklichkeit ist, wäre europaweit nur zu begrüßen und hätte sicher mehr Sinn als die niedrigere Umsatzsteuer für Hotels.
Johannes von lesen.net vermutet, dass manch deutsches Verlagshaus diese Petition nicht gerne lese, fürchte man sich in Deutschland doch vor einer Kannibalisierung der lukrativen Hardcover-Preise.
Das halte ich für Unsinn.
Nicht die Furcht vor niedrigeren Preisen, wohl aber die Gegnerschaft zur Umsatzsteuersenkung. Die Verlage können dabei schließlich nur gewinnen. Sie hätten somit kalkulatorisch überhaupt erst sinnvolle Möglichkeiten, eBooks günstiger anzubieten als die Printausgaben (jedenfalls bei Taschenbüchern).
Trotzdem bliebe es ihnen weiterhin unbenommen, den eBook-Preis an dem der jeweils günstigsten Print-Ausgabe zu orientieren.
Ich weiß zugegebenermaßen nicht, wie andere eBook-Käufer das sehen, aber für mich ist es nur logisch, dass ein Buch als Neuerscheinung mehr kostet als später in der Zweitverwertung (Taschenbuch); weitere Preissenkungen in zusätzlichen Verwertungsstufen sind bei gut verkäuflichen Titeln einfach ganz normal.
Viele Bücher sind eben nunmal zunächst nur als Hardcover erhältlich, mit denen mehr Gewinn zu erzielen ist, warum sollten also eBooks nicht auch erst mit den Jahren günstiger werden?
Bei Elektronik wundert sich ja auch niemand darüber, dass Artikel nach einem Jahr oft nur noch die Hälfte ihre Einführungspreises kosten.
Sicher, man sollte darüber diskutieren, dass Rabatte fürs eBook gegenüber dem Hardcover-Preis deutlicher ausfallen sollten als gegenüber dem Taschenbuch-Preis, um die Kunden angemessener an den eingesparten Kosten teilhaben zu haben.
Trotzdem ist es für mich nur logisch, dass die Verlage nicht gleichzeitig ein Hardcover für € 26,– und ein eBook für € 8,– auf den Markt werfen können, ohne ihre Kalkulation massiv aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Wäre aber gleichzeitig ein eBook für ca. € 20,– zu haben, sähe die Sache schon anders aus.
Damit das möglich ist, muss aber natürlich die Umsatzsteuer auf eBooks dem Print-Steuersatz angepasst werden. Tatsächlich ist es daher seltsam, dass bislang nur sieben deutsche Unterzeichner der Petition zu finden sind.
Das kann sich aber natürlich nach dem Ende der typischen deutschen Weihnachtsurlaubs schnell ändern – zumal, wenn die Petition dann auch im Börsenblatt des deutschen Buchhandels Erwähnung findet, was zu vermuten ist, da schon einige Börsenvereins-Aktive unterzeichnet haben.
Solange die Umsatzsteuersituation ist, wie sie ist, sollten die Verlage aber zuallermindest den Preis ihrer eBooks dem der günstigsten erhältlichen Printausgabe anpassen. Leider ist nicht einmal das immer der Fall, da eBooks bei manchen Verlagen grundsätzlich um einige Cent teurer sind, bei anderen nur die „Haupt-Taschenbuchausgabe“, nicht aber Sonderausgaben berücksichtigt werden.

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